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Kiel Große Bombe geht mit kleinem Knall
Kiel Große Bombe geht mit kleinem Knall
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17:43 12.10.2019
Von Marc R. Hofmann
Bombenentschärfung in Dietrichsdorf am 12.10.2019 Quelle: Marc R. Hofmann
Kiel

Er ist aus Messing, nur wenige Zentimeter groß und ziemlich verbeult. Der Zünder der britischen Weltkriegsbombe, die vergangene Woche im Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf in Kiel gefunden wurde, war so stark beschädigt, dass sich die Experten des Kampfmittelräumdienstes auf eine schwierige Entschärfung eingestellt hatten. Doch die große Bombe ging mit nur einem kleinen Knall.

4000 Menschen müssen Wohnungen verlassen

Rund 4000 Menschen mussten im 500-Meter-Radius um den Sokratesplatz ihre Wohnungen verlassen, die Polizei sperrte etwa 30 Straßen am Ostufer der Kieler Förde. Ältere Anwohner und die Bewohner des Awo-Pflegeheims Boksberg erhielten Unterstützung von der Feuerwehr oder wurden mit Sonderbussen der Kieler Verkehrsgesellschaft aus dem Gefahrengebiet gebracht.

Während die Evakuierung des Gebietes laut Polizei "nach Plan" lief, tauchten kurz nach Beginn der Entschärfungsarbeiten doch noch Menschen im Sperrgebiet auf, die Arbeiten an der 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe mussten unterbrochen werden.

Sammelstelle bietet Dach über dem Kopf

Wer nirgendwo unterkommen konnte, wurde in der Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule am Masurenring betreut. Darunter viele ältere Bewohner und 150 überwiegend osteuropäische Trucker, die mit der Fähre in das litauische Klaipeda fahren wollten. Sie tranken Kaffee, der von den Hilfskräften gereicht wurde, viele zückten ihr Handy, um Freunde und Familie auf dem Laufenden zu halten.

Während die Stimmung dort entspannt blieb, herrschte Hochspannung bei den Männern vom Kampfmittelräumdienst am Sokratesplatz in der Nähe der Fachhochschule nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt.

Teil der Bombe vor Ort gesprengt

Denn zur Entschärfung müssen die Experten die sogenannte Zündkette aus Zünder, Detonator und Übertragungsladung aus der Bombe entfernen, wie Sprengmeister Hans-Jörg Kinsky vom Kampfmittelräumdienst erklärt. "Der Detonator war nicht mehr transportfähig und musste vor Ort gesprengt werden."

Erinnerungen an den Krieg

Für Anwohner wie Traute Sönnichsen bedeutete der Bombenfund in Kiel ein mulmiges Gefühl. Die 84-Jährige, die noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt hat, sagt: "Als Kind musste ich während der Bombenangriffe auf Kiel das Haus verlassen und im Keller eines Lehrerhauses in Heikendorf ausharren."

Am heutigen Tag hat sie es besser: Nachbarin Ivonne Steffen nimmt sie mit zu ihrer Tochter Jennifer, die außerhalb des Sperrgebiets wohnt. Jennifer Steffen sagt: "Wir machen uns den Tag so angenehm wie möglich."

Evakuierung zum wiederholten Mal

Bereits zum wiederholten Mal müssen auch Gert Schmalz (80) und seine Frau Gudrun aus ihrem Haus. "Für uns ist es bestimmt schon die zehnte Evakuierung", sagt sie in der Sammelunterkunft. Da ihr Mann gehbehindert ist, seien sie nun auf die Hilfe der Feuerwehr angewiesen. Das Paar trägt es mit Fassung.

Feuerwehr-Einsatzleiter Thomas Hinz sagt während des Einsatzes: "In der Sammelstelle ist ein bissiger Pinscher im Moment unser größtes Problem.“ 

Blindgänger im Innern noch intakt

Unterdessen gestaltet sich auch die Entschärfung der Fliegerbombe einfacher als erwartet: "Im Innern war die Bombe noch intakt", sagt Sprengmeister Kinsky. 

Es ertönt ein leiser Knall, gefolgt von einem grünen Leuchtkörper. Der Detonator ist gesprengt, das Lichtsignal zeigt den erfolgreichen Abschluss der Entschärfungsarbeiten an.

Im Anschluss wird die Bombe, auf deren Zünder das Produktionsjahr 1943 eingetragen ist, mit weißen Tüchern als ungefährlich präpariert. "Die signalisieren, dass die Zündkette entfernt ist", sagt Hans-Jörg Kinsky. Sprengstoff sei jedoch sehr wohl noch in der Bombe.

Bombe wird in Munster vernichtet

Fest verzurrt mit einer Baggerschaufel wird sie von den Männern des Kampfmittelräumdienstes zum Abtransport auf eine speziell präparierte Holzpalette im Heck eines Lastwagens gehoben. "Der Blindgänger kommt nun ein ein Zwischenlage rund und wird dann in einer Spezial-Verbrennungsanlage in Munster in Niedersachsen vernichtet", sagt Kinsky.

Die Leitstelle der Polizei zog nach Abschluss des Einsatzes eine positive Bilanz. "Es gab keine größeren Zwischenfälle", so ein Sprecher.

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