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Kiel Ermittlungsgruppe wurde verstärkt
Kiel Ermittlungsgruppe wurde verstärkt
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11:16 25.02.2015
Von Günter Schellhase
Am Norwegenkai kam es in der Nacht zu Dienstag ebenfalls zu einer Rauchentwicklung. Quelle: Frank Behling
Kiel

Die Menschen sind nervös auf dem Ostufer. Das wurde am Montag deutlich. Brandgeruch in einem Haus in der Nanthingasse sorgte dort am Abend erneut für einen Alarm. Doch ein Feuer mussten die Einsatzkräfte diesmal nicht löschen. Bei der Säuberung des Kellers, in dem es gerade erst gebrannt hatte, war so viel Staub und Ruß aufgewirbelt worden, dass die Bewohner glaubten, ein Feuer zu riechen.

Tatsächlich brannte es kurzeZeit später in einem sechsgeschossigen Mehrfamilienhaus in der Danziger Straße im Stadtteil Wellingdorf. In einem Gebäude am Norwegenkai gab es eine Rauchentwicklung. Die Serie von Keller- und Wohnungsbränden hält die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei seit Dezember in Atem. Inzwischen kommt fast in jeder Nacht auf dem Ostufer zu einem Brand.

Die Kieler Polizei hat in der Nacht ihre Präsenz auf dem Kieler Ostufer weiter verstärkt. Streifenwagen und Ermittler waren die Nacht über in den Stadtteilen Gaarden, Wellingdorf, Ellerbek und Dietrichsdorf unterwegs. Ob es Ergebnisse gibt, steht noch nicht fest. In der Nacht zum Dienstag hatte es in Wellingdorf in einem Mehrfamilienhaus gebrannt.

 Die Suche nach den wahren Tätern geht unterdessen weiter. Immer wieder melden sich Anwohner bei der Polizei und erzählen von ihren Beobachtungen nach den Bränden. „Es sind aber eher vage Hinweise – wie beispielsweise, dass eine Person nach einem Feuer vor zwei Wochen einen verdächtig aussehenden Mann gesehen haben will“, sagte Kiels Polizeisprecher Harald Höpcke. Die Polizeiführung hat die Ermittlungsgruppe nochmals um mehrere Kripobeamte aufgestockt. Wie viele Polizisten an der Aufklärung dieser Serie arbeiten, wollte Höpcke aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht sagen.

 Neben den Polizisten des für Brandsachen zuständigen Kommissariats 11, den Beamten der Station in Dietrichsdorf und den Brandsachverständigen der Plöner Kripo sind jetzt noch weitere Kriminalisten auf der Jagd nach den Feuerteufeln. Sie werten die Hinweise aus der Bevölkerung aus, befragen Zeugen und schauen sich die Brandorte nochmals genau an. „Es wurden auch verwertbare Spuren an Häusern gesichert“, sagte Höpcke. Alles auszuwerten, koste aber viel Zeit. Konkrete Hinweise seien bisher nicht dabei. Die Staatsanwaltschaft hat 5000 Euro Belohnung für Tipps ausgelobt, die zur Ergreifung der Täter führen.

 Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt (GdP) die Einrichtung der Ermittlungsgruppe. „Es ist gut und wichtig, dass die Beamten präsent sind und somit der Bevölkerung ein Gefühl von Sicherheit vermitteln“, sagte GdP-Geschäftsführer Karl-Hermann Rehr. Doch dafür bleibe an anderer Stelle Arbeit liegen – wie beispielsweise bei Fußballeinsätzen oder Demonstrationen. Denn wenn zusätzliche Streifen gebildet werden, die nachts unterwegs sind, fehlten die Beamten tagsüber auf dem Revier. So ist derzeit die Personaldecke der Polizei in Dietrichsdorf dünner, sagte Rehr. Auch im Kommissariat 11 müssten Vorgänge auf die lange Bank geschoben werden.

 Zudem bindet die Öffentlichkeitsarbeit Kräfte: Am Sonnabendvormittag hatten Feuerwehrmänner und Polizisten auf dem Gaardener Wochenmarkt auf dem Vinetaplatz um die Unterstützung der Einwohner geworben. Die Resonanz war positiv – alle hofften, dass der Spuk bald vorbei ist. Aber noch in der selben Nacht brannte es wieder: Kurz vor Mitternacht alarmierten Anwohner des Heikendorfer Wegs in Dietrichsdorf die Einsatzkräfte. Mehrere Gegenstände im Keller eines Mehrfamilienhauses standen in Flammen. Menschen wurde nicht verletzt. In der Straße hatte es zu Beginn der Serie mehrfach gebrannt.