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Kiel Tausende gehen zur Demo
Kiel Tausende gehen zur Demo
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17:22 27.01.2015
Von Günter Schellhase
Knapp 3000 Demonstranten zogen vergangene Woche durch die Innenstadt in Flensburg. Quelle: Carsten Rehder
Kiel

Die Polizei geht von einem friedlichen Ablauf aus.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ergriff die Initiative und meldete die Kundgebung für eine „bunte, freie und offene Gesellschaft“ bewusst am Holocaustgedenktag an. „Gemeinsam machen sich Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik, Kultur, Gewerkschaften, Wissenschaft, Verbänden und der Wirtschaft stark für ein Land, in dem Freiheit und Respekt, Vielfalt und Weltoffenheit, Demokratie und Toleranz, Hilfsbereitschaft und Solidarität lebendig bleibt“, sagte Frank Hornschu, DGB-Vorsitzender der Region Kiel.

 Dem Bündnis haben sich der Ministerpräsident für die Landesregierung, alle demokratischen Parteien und die Gewerkschaften angeschlossen. Dazu gehören unter anderem auch die Mitglieder der Islamischen Gemeinde, des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, der Jüdische Gemeinde und der Deutsch-Türkische Gesellschaft. Angestellte des Opern- und Schauspielhauses sind ebenso dabei wie der Gesamtpersonalrat der Stadt Kiel, die Stadt Eckernförde und die Studentenvertretungen der Hochschulen.

 „Schleswig-Holstein ist ein weltoffenes Land, hier ist kein Platz für Fremdenhass. Deshalb gehen wir zusammen auf die Straße mit der klaren Botschaft: Wir lassen unser Miteinander nicht vergiften von Menschen, die Angst und Vorurteile verbreiten“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig. Die Schleswig-Holsteiner wehrten sich gegen diejenigen, die Menschen aufgrund ihrer Religion, Kultur oder Hautfarbe verurteilten. „Wir sind mehr und wir sind stärker, das wollen wir bei den Kundgebungen zeigen“, so Albig.

 Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer freut sich auf die Demonstration: „In Kiel beweisen wir alltäglich, dass wir solidarisch und offen mit Zuwanderern und Flüchtlingen umgehen.“ Die von einem breiten Bündnis getragene Kundgebung werde ein starkes Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit setzen, so Kämpfer. Unterstützung findet das Bündnis auch an der Christian-Albrechts-Universität. Ohne Gastwissenschaftler, ohne internationale Studierende und ohne den weltweiten Austausch von Wissen wären moderne Wissenschaft und sich weiterentwickelnde Gesellschaften undenkbar, hieß es.

 „Mit möglichst vielen Teilnehmer sollten wir zeigen, dass hier keine Form von Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Faschismus toleriert wird“, so der DGB-Mann Hornschu. Der Schulterschluss gilt als Reaktion auf eine mögliche Gründung eines Pegida-Ablegers in Schleswig-Holstein. In Flensburg und Lübeck hat es bereits Kundgebungen für Toleranz und gegen Rassismus mit insgesamt mehr als 7000 Menschen gegeben.

 Ein friedlicher Verlauf erscheint sicher: „Ich habe bisher keine Anmeldungen und Anfragen von der anderen Seite“, sagte Christoph Cassel, stellvertretender Ordnungsamtsleiter. Das bestätigt auch Bernd Triphahn, der bei der Kieler Polizei den Einsatz plant: „Wir gehen von einer friedlichen Veranstaltung aus und haben keine Kenntnisse, dass sie gestört werden könnte.“

 Der Auftakt auf dem Wilhelmplatz wird um 18 Uhr live im dritten Programm übertragen. Gegen 18.15 Uhr soll sich der Zug auf der bereits von der Stadt genehmigten Route in Bewegung setzen.

 Es geht durch die Hermann-Weigmann-Straße und Ringstraße zum Hauptbahnhof. Dann wandern die Demonstranten das Sophienblatt und die Andreas-Gayk-Straße entlang, bis sie an der Hafenstraße Richtung Asmus-Bremer-Platz links abbiegen und den Rathausplatz erreichen. Dort sprechen unter anderem Vertreter der jüdischen Gemeinde, Cebel Kücükkarac von der türkischen Gemeinde, Mitglieder des Runden Tisches gegen Faschismus und Rassismus sowie Mitarbeiter des Forums für Migration. Die Redezeiten sind auf drei Minuten festgelegt. Abgerundet wird die Veranstaltung mit Live-Musik.

 Während des Marsches müssen die Verkehrsteilnehmer mit erheblichen Behinderungen rechnen. „Bis sich 5000 Menschen in Bewegung gesetzt haben, wird es einige Zeit dauern“, sagte Triphahn. Die Polizei wird die Marschroute absperren und die Kundgebung entsprechend lenken. Wer als Autofahrer durch die Stadt fährt, sollte Wartezeit einplanen.