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Kiel Holstein-Ultra vor Gericht
Kiel Holstein-Ultra vor Gericht
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09:36 11.07.2018
Von Thomas Geyer
Am Dienstag begann im Kieler Landgericht der Berufungsprozess gegen den letzten der angeklagten Holstein-Ultras. Quelle: Angelika Warmuth
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Kiel

Im März 2017 hatte das Amtsgericht die sechs mutmaßlichen Holstein-Schläger wegen gemeinschaftlichen Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen zwischen einem und zwei Jahren sowie 2000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Alle sechs Angeklagten kamen mit Bewährung davon. Fünf akzeptierten das Urteil. Nur ein 27-Jähriger aus dem südwestlichen Kieler Umland will „nichts mit der Sache zu tun“ gehabt haben.

Angeklagter will nur zufällig am Tatort gewesen sein

Zum Auftakt des voraussichtlich dreitägigen Berufungsprozesses berief sich der Angeklagte in einer schriftlichen Erklärung auf eine Verletzung seines linken Zeigefingers: Eine frisch genähte Wunde habe ihm jegliche Beteiligung an Tätlichkeiten unmöglich gemacht. Der 27-Jährige räumte ein, sich „in der Ultra-Szene bewegt“ zu haben, Gewalt sei ihm jedoch „zuwider“. Am Tatort sei er nur zufällig gewesen, weil er nach Verlust des Führerscheins den Bus vom Stadion zum Hauptbahnhof nehmen musste.

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Doch gerade an den Mann mit dem auffälligen Verband will sich der damals verprügelte und beraubte Werder-Fan ganz besonders deutlich erinnern. Der Hooligan-Attacke am Sophienhof sei „ein furchtbares Spiel, eine dicke Klatsche“ im Holstein-Stadion vorausgegangen, erinnert sich der 28-jährige Politikstudent an die 0:3-Niederlage seiner zweiten Mannschaft.

Während des Spiels hätten er und sein ebenfalls angereister Kumpel im nur mäßig gefüllten Gästeblock ihre Fan-Schals getragen und ein Banner am Zaun befestigt. Dessen Aufschrift „Free Valentin“ und ihr Symbolwert gegen rechtsradikale Fußballfans provozierte laut Urteil die Wut der Holstein-Hooligans.

Rollkommando verabredete sich bei Whatsapp

Die Angeklagten rotteten sich über soziale Medien zu einem Rollkommando zusammen, wie die polizeiliche Auswertung ihrer Smartphone-Chats ergab. „Schon gesehen?“ funkte einer in die Whatsapp-Gruppe, „die zeigen so’n Scheiß“. „Alles klar Alter!“, antworten andere, „bin gleich da“ oder „bin einsatzbereit“. Besagten Einsatz nahmen die Zeugen zunächst als Verfolgung einer immer größer werdenden Gruppe junger Männer wahr, die sich zum Teil auf schwarzen T-Shirts als „Förde-Krieger“ mit KSV-Logo ausgewiesen hätten.

Gleich nach Verlassen des Busses am Bahnhof traf den 28-Jährigen ein Schlag auf den Hinterkopf. Danach prasselte laut Urteil des Amtsgerichts eine Serie von Fußtritten und Schlägen auf Beine und Rücken der Opfer ein. „Haben Banner!“, chattete einer der Angreifer um 16.40 Uhr. Man treffe sich am Bootshafen, am Bahnhof seien „die Bullen“. Noch am selben Abend stellten die Täter Fotos der erbeuteten Trophäen als Erfolgsmeldung ins Netz.

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