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Kiel Aufstieg und Absturz mit der Marine
Kiel Aufstieg und Absturz mit der Marine
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07:00 13.11.2016
Von Kristiane Backheuer
Der Jurist Klaus Alberts hat die Stadt zur Kaiserzeit unter die Lupe genommen und damit den letzten Band seiner Schleswig-Holstein-Triologie herausgebracht. Der Kieler Rathausturm spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Quelle: Frank Peter
Kiel

Und von der Graf von Bismarcks und von der des Großadmirals von Tirpitz. Und er lernte, Kiel mit anderen Augen zu sehen. Als große Marine-Hauptstadt einer erträumten neuen Weltmacht. Nach zwölf Monaten tauchte er wieder auf aus den Archiven und Bibliotheken des Landes – und präsentiert nun einen prächtigen Geschichtsband unter dem Titel „Im Glanz wilhelminischer Seemacht-Träume“. Auf 200 Seiten, mit unzähligen Fotos und Abbildungen, beleuchtet er die Stadt in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs. Das Buch ist der dritte Teil seiner Schleswig-Holstein-Triologie.

 „Kiel war die Lieblingsstadt von Wilhelm II.“, erzählt Klaus Alberts. „Hier konnte er durchatmen, fühlte sich frei. Wenn er aus dem Bahnhof trat, das Kaiserportal durchschritt, war er angekommen. Die Leute lagen ihm zu Füßen, die frische Ostseeluft beglückte ihn, seine Flotte begrüßte ihn freudig mit einem Salut. Das war seine Welt.“ So oft es ging, sei der Kaiser Berlin entflohen. „In der brodelnden modernen Millionenstadt wirkte er schon wie aus der Zeit gefallen mit seinen Orden, Paraden und dem Prunk“, so Alberts. „Aber in Kiel konnte er der selbstverliebte Monarch sein, der überall im Mittelpunkt stand.“ Von Bismarck habe einmal über den Kaiser gesagt, seine Majestät möge nicht so gerne arbeiten, er hätte am liebsten jeden Tag Geburtstag. „In Kiel hatte er jeden Tag Geburtstag“, sagt Alberts schmunzelnd.

 Nach und nach lässt uns Klaus Alberts teilhaben an dem kometenhaften Aufstieg der Stadt. „Wilhelm II. wollte der ganzen Welt seine Macht zeigen. Er rüstete seine Flotte ins Gigantische auf.“ Hinter dem Rüstungsprogramm und dem damit einhergehenden Ausbau des Reichskriegshafens Kiel habe vor allem ein Zweck gestanden: „Der Kaiser wollte England Respekt abverlangen und es dazu bringen, die Gleichrangigkeit des Deutschen Reiches und seines Souveräns anzuerkennen“, erklärt der Autor. „Die Hassliebe zu England durchzieht das gesamte Leben von Wilhelm II.“ In Admiral Tirpitz habe der Kaiser schließlich seinen kongenialen Partner gefunden. „Von Tirpitz war der Macher, der es verstand, die Ideen des Kaisers in die Tat umzusetzen und auf dem Wege über die Seemacht Deutschland zu einer Weltmacht zu machen.“ Nicht einmal vor der Kieler Woche habe Wilhelm Halt gemacht. „Es reichte ihm nicht, dass bei dem Ereignis die besten Jachten der Welt um den Sieg kämpfen“, so Alberts. „Er machte aus dem Fest ein Militärspektakel, um der Welt seine Flotte zu zeigen.“

 Auch baulich dominierte die Marine die Stadt. Sie ließ die Marineakademie bauen – das heutige Landeshaus. Für den Bau einer ersten Garnisonkirche, der Pauluskirche, ließ sie sogar von einem Ausbildungsgeschwader Marmor aus dem Mittelmeer herbeischaffen. Mit der Petruskirche in der Wik und der der katholischen St.-Heinrich-Kirche folgten weitere. Auch mit dem Bau des neuen Rathauses wurde ein Zeichen für die Marinehauptstadt gesetzt. Denn der Turm des Rathauses sei dem Turm von San Marco in Venedig nachempfunden worden. „Venedig war jahrhundertelang die Herrscherin des Meeres. Ein besseres Symbol als diesen Turm konnte es nicht geben.“

 Ein Kapitel widmet Klaus Alberts auch Prinz Heinrich (1862-1929), dem Bruder des Kaisers, der im Kieler Schloss lebte. „Er war ein ,Sailor Prince’ und ein ,It-Man’“, sagt er lachend. Eben so wie „It-Girls“, die nur hübsch und berühmt sind – eigentlich für nichts. So sei Heinrich einmal von einem Vorgesetzten als „zu töricht für ein hohes Kommando“ beschrieben worden, sagt der Autor. „Aber bei den Kielern war er äußerst beliebt. Er hatte ein bescheidenes Wesen, lebte sehr zurückgezogen und konnte perfekt Platt. Das mochten die Kieler.“ Doch nach all den euphorischen Jahren des Aufbruchs sei es dann langsam bergab gegangen, erläutert Alberts: Deutschland verlor den Ersten Weltkrieg, mit der Marineherrlichkeit ist es vorbei. „Im Oktober 1918 beschlossen die hohen Offiziere den Waffenstillstandsbemühungen der Reichsregierung zum Trotz die Flotte noch einmal in einen ,ehrenhaften’ Schlusskampf zu schicken“, sagt Alberts. „Diesen Befehl jedoch verweigerten die Matrosen, was letztendlich zu dem weltgeschichtlichen Matrosenaufstand in Kiel führte.“ Mit dem berühmten kaiserlichen Satz „Ich habe keine Marine mehr“ sind das Deutsche Kaiserreich und seine Marine Geschichte.

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