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Kiel Schilkseer fühlen sich beleidigt
Kiel Schilkseer fühlen sich beleidigt
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09:23 11.02.2014
Von Ingrid Haese
Das Thema ist vom Tisch, sorgt in Schilksee aber immer noch für Unmut: die Gedenkkapelle. Quelle: Stadt Kiel
Kiel

Der Hintergrund: In Steilküstennähe sollte die Kapelle auf der städtischen Fläche Kuhwiese errichtet werden, an die 228 Opfer einer Flugzeugkatastrophe 2009 über dem Atlantik erinnern und ein für alle Glaubensrichtungen offener Gedenkort sein. Auf der Januar-Sitzung des Ortsbeirates, hatte es zu dem Vorhaben unter großer Bürgerbeteiligung eine Debatte gegeben in der sich zahlreiche Kapellen-Gegner zu Wort gemeldet hatten. Gegenstand der Diskussionen war außerdem eine von der Stadt angekündigte Informationsveranstaltung zum Kapellen-Projekt. Sie fand letztendlich nicht statt, weil Vertreter der Hinterbliebenen der Absturzopfer nach der Debatte in Schilksee ihr Angebot, der Stadt Kiel die Kapelle zu schenken, zurückgezogen hatten.

 Auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung nahmen Bürger Bezug auf die Diskussion im Januar und auf spätere Berichte: So hatte sich Christoph Holst (CDU) der Presse gegenüber kritisch über die Einstellung einiger Schilkseer geäußert, die „einerseits Bürgerbeteiligung fordern und dann eine von der Stadt für Februar geplante Informationsveranstaltung ablehnen“. Holst hatte in dem Zusammenhang von einer „bornierten Einstellung“ gesprochen. Aus den Reihen der Bürger wurde auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung der Vorwurf laut, Holst habe mit seiner Äußerung alle Schilkseer Bürger beleidigt. Der Ortsbeiratsvorsitzende wies dieses zurück. Auf Nachfrage sagte er jetzt: „Ich habe nicht alle Schilkseer gemeint, sondern explizit nur diejenigen, die eine Informationsveranstaltung der Stadt als überflüssig bezeichnet hatten, denn diese Veranstaltung wäre dringend nötig gewesen, gerade, weil so viele Fragen der Bürger formuliert worden waren.“

 Den Ortsbeiratsmitgliedern hatte Holst auf der jüngsten Sitzung die Frage gestellt, ob ein Antrag auf Abberufung des Ortsbeiratsvorsitzenden auf die Tagesordnung für die kommende Sitzung gesetzt werden solle. Ein solcher Antrag wurde nicht auf die Agenda gesetzt. Antje Möller-Neustock (SPD), stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende, erläuterte auf Anfrage, es habe in an den Ortsbeiratsvorsitzenden adressierten Briefen und Faxen Aufrufe zum Rücktritt von Holst gegeben. Diejenigen, die geschrieben hätten, seien irritiert gewesen über die Adjektive, die er gewählt hatte, so zum Beispiel über das Wort „borniert“. „Herr Holst wurde persönlich angesprochen, wir wollten ihm die Möglichkeit zu einer Stellungnahme geben“, erläuterte Möller-Neustock und kündigte an: „Wir werden das Verhalten von Herrn Holst intern in der Partei diskutieren.“

 Die Bürgerinitiative Schilksee, die nach eigenen Angaben über 2500 Unterschriften gegen den Bau der Kapelle auf der Kuhwiese gesammelt hat, hatte dem Ortsbeiratsvorsitzenden auch ein Schreiben zukommen lassen, darin unter anderem dessen „herablassende Äußerungen in der Presse“ kritisiert. „Wir haben keinen Rücktritt gefordert, wir meinen nur, dass diese Äußerungen Holsts nicht vereinbar sind mit seiner Pflicht“, erläuterte dazu Jens Jacobus, der zum Sprechergremium der Initiative gehört.

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