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Kiel Bürgernähe auch an der Gitarre
Kiel Bürgernähe auch an der Gitarre
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07:39 04.05.2012
Von Anne Spielmeyer
Nur mit seiner Familie feiert Alt-Oberbürgermeister Karl-Heinz Luckhardt seinen 80. Geburtstag in Suchsdorf. Quelle: Foto Pregla
Kiel

In Karl Heinz Luckhardts Mehrgenerationenhaus in Suchsdorf leben Ideale: Der alte Mann sitzt in seinem barrierefreien Anbau und trinkt Tee, während seine Enkelkinder um den Ökoschwimmteich toben. Dass Luckhardt am Freitag einen Herzinfarkt hatte, merkt man dem geselligen Grauhaarigen kaum an: „Im Alter muss man in Bewegung bleiben“, sagt er. „Körperlich und geistig.“

 Als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, kreisten seine Gedanken um Reformen aus seiner Amtszeit. „Ich habe mich immer stark gemacht für kleine Einheiten in Krankenzimmern, höchstens Zwei-Bett-Zimmer“, sagt er, der im Vier-Bett-Zimmer landete. „Was haben die Nachfolger da gemacht?“, fragt er und lacht. Gut verstanden habe er sich trotzdem mit allen Zimmergenossen und zumindest die älteren Krankenschwestern hätten ihn noch erkannt. „Vor mir kamen vier Oberbürgermeister, nach mir vier, machen wir uns nichts vor.“

 Zwölf Jahre stand Luckhardt an der Spitze der Kieler Verwaltung, eröffnete den Sophienhof, schob die Hörn-Sanierung inklusive Norwegenkai an und zementierte auch die Partnerschaften zu Tallinn und Stralsund. „Nicht erlaubte kommunale Außenpolitik“, nannte sich sein widerständiges Wirken.

 Monate vor dem Fall der Mauer wurde Stralsund mit Warenanlieferungen aus Kiel unterstützt, nach der Wiedervereinigung halfen Mitarbeiter der Kieler Stadtverwaltung, Behördenstrukturen zu schaffen. „In der Politik muss man auch mal was riskieren“, sagt er und weiß, wovon er spricht: Von 1963 bis 1971 war Luckhardt wissenschaftlicher Assistent der SPD-Fraktion im Landtag, 1971 wurde er in den Landtag gewählt, wurde Parlamentarischer Geschäftsführer. „Es ist erstaunlich, wie Politiker stundenlang über bürgernahe Politik sprechen können, ohne zur Tat zu schreiten“, sagt er.

 In der Ratsversammlung habe er mal angeregt, die Tagesordnung zu ändern: „Punkt 1: Beleidigungen, Beschimpfungen und andere Gemeinheiten, Punkt 2: Wir kommen zur Sache.“ Nicht alle hätten darüber lachen können.

 In Sachen Bürgernähe zieht Luckhardt noch immer die klassischen Saiten auf: Gitarre und Gesang, politisch und privat. „Texte mit Verstand, kein Wortgeklingel“, sagt er und blättert durch Klarsichtfolien. Die Wise Guys und die Ärzte stehen momentan auf seiner Liste. Musikalisch wird er seinen 80. Geburtstag am Donnerstag aber nicht begleiten.

 Die ursprünglich für Sonnabend geladenen 60 Gäste sollen im Sommer kommen. Eine neue Lektion im Kapitel „Älter werden“, findet Luckhardt.