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Kiel Ideen für behutsame Nutzung des Meeres
Kiel Ideen für behutsame Nutzung des Meeres
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15:30 24.08.2019
Von Petra Krause
Die Meeresbiologen Levent Piker (links) und Peter Krost zählen zu den Gründern von CRM. Hier stehen sie vor den Braunalgen-Versuchsbecken.  Quelle: petra krause
Kiel

„Meeresforschung war noch eine Art Elfenbeinturm der Wissenschaft – etwas elitär, aber gleichzeitig auch muffig“, beschreibt Gründungsmitglied Levent Piker die damalige Situation. „Es hatte mit der gesellschaftlichen Entwicklung nicht viel zu tun.“ Das Ziel dreier junger jobsuchender Meeresbiologen war aber – neben Geld verdienen –, „Ökologie, Ökonomie und Soziales zu verbinden. Wir wollten unser Wissen anwenden“, so Piker zur Grundmotivation, die zur Gründung von CRM führte. 

In einem Mielkendorfer Keller fing alles an

Im Mielkendorfer Keller des Hauses von Meeresbiologe Peter Krost ging man als GbR an den Start. Gleich beim ersten Auftrag vom Umweltbundesamt, der Mitarbeit an einem vorbereitenden Dokument der Bundesregierung für die Nordseeschutzkonferenz, hatten sich die vier Gründungsmitglieder in Bezug auf den Arbeitsaufwand „völlig verschätzt“. Damals gab es dafür 12 000 Mark. „Heute würden wir das nicht für 50 000 Euro machen“, sagt Peter Krost mit einem breiten Grinsen. Liegen wurden im Keller aufgestellt, einer hat geschlafen und der andere gearbeitet – „ohne Nachtschichten wäre das Dokument nicht fertig geworden“. Der Einsatz lohnte sich dennoch. Die gute Arbeit brachte Renommee und somit weitere Aufträge. „Wir haben danach viele Gutachten vor allem zur Baggergutverbringung angefertigt“, so Piker. „Eine Gesetzesänderung bei der Verbringung von Baggergut war ein gutes Jobbeschaffungsprogramm für uns“, erzählt er weiter.

Umzug an den Tiessenkai

Das führte zu einem Aufstieg „in eine Anliegerwohnung mit Tageslicht und Garten“ und im Jahr 2000 schließlich in eine 300 Quadratmeter große Schiffsmotoren-Werkstatt am Tiessenkai. Gleichzeitig brachten die Gutachten genug Geld, um die eigenen Themen anzugehen, die CRM bis heute am Herzen liegen: die nachhaltige Nutzung der Meere. Aus der Forschung zu nachhaltiger Aquakultur entstand beispielsweise ein EU-Projekt über die Auswirkungen der intensiven Lachszucht in Chile, um umweltgerechte Bedingungen für Lachsfarmen zu entwickeln. „Das ist aber in verschiedener Hinsicht problematisch. Denn man verwandelt im Grunde nur einen billigen Fisch, den sich die Menschen dort leisten könnten, in einen teuren für den europäischen Markt“, so Krost.

Forschung zur Aquakultur

Doch die Überzeugung von CRM ist: „Entnehme der Natur nicht mehr, als du ihr geben kannst“, so Piker. Das brachte die Meeresbiologen dazu, weiter in Sachen Kultivierung von Algen zu forschen. Algen verwandeln  CO2 und Nährsalze wie Phosphor und Stickstoff in der überdüngten Ostsee in Sauerstoff und Biomasse. Die Wahl fiel dabei auf die Braunalge (Saccharina Latissima). Projektanträge wurden geschrieben, um Fördergelder zu organisieren. Mit der Idee einer Aquafarm gewann CRM bei einem von der Zeitschrift „Mare“ ausgelobten Umweltwettbewerb 5000 Euro. „Damit haben wir die ersten Algenkultivierungsversuche in einem selbstgebastelten Labor gemacht“, erzählt Piker

Muscheln uns Algen in trauter Zweisamkeit

Die ersten Versuche in der Ostsee wurden schließlich an der Entmagnetisierungsanlage vor der Friedrichsorter Festung gemacht. Inzwischen befindet sich die Algenfarm bei der Muschelzucht vor dem Hubschrauberlandeplatz des ehemaligen MFG-5-Geländes – weil Algen und Muscheln voneinander profitieren. Aus den Algen wird ein Extrakt für den Kosmetikbereich hergestellt, der 2001 zur Gründung der Oceanbasis GmbH mit einer zertifizierten Naturkosmetiklinie führte. Die Kosmetikserie, die seit 2008 unter dem Namen Oceanwell vermarktet wird, ist mittlerweile so etabliert und bekannt, dass von den 25 Mitarbeitern am Tiessenkai allein 17 bei Oceanbasis arbeiten – Tendenz wachsend. „Wir können davon unsere Forschung bezahlen“, sagt Piker. Inzwischen müssen sogar Braunalgen aus Algenkultur oder aus nachhaltiger Wildlese zugekauft werden, da die eigene Produktion zur Herstellung der Basislinie nicht mehr reicht. Für die reifere Haut wurde zusätzlich eine auf Collagen basierende Creme entwickelt. Das Extrakt dazu stammt aus der Wurzelmundqualle und wird wie das Algenextrakt ebenfalls am Tiessenkai produziert. 

Weitere Projekte laufen

Mit ihrer teils öffentlich geförderten, teils aus Eigenmitteln finanzierten Forschung treiben die Meeresbiologen von CRM Ideen voran, aus denen sich oft Projekte entwickeln. Zurzeit wird nach Alternativen für Plastikverpackungen gesucht. Proteinvernetzungen aus Algen für glutenfreie Backwaren sind ebenfalls in der Entwicklung. In Island läuft ein Projekt für eine Kammmuschel-Aquakultur. Denn der Schwerpunkt der Arbeit von CRM besteht darin, Nutzungskonzepte zu entwickeln, die aufzeigen, wie die entsprechende Küstenregion gestaltet werden muss, damit Wirtschaft und Natur gemeinsam profitieren.

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