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Kiel Christina Stürmer: Rockige Fahrt voraus
Kiel Christina Stürmer: Rockige Fahrt voraus
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19:00 22.06.2014
Von Jörg Meyer
Knapp 10.000 Fans waren beim Konzert von Christina Stürmer. Quelle: fpr
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Kiel

 
Mit Lead- und Rhythmusgitarre sowie saftig dieselnden E-Bass und Drums fährt die Rock-Maschine dabei sogleich auf vollen Touren und stampft in die Weiten des Ozeans: „Auf und davon ... wir brechen auf, egal wohin, alles muss sich ändern“, bläst die Linzerin mit dem dann doch so zauberhaft alpenländischen Akzent in den Zwischenmoderationen frischen Wind in die Segel, als sei sie eine Kieler Deern. Man mag das wie auch ihren gleich darauf ohne Pause folgenden Hit „Wir leben den Moment“ als kleine Anbiederung an das Küstenpublikum und das bemühte Zünden des Party-Funkens hören, gleichwohl hat die Stürmische die Menge sofort in ihrem rockend aufgewühlten Kielwasser. Was will man mehr?
 
Selbst für gutes Wetter hat sie gesorgt. Denn kaum legt sie los, klart es trotz angsagten Regens auch am Himmel auf. Ob das an ihrem Gremlins-T-Shirt liegt, das sie „extra angezogen“ habe, „um den Wettergott milde zu stimmen“, denn ein Gremlin darf bekanntlich nicht nass werden, sonst werde er zum bissigen Monster, sei mal dahingestellt. Wir glauben nicht an Klabautermänner. Vielleicht aber an Klabauterfrauen, wenn sie „eine bunte Mischung, a bissl’ von allem“, ankündigen. Was die älteren, noch balladeskeren, und die neuen Songs vom aktuellen Album „Ich hör auf mein Herz“ hier verbindet, ist eine durchgehend und kraftvoll vorandampfende Rock-Attitüde, in den ausgedehnteren Gitarren-Soli zuweilen sogar aus der harten Fraktion.
 
Eine Rocklady wird Christina Stürmer dadurch dennoch nicht, obwohl sie sich stimmlich in solche Richtung bewegt. Dazu sind die Blicke auf sich schwierig gestaltende oder gescheiterte Liebesverhältnisse wie in dem schon etwas angejahrten Titel „Um bei dir zu sein“ dann doch zu pop-poetisch entschleunigt und Stürmer mehr das schlau grübelnde Rock-Mädel als die Rocker-Braut. Auch „Scherbenmeer“ ist und bleibt eine in ihrer Anmutung melancholische Ballade, mögen die Gitarren dabei auch noch so sehr an den verzerrten Gerüsten steiler Rockkurven schrauben. Auch das selige Mitsingen des Publikums im für die Stromgitarren etwas zu sperrigen Refrain lässt das Scherbengericht eher für Pop als Rock sprechen.
 
Überhaupt ist die zierliche Sängerin von solchem Zuspruch noch mehr begeistert als von stellenweise hochgereckten Hard-Rock-Teufelsfingern. „Ihr seid so unfassbar textsicher“, schwärmt sie, wenn ihre Lieder durch tausend Kehlen wogen. Dennoch: „Jetzt brauche ich nicht nur eure Stimmen, sondern alle Arme und Beine, jetzt ist Zeit zum Tanz!“, feuert sie „Millionen Lichter“ an. Und die funkeln dann auch in trauter Eintracht von noch mal beschleunigten Gitarren und den Augen des Publikums, das sich gern auf diesen stürmischen Rock-Törn mitnehmen lässt.