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Kiel Grenzen? Gibt es nicht!
Kiel Grenzen? Gibt es nicht!
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21:47 25.06.2014
Von Jürgen Küppers
Pinne statt Stöcke, Wasser statt Schnee: Skilangläuferin Claudia Nystad genoss die kurze Auszeit vom harten Trainingsalltag beim Audi-Ultra-Cup vor Schilksee. Quelle: Richard Walch/Audi
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Kiel

Eigentlich sollte ja schon bei den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 Schluss sein. Silber in der Staffel, Gold mit Evi Sachenbacher-Stehle im Teamsprint. Das hätte ein würdiger Abschluss sein können auf dem Höhepunkt einer erfolgreichen Sportlerkarriere. Doch nach drei Jahren inklusive Studium der Wirtschaftsinformatik schnallte sich die heute 36-Jährige wieder Langlaufskier an – und gewann mit der Staffel bei Olympia in Sotschi Bronze. Früher machte Claudia Nystad Witze über Comebacks von Spitzenathleten. Jetzt kämpft sie selber gegen Missgunst, Neid und jugendliche Konkurrenz in ihrem Sport. „Wer mich nur meines Alters wegen ablehnt, sollte an seiner Einstellung arbeiten“, sagt die zierliche Frau im Zungenschlag ihrer sächsischen Heimat. Und es blitzen Stolz, Trotz und Härte daraus hervor.

 Dass man mit ihr rechnen muss, hat sie oft bewiesen. Gerade wenn sie niemand mehr wegen Verletzung, Krankheit oder schlechten Zwischenergebnissen auf dem Zettel hatte, war sie plötzlich wieder vorne mit dabei. „Es ist wohl ein Talent: Wenn’s richtig eng wird, bleibe ich ruhig – und kann Leistungsreserven abrufen.“ Aber der Preis dafür ist hoch. Drei, höchstens dreieinhalb Tage Ruhe bleiben ihr im Monat. Der Rest besteht größtenteils aus Quälerei: Bergauf-Joggen, Rollski-Training, Gewichte stemmen, Radfahren. „Training beginnt, wenn’s wehtut. Alles andere ist nur Bewegung.“ Dann malt Claudia Nystad, die nebenbei noch ein Grafik-Fernstudium absolvierte, Linien mit Kurven auf ein Stück Papier. Trainingskurven aus tiefen Tälern relativer Entspanntheit bis weit über ihre Leistungs- und Leidensfähigkeit hinaus. „Ich brauche diese Grenzerfahrungen. Sie geben mir ein Gefühl tiefer Zufriedenheit. Vielleicht, weil ich es seit meiner Kindheit nicht anders kenne.“

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 Bereits im Kindergartenalter stand Claudia Nystad auf Langlaufskiern, wechselte mit zwölf Jahren auf die Kinder- und Jugendsportschule Oberwiesental. Nach dem Abitur wurde sie in die Sportfördergruppe der Bundeswehr im sächsischen Frankenberg aufgenommen, der sie heute noch angehört. Jetzt hat sie ihr letztes großes sportliches Ziel vor Augen: die Weltmeisterschaft 2014 im schwedischen Falun. Dann soll aber endgültig Schluss sein. Und der Beginn einer neuen Herausforderung: eigene Kinder. „Die sollen ja auch ganz schön auf Trab halten.“