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Kiel Viele Helfer und das erste Baby
Kiel Viele Helfer und das erste Baby
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15:37 01.02.2017
Von Karen Schwenke
In einer interaktiven Karte können Sie sehen, wo die Asylbewerber in Kiel wohnen. Quelle: Carto.com
Kiel

Dort, wo im Sommer jahrzehntelang Segler und Badegäste parkten, sind derzeit zwölf Flüchtlingsfamilien untergebracht, dazu ein kinderloses Paar, sechs alleinreisende Frauen und 25 Männer. Noch vor einem Dreivierteljahr hatten sich Anwohner gegen das Flüchtlingslager im Olympiazentrum lautstark gewehrt, sie fürchteten den Verlust von Parkraum und Ansehen. Doch diese Stimmen sind verstummt. Nun spielen die Flüchtlingskinder in ihren dünnen Pullis zwischen den Containern, während eisiger Seewind über den Platz pfeift.

 „Wir haben seit der Eröffnung Mitte Juni nur eine Beschwerde gehabt, weil das Ballspiel der Kinder in den Abendstunden zu laut war“, berichtet Unterkunftsleiterin Nicol Perdomo. Und auch die Widerständler von damals sagen heute: „Man kriegt wenig mit von den Flüchtlingen.“ Allerdings bezweifeln sie noch immer, dass die Unterkunft überhaupt gebraucht würde. Das steht für die Verantwortlichen im Rathaus hingegen außer Frage.

 Laut Anita Lex, neue Abteilungsleiterin im Wohnungsamt, will die Stadt das Containerdorf bis mindestens Mai 2019 betreiben: „Es strömen weiterhin Flüchtlinge in die Stadt: Allein im vergangenen Jahr wurden uns 1189 Flüchtlinge vom Land zugewiesen. Zu diesen Neuzugängen kommen noch 152 Flüchtlinge als Familiennachzug hinzu. Andererseits gibt es kaum bezahlbaren Wohnraum. Da ist es nur richtig, dass die Last auf alle Stadtteile verteilt wird“, sagt Anita Lex. Nicol Perdomo erlebt „gerade Schilksee von Anfang an als einen Stadtteil mit vielen hilfsbereiten Menschen. Über 20 Ehrenamtler sind bei uns aktiv. Ohne sie wären wir aufgeschmissen.“

 Die Schilkseer geben täglich Deutschkurse, leisten Hausaufgabenhilfe und bieten Nähkurse und Frauentalk-Runden an. Sie begleiten Flüchtlinge bei Arzt- und Behördengängen, helfen bei Umzügen und Einkäufen. Diese Fahrdienste seien in dem abgelegen Stadtteil ohne einen günstigen Discountmarkt besonders wichtig. Denn bei aller Freude um die laut Perdomo „gute Stimmung und Harmonie“ in der Unterkunft mit maximal 140 Plätzen gibt es für die Bewohner hier auch viele Nachteile: „Zwei meiner Kinder fahren in der Dunkelheit morgens um sechs eine Stunde mit dem Bus nach Kiel zur Schule. Das gibt es in Syrien nicht, da sind die Schulen fußläufig“, bemängelt Familienvater Faaez Ibrahim (45).

 Anne Jost, die als Leiterin des christlichen Vereins für eine ganze Reihe von Unterkünften verantwortlich ist, weiß was die Flüchtlinge neben diesen Beschwerlichkeiten noch bewegt: „Die Sorge um Angehörige in der Heimat steht ganz oben“, zählt sie auf, „dann folgen die Fragen rund um das eigene Asylverfahren, um Spracherwerb und Arbeitsplätze.“ Was sich aber alle als erstes wünschten, sei eine eigene Wohnung.

 Das ist natürlich auch der Wunsch der Familie Faizi mit Baby Schahram. Neun Monate lang hatte das Ehepaar mit ihren damals noch fünf Kindern sogar schon eine eigene Wohnung in Mettenhof. Doch dann wurden sie in einer nächtlichen Aktion überraschend abgeschoben. „Das war am 9. Juni 2016“, berichtet der Vater. „Am 22. Juni sind wir wieder zurück nach Kiel gereist. Seitdem sind wir hier.“ Die Abschiebung sei für ihn und zwei seiner Töchter ein traumatisches Erlebnis gewesen. „Wir drei sind jetzt in psychiatrischer Behandlung“, erzählt der 36-Jährige mit ernster Miene. Dann wirft er einen Blick auf seine stillende Frau. Er lächelt und sagt: „Ein Neugeborenes hilft, die Situation zu ertragen.“

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