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Kiel Er spielt so schön, er spielt so toll
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19:28 26.06.2015
Von Niklas Wieczorek
Ist er’s oder ist er’s nicht? Kay Christiansen gibt sich auch im Kontakt mit den Fans perfekt als DJ Ötzi. Quelle: Frank Peter
Kiel

Kay Christiansen fragt Tourbegleiter David nach „seinem Schutzhelm“, als er hinter der Bühne aus dem Auto steigt. Diese weiße gehäkelte Mütze komplettiert sein Outfit, das wohl jeder als perfekt bezeichnen würde. Schließlich könnte selbst der größte Fan nicht mehr sagen, ob der richtige oder der falsche DJ Ötzi vor ihm steht. Und Christiansen gibt zu: „Ohne Lederhose ist es noch schlimmer.“ Im privaten Outfit meinen Fremde eher, den Alpensänger zu erkennen.

Und mit den Alpen hat Christiansen nun gar nichts zu tun: Der 48-Jährige kommt aus Böxlund, direkt an der deutsch-dänischen Grenze. Vor elf Jahren saß er beim Friseur, ließ sich die Haare kürzen und den Bart stutzen, als „eine Omi“ neben ihm dem Friseur vorschlug: „Mach ihn blond, dann sieht er aus wie der Anton.“ Die Geschichte musste Christiansen schon etliche Male erzählen. Nach einem TV-Auftritt bei Oliver Geissen kursiert über ihn im Internet sogar die Bezeichnung „bestes Double Deutschlands“. Woher das kommt, weiß Christiansen nicht. Einen Wettbewerb hat es nie gegeben.

Rund eine Stunde vor seinem Auftritt im Unser-Norden-Dorf an der Hörn ist er trotz zehnjähriger Double-Karriere mächtig aufgekratzt. Lampenfieber. „Ich war schon immer laut“, beschreibt er seinen forschen Charakter und das kratzige Stimmorgan. Doch ein Bühnenmensch sei er nie gewesen. Ein erster Witzauftritt als DJ Ötzi hat sich schnell verstetigt. Christiansen nahm Gesangsunterricht – selbst wenn er heute mit Playback mischt – und begann, als Double durch Deutschland zu touren.

Ein mächtiger Job. Allein auf der Kieler Woche ist Christiansen vier Mal gebucht, am kommenden Wochenende folgt Potsdam. Das gehe nicht ohne die wohlwollende Unterstützung seines Arbeitgebers, sagt Christiansen, der noch immer hauptberuflich Außenhandelsvertreter ist. Wenn er mit einem Auftritt verdient, nimmt er sich frei. Doch er wird freigestellt, um für gute Zwecke zu singen, wie für den Förderkreis für krebskranke Kinder aus Kiel, dessen Anstecker er am Hemd neben dem Lederhosenriemen trägt. Andrea Schweinsberger, ein „Fan der ersten Stunde“ aus Haßmoor, häkelt ihm außerdem Mützen als Schlüsselanhänger, deren Erlös er spendet.

Sich selbst hat er nie als jemand anderes verkauft: Niemals verschweige er, dass er ein Double sei. Auch den österreichischen Dialekt versuche er nicht zu imitieren. Von neun DJ-Ötzi-Doubles weiß er insgesamt, es herrsche ein kollegiales Verhältnis. Und andere Doubles wie Wiebke Kollster, die während der Kieler Woche als Andrea Berg auftritt, empfiehlt er gerne weiter. Nur das eine Treffen mit dem Original-DJ-Ötzi Gerhard Friedle in Flensburg ist beiden Seiten unterschiedlich in Erinnerung geblieben: „Für mich war es sehr interessant“, erinnert sich Christiansen, „für ihn nicht. Er mag keine Doubles.“ Das akzeptiert der Böxlunder, doch er betont auch, dem „Original nichts wegzunehmen“.

Schließlich werde er in viel kleinerem Kreise weiterempfohlen, immer weiter gebucht, und geht davon aus, noch ewig als DJ-Ötzi-Double auf der Bühne zu stehen. „Ich darf in zwei Welten spazieren“, sagt er dankbar, als ihn die aufmerksamen Blicke der Damen aus dem Zelt treffen, „und den Traum etwas aufrechterhalten.“ Trainieren, um wie Ötzi zu sein, müsse er auch nicht. Schlagermusik war schon vor der Verwandlung sein Favorit. Und den Auftritt, sagt Christiansen, „mache ich wirklich aus dem Bauch heraus.“

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