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Kiel Seine Blumen prägten die Holtenauer
Kiel Seine Blumen prägten die Holtenauer
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12:45 25.07.2019
Von Oliver Stenzel
Wer die Holtenauer Straße in Kiel kennt, kennt auch Dik van den Honert und sein Geschäft Idea Verde. Quelle: Oliver Stenzel
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Kiel

Während sich Dik van den Honert von seinem Besuch verabschiedet, betritt eine Frau im Kostüm sein Geschäft in der Holtenauer Straße 108. „Wenn Sie Ihren Laden schließen, weiß ich doch überhaupt nicht mehr, wo ich hier noch Blumen kaufen soll“, bedauert sie und wirkt ernsthaft besorgt. In der für ihn typischen Freundlichkeit bedankt sich der Niederländer für das Feedback und schaut der Dame lächelnd hinterher. „So geht das hier jeden Tag“, sagt der Inhaber des Traditionsgeschäfts Idea Verde, das Ende August nach 43 Jahren in der Holtenauer seine Türen schließt.

Er hat die Holtenauer mitgeprägt

Weil van den Honert vor diesem Hintergrund die Preise gesenkt hat, wirkt der für seine gute Atmosphäre bekannte Blumenladen schon etwas leerer. Auch arbeitet er mittlerweile mit eingeschränkten Öffnungszeiten und nur noch zwei Mitarbeiterinnen. „Als ich ihnen angekündigt habe, dass wir schließen, haben sie mir sofort zugesagt, bis zum letzten Tag bleiben zu wollen“, berichtet der 69-Jährige und ergänzt: „Das hat mich berührt.“ All dies passt zu einem Laden, der das Gesicht der Holtenauer genauso markant prägt wie dessen Kopf, der Anfang der 1970er-Jahre aus seiner Heimatstadt Den Haag nach Kiel kam. „Ich habe ursprünglich mit Blumengroßhandel begonnen, mich dann aber rasch entschlossen, ein eigenes Geschäft in Kiel zu eröffnen“, erinnert sich van den Honert, der in seinem neuen Heimatland auch seine Frau kennenlernte.

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1976 übernahm er das kleine Geschäft

Dass er 1976 das damals noch kleine Geschäft in der Holtenauer Straße übernehmen konnte, habe er nicht unwesentlich seiner Nationalität zu verdanken gehabt: „Die Schwester der Vorbesitzerin lebte in Holland, weshalb sie Niederländer einfach mochte“, sagt van den Honert, der sich des Sympathiebonus würdig erwies. „Weil ich selber kein gelernter Florist bin, habe ich von Anfang an auf gutes Fachpersonal Wert gelegt und es auch frei machen lassen“, beschreibt er seine Geschäftsphilosophie, die unmittelbar aufging. Auch ansonsten sei gutes Handwerk bei einem Blumengeschäft von zentraler Wichtigkeit: „Neben der Qualität der Blumen wirken sich Faktoren wie der regelmäßige Anschnitt oder die Sauberkeit des Wassers wesentlich auf die Haltbarkeit der Sträuße aus“, betont van den Honert und erzählt, dass ihm schon mancher Stammkunde bescheinigt habe, dass seine Blumen auch eine Woche nach dem Geburtstag den Hals noch nicht hängen lassen.

Blumen nur noch bei Aldi?

Was sich im Laufe der Jahrzehnte geändert habe? „Die Floristik ist eine Kunst geworden – und wir haben große Konkurrenz durch Baumärkte und Discounter bekommen“, bekennt van den Honert. Das Interesse an Schnittblumen sei ungebrochen, Topfblumen ließen sich heute aber nur noch im kleineren Rahmen verkaufen. „Wenn das so weitergeht, müssen die Paare ihren Brautstrauß in zehn Jahren bei Aldi bestellen“, prophezeit der Spezialist nur halb im Scherz. Auch diese Aussichten mögen dazu beigetragen haben, dass sich trotz des florierenden Ladens kein Nachfolger für Idea Verde finden ließ. „Außerdem kämpft die Branche mit großen Personalproblemen“, führt van den Honert an, der sich jedoch freut, dass mit dem Kindermodengeschäft Maramara aus der Wrangelstraße ein Nachfolger in die Holtenauer Straße 108 zieht, der ideal zum Profil der Einkaufsmeile passe.

Van den Honert will seinem Kiez treu bleiben

Er selbst habe sie stets als seinen Kiez betrachtet, dem er auch im Ruhestand treu bleiben werde, stellt Dik van den Honert in Aussicht, der trotz leidenschaftlich betriebener Hobbys wie der Fotografie ahnt, dass der Zuwachs an Freizeit für einen so engagierten Geschäftsmann auch eine Herausforderung bedeuten wird. Ein erstes Projekt ist für die Zeit nach der Schließung allerdings schon fest geplant: „Ich werde mich nach einem guten Floristikgeschäft umsehen. Schließlich kann ich die Blumen für unsere Wohnung dann ja nicht mehr von der Arbeit mitbringen.“

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