Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Neue Spielkarten sollen Vielfalt der Gesellschaft abbilden
Kiel Neue Spielkarten sollen Vielfalt der Gesellschaft abbilden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
16:00 04.03.2020
Vom Studienprojekt zur Herzensangelegenheit: Samantha Schwickert (links) und Carolin Bach haben mit Jana Fischer (nicht im Bild) das Bunte Deck entwickelt. Quelle: Lisa Richert
Anzeige
Kiel

Bube, Dame, König – die Bilder der klassischen Spielkarten kennt fast jeder. Doch viele finden: Die Darstellung der Figuren entspricht längst nicht mehr der vielfältigen und bunten Gesellschaft. Genau an diesem Punkt haben die drei Kieler Studentinnen Carolin Bach, Samantha Schwickert und Jana Fischer angesetzt und neue Skat- und Doppelkopfkarten entwickelt. Das Besondere an den Karten: Sie bilden nicht mehr die traditionellen Bilder ab, sondern tragen individuelle und diverse Figuren.

So gibt es zum Beispiel die Königin mit Kopftuch, Figuren mit anderen Hautfarben, kurzhaarige Damen oder weiblicher dargestellte Buben. Die Entwicklerinnen wollen Stereotype und festgefahrene Bilder aufbrechen und auf Diskriminierung aufmerksam machen.

Anzeige

Spielkarten wurden von der Karl-Kübel-Stiftung ausgezeichnet

Für „Das Bunte Deck“ erhielten sie kürzlich den Fairwandler-Preis 2020 der Karl-Kübel-Stiftung für Kind und Familie in der Kategorie Zukunftsvisionen. Der Preis wird an junge Menschen verliehen, die sich mit ihren Ideen für eine gerechte, nachhaltige und soziale Gesellschaft engagieren.

„Für uns sind die Spielkarten ein Mittel, um auf Themen wie Feminismus, Rassismus, Religionsfreiheit und Gender aufmerksam zu machen“, berichten die drei Preisträgerinnen. Denn gerade durch Alltagsgegenstände wie Spielkarten prägten sich unbewusste Denkmuster ein und setzten sich so im Kopf fest – wie beispielsweise das Bild des starken, weißen Mannes im traditionellen Kartenspiel oder die Tatsache, dass es dort keine Königin gibt.

Idee kommt aus einem Uni-Projekt

Den Studentinnen ist es deshalb besonders wichtig, auf solche Bilder und Zuschreibungen und bestehende Diskriminierungen hinzuweisen. Sie wollen möglichst viele Menschen erreichen und diese zum Nachdenken anregen.

Entstanden ist das kleine Karten-Unternehmen durch ein Studienprojekt in einem Masterstudiengang an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), bei dem sich die drei Frauen kennenlernten. Nach dem Start im Herbst 2018 mit ersten Planungen und einem Finanzierungsplan gestalteten verschiedene Künstler die Motive der Spielkarten.

Decks werden online und offline verkauft

Zunächst wurden 3000 Decks gedruckt. Die ersten Spieldecks verkauften die Studentinnen auf Weihnachtsmärkten. Anschließend kamen der Online-Shop und der Verkauf im Kosmos-Store in der Kieler Innenstadt hinzu, in dem junge Initiativen Raum finden. Mittlerweile können die Spielkarten auch in anderen Online-Shops erworben werden. Aktuell treiben die Studentinnen den Offline-Vertrieb voran. Und es gibt weitere Pläne, wie eine neue Auflage mit überarbeiteten Spielkarten und ein Rommé-Deck.

Eine Erfahrung, die drei Preisträgerinnen machen mussten, ist der Umgang mit Kritik und abwertenden Kommentaren. Viel Lob auf der anderen Seite hat diese Erfahrungen wieder ausgeglichen. Rückmeldungen und konstruktives Feedback sind den Studentinnen sehr wichtig. Denn die Spielkarten sind längst nicht mehr nur ein Studienprojekt, sondern viel mehr eine Herzensangelegenheit und ein buntes Signal.

Weitere Nachrichten aus Kiel finden Sie hier.

Von Lisa Richert

KN-online (Kieler Nachrichten) 04.03.2020
Kiel Verein für Baukultur - Exkursion: Kiel trifft Rotterdam
Michael Kluth 04.03.2020
Michael Kluth 04.03.2020