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Kiel Das Revier der Brennpunkte
Kiel Das Revier der Brennpunkte
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10:35 24.09.2012
Von Günter Schellhase
Das Kieler Innentstadt Revier in der Falckstraße. Quelle: bos
Kiel

Der Hauptbahnhof ist das Eingangsportal in die Stadt. Täglich kommen hier tausende Menschen an oder reisen ab. Auf dem Vorplatz versammeln sich oft Menschen, die dort Alkohol trinken und mit steigendem Pegel lauter und aggressiver werden. „Hier schlichten wir Streitereien und passen auf, dass sich den Pendlern und Reisenden ein vernünftiges Bild bietet“, sagt Kramm. Das Geschäft Blume 2000 direkt gegenüber war bis 2002 ein Schwerpunkt, weil dort Drogen gehandelt und Passanten belästigt wurden. „Damals haben wir Junkies und Dealer vergrämt. Nach wie vor fährt täglich eine Streife vorbei, die dort nach dem Rechten schaut“, sagt Kramm. Auch bei Fußballspielen sind die Polizisten am Bahnhof präsent, wenn gewalttätige Fans avisiert sind, die mit dem Zug kommen.

Auf der Holstenstraße treiben vermehrt Ladendiebe ihr Unwesen. Hier passieren in den Nächten an den Wochenenden viele Raubüberfälle, wenn die Feiernden aus der Bergstraße in Richtung Bahnhof pilgern. Die Einkaufsmeile ist das Mittelstück der „Achse des Bösen“, die sich von der Bergstraße bis zum Bahnhof erstreckt.

Pop-Konzerte und Budenzauber: Bei Großveranstaltungen in der Sparkassen-Arena rückt die Polizei immer mit einem Großaufgebot an. Spielen bekannte Bands, kommt es oft beim wilden Tanzen zu Streitereien, die die Beamten schlichten müssen. Bei der vergangenen Handball-WM war die Falckwache mit 20 Beamten vor Ort – vier hätten’s dann auch getan Aber wie hätte man das vorher wissen sollen? „279 Polizisten und eine Hundertschaft der Bundespolizei haben beim Fußballturnier vor zwei Jahren für Sicherheit gesorgt, weil Holstein Kiel und der VfB Lübeck mitgespielt haben und Problemfans Krawall gemacht haben“, berichtet Kramm.

Auch das Kieler Rathaus ist ein Schwerpunkt. So waren zum Beispiel 700 Polizisten zugegen, als der erste NPD-Abgeordnete in den Rat einzog. Auch Staatsbesuche werden mit einem Großaufgebot gesichert. Jede Ratsversammlung wird beobachtet – besonders, wenn heikle Themen wie zum Beispiel Möbel Kraft auf der Tagesordnung stehen und Gegner mit Aktionen drohen.

An der Kieler Küste sitzt das Geld nicht mehr locker. Gerade während der Kieler Woche geht einigen angetrunkenen Kunden schon mal das Kleingeld aus. Früher regelten das die Wirtschafter, indem es Schläge hagelte und der Freier auf der Straße landete. „Heutzutage wird die Polizei gerufen, denn die Betreiber wollen keine Scherereien mit uns“, sagt der Revierleiter. Die Frauen seien fast ohne Ausnahme legal beschäftigt. So genannten Beischlaf-Diebstahl gebe es nicht mehr. Die „Interessengemeinschaft Wall“ sorgt dafür, dass alles in geregelten Bahnen verläuft – Ärger mit der Staatsmacht ist vor dem Hintergrund des Kampfes gegen die Rockerkriminalität schlecht fürs Geschäft.

Die Bergstraße: Stress gibt es meist in den Tiefkellern, wenn die ohnehin schon angetrunken angekommenen jungen Leute hier noch weiter zechen. Ein Rempler, ein falsches Wort – schon fliegen die Fäuste. „Die Hälfte der Schlägereien passieren in den Diskos, der Rest vor der Tür“, sagt Kramm. Auf dem Fußweg fliegen dann schon einmal Gläser und Flaschen, auch in Richtung Polizei, die aus diesem Grund immer mit mehreren Streifenwagen ankommt. Der Ort ist auch bekannt für einen „schnellen Besitzwandel“ von Mobiltelefonen: Angetrunkene Feiernde sind für Straftäter schnelle und einfache Opfer.

Auch bei Massenveranstaltungen wie Demonstrationen und der Kieler Woche sind die Beamten gefordert. „Demonstrationszüge gehen immer durch die Innenstadt, weil hier die größte Aufmerksamkeit gewährleistet ist“, sagt Kramm. Größere Ausschreitungen gab es in der Vergangenheit nur bei der großen Anti-NPD-Demo 2005. Dennoch muss die Polizei für einen reibungslosen Ablauf sorgen – das Demonstrationsrecht ist im Grundgesetz verankert und ein hohes Gut. Während der Kieler Woche ist im Revierbereich die Hölle los. Raubtaten und Körperverletzungen fordern die Beamten besonders nachts. „Aber unabhängig davon, was gerade in unserem Bereich gerade aktuell los ist, die Reviere unterstützen sich gegenseitig und schicken schnell Streifenwagen vorbei“, sagt Kramm.