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Kiel Das große Buddeln an der Hörn
Kiel Das große Buddeln an der Hörn
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00:40 08.10.2014
Von Günter Schellhase
Gabriele Wiesmann-Liese und Axel Scheel von der Immobilienwirtschaft sowie Stefan Kleiner (von links) von der Kampfmittelbergungsfirma besprechen auf der Baustelle für das Sport- und Freizeitbad Details. Quelle: eis
Kiel

Die Experten des Unternehmens aus Celle zertrümmern dabei alte Fundamente und suchen nach Blindgängern – noch sieben sogenannte Verdachtspunkte gibt es. Mitte November sollen die Vorbereitungen abgeschlossen sein. Baubeginn ist im Frühjahr 2015. Die Firma Schollenberger ist auf die Bergung von Kampfmitteln spezialisiert. Nach einer Auswertung haben sich 160 Verdachtspunkte ergeben, die mittlerweile fast alle abgearbeitet wurden und sich als Metallschrott entpuppten. „Sieben Stellen müssen noch untersucht werden. Sie liegen unter dem alten Fundament des Schlachthofes“, erklärte Bauleiter Stefan Kleiner. Das Problem: Man könne die Betonreste nicht einfach von oben abtragen, weil durch die Erschütterungen die Gefahr bestünde, dass die Blindgänger zündeten. In dieser Woche will die Firma ein Spezialgerät nach Kiel holen. „Mit einer Schrägsondierung können wir von der Seite auch den Bereich unter den Fundamenten untersuchen“, sagte Kleiner.

 Der ehemalige Schlachthof mit weiterverarbeitendem Gewerbe wie Seifenherstellung, Gerberei und Fettverarbeitung wurde zwar schon 1934 – also vor dem Zweiten Weltkrieg – auf dem Gelände errichtet. Dass Bomben unter den Fundamenten liegen, ist aber dennoch möglich. „Durch ihre Form können sie in den Boden eingedrungen und durch die Wucht des Aufpralls bis zu sechs Metern waagerecht gewandert sein“, erklärte der Experte. Bis in sechs Meter Tiefe haben er und seine vier Mitarbeiter das Gelände mit einer Art Echolot sondiert und bereits einen Blindgänger gefunden, der vor etwa einem Monate von den Experten des Kampfmittelräumdienstes entschärft wurde.

 In den bereits gesicherten Abschnitten wird schweres Gerät eingesetzt. Rund um die sieben Verdachtspunkte zertrümmern die Mitarbeiter mit zwei Baggern die alten Fundamente, die auf zahlreichen Betonpfählen gegründet wurden. Die wurden tief in den Untergrund gerammt, weil das Gelände ein Ausläufer der Hörn war und erst nachträglich verfüllt wurde. Die Pfähle sollen im Boden bleiben, weil es schlicht zu teuer werden würde, sie komplett aus dem Erdreich zu budeeln. „Sie werden von Vermessern kartiert, damit die Bauherren das Gebäude später nicht genau an diesen Stellen gründen. Dazu gibt es noch eine Kollisionsanalyse“, kündigte Axel Scheel von der städtischen Immobilienwirtschaft an. Die Rodung und die Befreiung von Altlasten kosten die Stadt 180.000 Euro.

 „Wir sind voll im Zeitplan. Im Hintergrund laufen bereits die Ausschreibungen für den Bau“, sagte Gabriele Wiesmann-Liese, Leiterin der Immobilienwirtschaft. Je nachdem wie streng Winter wird, ist der Baubeginn im Frühjahr geplant. Das Gebäude wird L-förmig mit Kantenlängen von 124 und 82 Metern sowie einer Schenkeltiefe von 30 Metern angelegt. Verzögert hatte sich das Projekt durch die politische Diskussion über den Hubboden im 50 Meter langen Sportbecken, der 530.000 Euro kosten wird. Er erstreckt sich über acht Bahnen und ist für Menschen mit Behinderungen und Senioren sowie Aquajogger gedacht.

 2017 soll das Sport- und Freizeitbad mit Spaßbereich, Sauna und Außenbecken fertig sein. Die Gesamtkosten betragen nach Angaben der Stadt 23 Millionen Euro. Davon können neun Millionen Euro aus Mitteln der Städtebauförderung bezuschusst werden. Bund und Land haben bereits 3,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

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