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Kiel Delfie und Selfie sind nicht allein
Kiel Delfie und Selfie sind nicht allein
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21:47 18.03.2016
Von Merle Schaack
Vor dem Bug des Frachters „Tucana“ sprang am Donnerstag aus dem Wasser. In der Friedrichsorter Enge sind die Tiere besonders häufig gesehen worden. Quelle: Stephen Gergs
Kiel

Das belegen Bilder von verschiedenen Delfin-Sichtungen an der schwedischen, litauischen und deutschen Küste.

Der Heikendorfer Walforscher Boris Culik stellte Nachforschungen im Internet an. „Ich denke, es gibt Bilder von fünf Tieren. Neben denen in Kiel scheint es ein Pärchen zu geben, das sich weiter im Osten herumtreibt und an dessen Finnen sich keine Merkmale befinden.“ Selfie und Delfie, die ihre Namen in Schweden bekamen, sind anhand eines weißen Fleckes an der Spitze der Finne (Selfie) sowie einer Kerbe auf Mittlerer Höhe der Sichel (Delfie) eindeutig zu identifizieren. Außerdem wurde im Mai 2015 vor Blekinge ein Einzeltier ohne erkennbare Merkmale gesichtet, das die Schweden „Vilse“ (dt. verirrt) tauften.

Winterstürme als Grund

Eigentlich leben Delfine in diesen Breitengeraden in der Nordsee. Dass sie seit etwa einem Jahr vermehrt in der salzärmeren Ostsee gesichtet werden, hängt vermutlich mit den Winterstürmen im Dezember 2014 zusammen. Damals bewirkten günstig stehende Winde, dass 200 Billionen Liter Nordseewasser durch den Öresund sowie den Großen und Kleinen Belt einströmten. Laut Institut für Ostseeforschung war das der größte Salzwasser-Zustrom seit 60 Jahren, der außerdem Sauerstoff mit sich brachte und somit die Lebensbedingungen für die Delfine und ihre Nahrung in der Ostsee beträchtlich verbesserte. Bei zu niedrigem Salzgehalt, zum Beispiel in der Bottenwiek zwischen Schweden und Finnland, könnten die Tümmler Hautprobleme bekommen, sagte der schwedische Walforscher Mats Amundin gegenüber der Zeitung „Aftonbladet“. „Sie können zum Beispiel anfällig für Pilzinfektionen werden.“

Bilder der Delfine in der Kieler Förde finden Sie hier.

Mögliche Delfin-Population

Walforscher Culik hält es nicht für ausgeschlossen, dass eine Delfin-Population in der Ostsee entsteht. „Es müssten noch einige mehr werden, damit es keine Inzucht-Population wird“, sagt er. „Aber wenn es sich bei denen in Kiel um ein Pärchen handelt, die zu ihren Familienverbänden zurückschwimmen und noch mehr Delfine anlocken, ist es denkbar.“ Das Pärchen ist Sonnabend in der Kieler Förde zum ersten Mal von der Besatzung des Schleppers „NOK 1“ entdeckt worden. Seitdem gibt es täglich Sichtungen. Auch gestern wurden die Tiere im Bereich des Arbeitspontons „Kurt“ bei der neuen Entmagnetisierungsanlage der Bundeswehr und der Lindenau Werft gesichtet. Am Donnerstag sichtete Hobbyfotograf Stephen Gergs sie morgens in der Friedrichsorter Enge, als sie Schiffe begleiteten.

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