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Kiel Kiel bleibt eine wachsende Stadt
Kiel Kiel bleibt eine wachsende Stadt
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00:16 12.12.2013
Von Jürgen Küppers
Das Wachstum stellt die Stadt Kiel vor enorme Herausforderungen. Quelle: bos
Kiel

Sozialdezernent Adolf-Martin Möller betrachtet die Zahlen des Berichts mit Sorgenfalten im Gesicht: „In weiten Teilen von Wirtschaft, Politik und der Bevölkerung werden die uns bevorstehenden Probleme einfach verdrängt. Das muss sich so schnell wie möglich ändern. Viel Zeit zum Handeln haben wir nicht.“

 Der genauere Blick auf die Prognosen offenbart in der Tat ein ziemlich unausgewogenes Wachstum. Das bringt ein ganzes Bündel von Problemen mit sich. Am stärksten wächst bis 2031 der Bevölkerungsanteil der 60- bis 70-Jährigen (8400), gefolgt von über 80-Jährigen (5780). Vergleichsweise gering ist der Anstieg bei den 30- bis 40-Jährigen (3511) und bei Kindern unter zehn Jahren (1758). Stark nach unten gehen die Zahlen hingegen bei den 20- bis 30-Jährigen (minus 4563) und den 40- bis 50-Jährigen (2800).

 Extrem unterschiedlich verläuft die Bevölkerungsentwicklung in den einzelnen Stadtteilen. Den mit weitem Abstand größten Zuwachs erwarten die Demoskopen für Kiel-Süd mit sage und schreibe 240 Prozent. Grund dafür ist der Bereich Neu-Meimersdorf mit seinem noch längst nicht ausgeschöpften Neubaupotenzial plus einer hohen Geburtenrate.

 Zu den ebenfalls wachsenden Stadtteilen zählen unter anderem Brunswik (plus 34 Prozent), Suchsdorf (15,8), Wellingdorf (12,7), Düsternbrook (12,6), Ellerbek (10,5), Wik (9,7) und Blücherplatz (8,8). Stadtteile mit erwarteten Bevölkerungsrückgängen sind beispielsweise Schilksee (minus 26,9 Prozent), Russee (18,7), Pries/Friedrichsort (13), Mettenhof (12,3) und Hasseldieksdamm (10,9).

 Weil weiter sinkende Haushaltsgrößen prognostiziert werden, sieht die Stadt den Schwerpunkt künftiger Bautätigkeit im Mehrfamilienhausbau. Davon würden bis 2025 fast 10000 neue Wohneinheiten benötigt – etwa 400 pro Jahr. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern liege die Zahl bei insgesamt rund 2700 und etwa 160 Wohneinheiten pro Jahr. Grund dafür sei der weiter anhaltende Trend zur „Singularisierung“ der Bevölkerung. Durch die steigende Lebenserwartung, den wachsenden Anteil älterer Menschen und den Anstieg der Scheidungsraten lebten immer mehr Menschen allein. Schon jetzt dominieren in Kiel die Singlehaushalte mit einem Anteil von 55 Prozent, 27 Prozent leben in Zweipersonen-Haushalten, nur zu 18 Prozent leben drei und mehr Personen unter einem Dach.

 Wenn aber in Zukunft noch mehr Menschen bis ins hohe Alter hinein allein leben, müssen sich die Wohnbedingungen ändern. „Auf professionelle Hilfe und Betreuung durch kostenpflichtige Dienste allein dürfen wir nicht setzen. Das werden sich nicht alle finanziell leisten können“, sagt die Demografie-Beauftragte Hanne Rosner. Sie setzt stattdessen auf die Zusammenarbeit der Stadt mit Wohnungsbauunternehmen. Ihnen müsse es mit der Planung von barrierearmen, seniorengerechten Wohnungen gelingen, die Menschen so lange wie möglich im häuslichen Umfeld zu lassen. Zu einem solchen Wohnungskonzept gehöre auch die Organsisation von Nachbarschaftshilfen, der Einbau von Alarmsystemen bis hin zu elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten mit Ärzten, der so genannten Telemedizin. „Dieser Wandel muss in bereits vorhandenen Wohnquartieren geschehen“, betont Möller. „Für Neubauten dieser Art ist zu wenig Raum in der Stadt.“

 Auch bei einem anderen Trend sieht die Stadt sich auf Hilfe von Partnern angewiesen. In diesem Fall aus der Wirtschaft. Unternehmen müssten laut Demografiebericht „innovative Antworten“ auf die Frage geben, wie junge, gut ausgebildete Menschen gehalten werden könnten, um die Kiel mit anderen Städten immer stärker konkurrieren müsse. Im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung gehe der Bevölkerungsanteil im erwerbsfähigen Alter schnell zurück. Das ist die schlechte Nachricht des Demografieberichts.