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Kiel Sichtungen vor der Schwentinemündung
Kiel Sichtungen vor der Schwentinemündung
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17:11 04.05.2019
Von Kristiane Backheuer
Der Delfin ist nach wie vor an der Schwentinemündung anzutreffen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Der Kapitän der „MS Schwentine“, Sven Wehling (53), hat den Delfin noch am Dienstag gesichtet. „Seitdem das Wetter schlecht ist, ist er aber abgetaucht.“ Auch wenn wir an der Kieler Förde schon mit Fiete, Selfie und Delfie verwöhnt wurden, ist der Besuch eines Delfins für den Kapitän der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK) immer noch eine kleine Sensation. 

Bilder und Kommentare bei Facebook

Bei Facebook ist die Euphorie groß. „Gestern auch! Er verlässt die Mündung seit drei Wochen nicht“, heißt es da am 28. April. Oder: „The Shark is back“ und „Siehste, er ist noch da.“

Auch als die „Thor Heyerdahl“ nach sechs Monaten auf hoher See am Sonnabend, 20. April, wieder in Kiel einlief, begleitete der Delfin den Traditonssegler mit munteren Sprüngen.

Tief im Süden Deutschlands verfolgt Ulrich Karlowski von der „Gesellschaft zur Rettung der Delphine“ mit Sitz in München unseren Gast im hohen Norden. „Er ist immer noch da. Das ist wirklich außergewöhnlich, eine Rarität“, schreibt Karlowski unserer Zeitung.

Delfinmännchen auf Entdeckungstour

Warum Delfine zu uns kommen? „Wahrscheinlich handelt es sich um junge Männchen auf Entdeckungstour“, sagt der Experte. „Da sie ein gutes Nahrungsangebot vorfinden, ist der neue Lebensraum Ostsee für sie attraktiv, und sie bleiben eine Weile hier.“

Vor allem die Heringe werden den Delfin nach Kiel in die Schwentinemündung gelockt haben. „Die Heringssaison müsste jetzt aber schon vorbei sein“, so Karlowski. „Das dürfte den Delfin allerdings nicht davon abhalten, noch eine Weile zu bleiben. Auch Dorsch, Stint, Makrele und viele andere schmecken sicherlich lecker.“

Ostsee ist auch langfristig als Lebensraum für Delfine geeignet

Das Beispiel Selfie und Delfie zeige, dass die Ostsee prinzipiell auch langfristig als Lebensraum für Delfine geeignet sei. So wie sie auch Heimat des Schweinswals sei. 

In Kiel-Wellingdorf verfolgen Ute und Hendrik Kühl von der Schwentinetalfahrt den Hype um den Delfin genau. „Unser Sohn Christoph hat ihn vor ein paar Tagen in Höhe der Fachhochschule in Dietrichsdorf gesehen“, erzählt Ute Kühl.

Die alte Schwentinebrücke kann der Delfin nicht überwinden

Sorgen, dass der Meeressäuger in die Schwentine hineinschwimmt, macht sie sich nicht. „Er käme nie an der alten Schwentinebrücke vorbei. Da gibt es ein Gefälle von 1,80 Meter. Außerdem würde der Delfin merken, dass er in den Süßwasserbereich kommt.“ Kapitän Hendrik Kühl, der werktags dreimal täglich und am Wochenende sechsmal die Schwentine auf und ab fährt, fügt schmunzelnd hinzu: „Und im Süßwasser gibt es keine Heringe.“ 

Der Kieler Meeresbiologe und Walexperte Prof. Boris Culik hatte bis vor Kurzem im Auftrag des Seehafens Kiel akustische Unterwasser-Aufzeichnungsgeräte vor dem Kieler Schifffahrtsmuseum angebracht. Dort soll ein neuer Steganleger für das Fahrgastschiff „Kieler Sprotte“ und die Barkasse des Seehafens, die „Sprott“, gebaut werden.

„Laute des Delfins haben wir zuletzt am 12. April aufgezeichnet“, so Culik. „Inzwischen wurden die Geräte gegen Neue ausgetauscht. Die werden erst Mitte Mai wieder ausgelesen, und wir sind jetzt schon sehr gespannt.“

Die gesammelten Daten sollen zeigen, ob Meeressäuger im Bereich Ostseekai vorkommen. Ziel sei es dann, den Delfin oder die Delfine während der Bauphase vor eventuellem Lärm rechtzeitig zu schützen. „Mit imitierten Warnrufen können wir die Tiere von dem Bereich fernhalten“, so Culik

Es gibt Delfine, die sich aus freien Stücken den Menschen anschließen

Wie lange der Delfin noch in der Kieler Förde zu Gast sein wird, weiß aber niemand. Ob es ihm irgendwann ohne Artgenossen zu langweilig wird? „Es gibt immer wieder Delfine, die sich aus freien Stücken Menschen anschließen und über viele Jahre deren Gesellschaft suchen“, so Ulrich Karlowski von der „Gesellschaft zur Rettung der Delphine“. „Man nennt diese Tiere dann Lone Ranger. Sehr berühmte Lone Ranger sind zum Beispiel Fungie aus Irland oder JoJo aus der Karibik.“ 

„Oder Clet, vor der britischen Küste nahe Falmouth“, fügt der Kieler Boris Culik hinzu. „Ein gemeinsames Merkmal dieser Tiere ist, dass sie die Küstennähe bevorzugen und auffällig gekennzeichnet sind, was ihre Wiedererkennung erleichtert. So wie die markanten markanten Kratzer, die der Kieler Delfin Fiete vor dem linken Auge hat. Und der wurde zuletzt in der Bretagne wiedergesehen.“

Ob der kleine Delfin aus der Schwentinemündung bald in anderen Hafenstädten gesichtet wird?

Die Segelsaison hat wieder begonnen und viele Augen sind den Sommer über auf das Wasser gerichtet. Culik vermutet daher, dass der kleine Delfin aus der Schwentinemündung bald auch in anderen Hafenstädten gesichtet werden wird, wenn er den Weg zurück in die Nordsee sucht.

Welchen Weg er dafür wählt, ob er auch in den Nord-Ostsee-Kanal schwimmt, wie Fiete, um eine Abkürzung zu nehmen, und wie lange die Rückreise dauert, sind spannende Fragen.

Delfinsichtungen können gemeldet werden

Culik bittet daher, alle Sichtungen zu melden. Das ist möglich über die App des Meeresmuseums Stralsund.

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