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Kiel Jede Steigung geht in die Arme
Kiel Jede Steigung geht in die Arme
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18:05 27.06.2019
Von Laura Treffenfeld
Kim-Andre Brüske macht mit uns den Barriere-Check auf der Kieler Woche 2019. Quelle: Laura Treffenfeld
Kiel

Die Smart-Watch am Handgelenk von Kim-Andre Brüske blinkt auf. „Oha, heute habe ich schon 2000 Schwünge gemacht “, sagt er. Schritte kann die Uhr nicht zählen, denn der 30-Jährige sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl. Zusammen wollen wir uns einen Überblick über die Barriere-Situation auf der Kieler Woche verschaffen. „Dann lass uns mal losgehen“, sagt Kim. Jede kleine Steigung bedeutet für ihn einen Kraftaufwand. Schieben lassen mag er sich aber nicht so gerne: „Ich komme lieber selbstständig überall hin.“

Behindertenparkplätze sollten abgeflachte Kantsteine haben

Er ist zuvor mit seinem Kleinbus in die Innenstadt gefahren. Bei dem Behindertenparkplatz hinterm Geomar konnte er jedoch nicht parken: „Da war der Kantstein nicht abgeflacht.“ Das wäre aber nötig gewesen für die integrierte Hebebühne, die er so nicht über den Kantstein ausfahren konnte, um aus dem Auto herauszurollen. „Ich habe dann den Parkplatz hinterm Landtag genommen, der ging gut.“ Dieser Platz ist laut Kieler-Woche-Büro auch ein eigens für die Kieler Woche ausgewiesener Parkplatz für Menschen mit Behinderungen.

Wenn die Rampen zu steil sind, liegen die Fußstützen vom Rollstuhl auf

Wir kommen am „Unser Norden“-Dorf vorbei. Die Rampe am Eingang ist sogar beschildert. Doch sie ist viel zu steil. „Ich würde dieser Rampe die Schulnote 5 geben“, sagt Kim. In dem Moment treffen wir auf Gerd Knodel. Der 82-jährige Kieler sitzt in einem Elektrorollstuhl. Auch er ist nicht ganz glücklich mit der Rampe. „Das Problem ist: Wenn die zu steil sind, liegen meine Fußstützen schon unten auf.“ Am Ausgang vom „Unser Norden“-Dorf gibt es keine Rampe. „Tja, dann müssen die meisten Rollis wieder umdrehen und am Eingang herausfahren“, sagt Kim. Er selbst ist geschickt genug und schafft mit seinem Vehikel die hohe Kante per Kipptechnik. „Unbeweglichere Fahrer hätten hier aber keine Chance.“

Auf dem Internationalen Markt drehen wir eine Runde über den Rathausplatz. Die Rampen hoch zu den Frankreich- und Österreich-Ständen sind deutlich zu steil. Sie liegen sich gegenüber und konnten in diesem Jahr laut Stadt nicht flacher gebaut werden: „Zwischen diesen beiden Ständen befindet sich der Rettungsweg“, erklärt Stadtsprecher Arne Ivers. „Wir haben jedoch bereits mit dem Standbetreiber
über eine bessere Lösung für das kommende Jahr nachgedacht. Für dieses Jahr stellt er eine ganztägige Betreuung an den Eingängen sicher, sodass immer jemand vor Ort ist.“

Ist die Blase gelähmt, geht man nach der Uhrzeit auf die Toilette

Kim schaut sich nach Toiletten um. „Viele wissen nicht, dass bei bestimmt 80 Prozent der Rollifahrer, die gelähmt sind, auch die Blase gelähmt ist“, erklärt Kim. Man spüre nicht, wenn man mal muss, sondern gehe nach der Uhrzeit auf die Toilette. Die Behindertentoilette an der Ecke Hafenstraße/Kaistraße ist abgeschlossen. Auf dem Schild an der Tür steht: „Den Schlüssel erhalten Sie beim Reinigungspersonal“. Es ist aber niemand da. Wir drehen um, und Kim muss beim Überqueren jeder schwarz-gelben Kabelbrücke Kraft aufwenden.

„Das geht alles immer in die Arme.“ Dabei hat die Stadt bereits nachgerüstet. „Auf den stadteigenen Veranstaltungen wie dem Internationalen Markt oder der Jungen Bühne kommen schon die neuen, extraflachen blauen Kabelbrücken zum Einsatz, deren Anzahl wir in diesem Jahr noch einmal erhöht haben“, so Sprecher Arne Ivers. „Auch an unsere Partner auf den anderen Flächen haben wir teilweise diese extraflachen Brücken verliehen und werden auch hier in Zukunft auf einen weiteren Einsatz hinwirken.“

Die barrierefreie Toilette im Container am Playground überzeugt

Dennoch, die höheren Kabelbrücken sind für Kim nervig. Auf dem Weg zurück Richtung Kiellinie fahren wir am Playground im Ratsdienergarten vorbei. Hier stehen Behindertentoiletten, die Kim begeistern. „Also die sind ja großartig. Solche müsste es überall geben: geöffnet, sauber, mit viel Platz und einer guten Rampe.“ Ein paar Dinge muss Kim schon vor einem Ausflug planen. Aber er möchte so flexibel wie möglich leben. „Auf die Kiwo würde ich an einem Sonnabend nur mit mehreren meiner Kumpel gehen, denn die können mich in den Menschenmassen zur Not etwas abschirmen.“

Mehr und bessere Toiletten sowie Rampen für die nächste KiWo wären wünschenswert

Wirklich enorm findet er hingegen die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute: „Ich muss nur an einen
Stand heranfahren, und schon kommt da jemand und fragt, was ich haben möchte.“ Noch mehr Barrierefreiheit, etwa durch mehr und bessere Toiletten und Rampen, wäre trotzdem toll. Kim verabschiedet sich mit einem Blick auf die Smart-Watch. Nach unserer Tour zeigt sie stolze 5500 Schwünge an.

Mehr zur Kieler Woche erfahren Sie auf unserer Themenseite.

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