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Kiel Der Kieler Süden fühlt sich abgehängt
Kiel Der Kieler Süden fühlt sich abgehängt
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08:00 28.09.2019
Von Michael Kluth
Luftbild von der Einmündung der Edisonstraße auf die B 404 (unten), darüber die vollständige Aus- und Auffahrt am Wellseedamm vor dem Druckzentrum der Kieler Nachrichten. Die künftige Autobahn 21 soll nur eine Ausfahrt zur Edisonstraße erhalten, aber keine Auffahrt von der Edisonstraße. Den Ortsbeiräten Meimersdorf/Moorsee und Wellsee/Kronsburg/Rönne ist das nicht genug. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Der Ortsbeirat Meimersdorf/Moorsee ist mit zwei Anträgen an den Wirtschaftsausschuss und den Bauausschuss der Kieler Ratsversammlung herangetreten. Ziel: Der Kieler Süden soll rechtzeitig in die Planungen für eine Stadtbahn und für den Anschluss der künftigen Autobahn 21 (noch B 404) eingebunden werden. In beiden Ausschüssen erzielte der Ortsbeirat Teilerfolge.

Kieler Stadtbahn: Antrag zurückgestellt

Der Ortsbeiratsvorsitzende Carsten Rockstein (CDU) klagte dem Wirtschaftsausschuss sein Leid. "Kommen Sie mal morgens zwischen sieben und neun Uhr nach Meimersdorf", sagte er. "Da brauchen Sie mehr als 30 Minuten nur bis zum Barkauer Kreuz!"

In Moorsee ist ein neues Gewerbegebiet, in Meimersdorf ein neues Baugebiet mit 1631 Wohneinheiten geplant. "Das macht 4500 bis 5000 neue Einwohner", rechnete Rockstein vor. Es gebe im Stadtteil immer mehr Gegner des Baugebiets - und zwar gar nicht wegen neuer Nachbarn, sondern "allein wegen des Verkehrs", sagte Rockstein.

Der Ortsbeiratsvorsitzende monierte, dass das neue Baugebiet ohne eine zusätzliche Verkehrsplanung konzipiert sei. Er räumte ein, dass Trassen für den öffentlichen Personennahverkehr Baufläche kosten würden. Der Ortsbeirat ziehe das vor. Geradezu flehentlich bat Rockstein darum, den Kieler Süden in die Planung "rechtzeitig einzubinden".

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) antwortete ihm sichtlich betreten: "Der Zielkonflikt ist ja klar." Der Konflikt bestehe in der Flächenkonkurrenz zwischen Bau- und Trassenflächen. Der Verwaltungschef machte keinen Hehl daraus, dass er lieber mehr Wohnungen bauen wolle.

Kämpfer lud den Ortsbeiratsvorsitzenden sowie die bau- und verkehrspolitischen Sprecher der Ratsfraktionen zu einem "Gespräch im kleinen Kreis" am 14. Oktober ein. Bis dahin will er eine vertiefende Geschäftliche Mitteilung der Verwaltung vorlegen. Ziel: "Wir wollen den Zielkonflikt auflösen und Sie davon überzeugen." Kämpfer bat darum, den Ortsbeiratsantrag bis dahin zurückzustellen.

Der CDU-Ratsherr Wolfgang Homeyer fragte an Kämpfers Adresse: "Warum haben wir ein modernes Nahverkehrssystem bei der Baugebietsplanung nicht berücksichtigt?" Der Süden brauche auch unbedingt einen großen Park & Ride-Parkplatz mit Anbindung an Bus und Bahn. Homeyer: "Wir sollten uns auch nicht davon irritieren lassen, dass da Bauflächen bei draufgehen!"

Im Bauausschuss verlief die Diskussion tags darauf kürzer, weil im Wirtschaftsausschuss schon alles gesagt war. Beide Ausschüsse agierten schließlich in Kämpfers Sinne. Sie stellten mit großer Mehrheit den Stadtbahn-Antrag des Ortsbeirats bis zur Vorlage einer Geschäftlichen Mitteilung des Oberbürgermeisters zurück.

Autobahn 21/Edisonstraße: Antrag angenommen

Anders lief es beim Thema Anschluss an die Autobahn 21. Es geht um die Edisonstraße. Die Stadt sieht eine Abfahrt von der A 21 von Süden her auf die Straße in den Handels- und Industriepark Wellsee (Hip) für eine Million Euro vor. Sie verwehrt aber eine Auffahrt von der Edisonstraße auf die Autobahn in Fahrtrichtung Süden aus Kiel heraus, die wegen einer aufwendigen Unterführung der Autobahn mindestens neun Millionen Euro kosten würde.

Der Bund will beides nicht bezahlen. Grund: Nur 450 Meter weiter nördlich entsteht auf seine Kosten am Wellseedamm sowieso eine vollständige Aus- und Auffahrt in alle Richtungen.

Die Sorge im Kieler Süden ist nun, dass der Wirtschaftsverkehr nicht genügend abfließen kann - erst recht nicht, wenn bald die Post in Wellsee einzieht und wenn später das geplante Gewerbegebiet Moorsee fertig ist. Der Wellseedamm reiche dann allein nicht aus.

Oberbürgermeister Kämpfer gab im Wirtschaftsausschuss zu bedenken, dass die Notwendigkeit einer Auffahrt von der Edisonstraße auf die A 21 Richtung Süden "fachlich nicht gestützt" sei - im Gegenteil: Zwei Gutachten kämen zu dem Ergebnis, dass das Verkehrsaufkommen dafür zu gering sei. Damit habe die Investition weder für den Bund noch für die Stadt Sinn.

Kämpfer regte neue Gutachten während des Planfeststellungsverfahrens an. "Wenn der Anschluss verkehrlich notwendig ist, dann wird er gebaut werden", sagte er. Wenn das gutachterlich nachgewiesen sei, müsse eh der Bund die Auffahrt bezahlen.

Damit wollten die Ausschüsse sich nicht abspeisen lassen. Redner aller Fraktionen außer der Linken pflichteten dem Sinne nach dem SPD-Mann Achim Heinrichs bei, der im Wirtschaftsausschuss sagte: "Der Anschluss ist absolut wünschenswert." CDU-Kollege Homeyer rief aus: "Wir haben noch gar keine Vorstellung, was über die A 21 auf Kiel zukommt!"

Der Ortsbeirat Meimersdorf/Moorsee hatte - im Einvernehmen mit dem benachbarten Ortsbeirat Wellsee/Kronsburg/Rönne - lediglich beantragt, die Stadt möge mit der Auffahrt von der Edisonstraße nicht allein auf den Bund warten, sondern kontinuierlich alle Finanzierungsmöglichkeiten prüfen. Förderungen auch von der EU und vom Land seien ebenso denkbar wie eine Beteiligung der privaten Wirtschaft.

Diesem Antrag stimmten sowohl der Wirtschafts- als auch der Bauausschuss mit großer Mehrheit zu.

Einen Kommentar zur A 21 in Kiel finden Sie hier 

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