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Kiel Alles sauber, alles frisch?
Kiel Alles sauber, alles frisch?
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17:47 23.06.2013
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Keine Chance für Bakterien: Wartefrau Regina Babbe reinigt die Toiletten nach jeder Nutzung. Quelle: Axel Nickolaus
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Kiel

Auf den ersten Blick wirkt der Toilettenwagen am Rande des Internationalen Marktes sauber. Es stinkt nicht, und die Toilettenkabine macht einen sauberen Eindruck: Der Edelstahlboden glänzt, das Porzellan wurde nach der letzten Benutzung frisch von Wartefrau Regina Babbe gereinigt. Ist das immer so? „Ja“, bestätigt sie auf Nachfrage. „Jedes Mal, wenn ein Gast die Toilette verlässt, dann säubern wir sie“, erklärt sie. Hygiene sei in diesem Bereich sehr wichtig. „Wir wischen regelmäßig die Böden, Waschbecken sowie Toiletten und desinfizieren sie.“ Jeden Morgen würden die Wagen einer ausführlichen Grundreinigung unterzogen. Das Ergebnis lässt sich sehen. Denn auch der zweite Blick überzeugt: Desinfektionsmittel und Seife am Waschbecken sowie genügend Toilettenpapier in der Kabine sollen dafür sorgen, dass der Nutzer an diesem stillem Ort keine Angst vor Bakterien haben muss.

 Vor dem Gang zur Toilette wird auf dem Rathausplatz gegessen und getrunken. So auch am Portugal-Stand von Antje Steffen, wo die 43-Jährige Bier ausschenkt. Früher hat es mit dem Bierausschank oft Probleme gegeben. Rückstände in den Schläuchen bildeten Keime, die sich in das gezapfte Bier übertrugen. „Heute kann das nicht mehr passieren“, versichert Antje Steffen. Kleine Kohlendioxidpatronen drücken das Bier durch die Anlage. Da bleibe nichts zurück. „Das war anders, als man noch manuell pumpen musste.“

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 Hannes Traunbauer, Betreiber des österreichischen Standes, hat nichts dagegen, seine Küche und Arbeitsflächen zu zeigen. In Sachen Hygiene habe er sich selbst große Anforderungen gesetzt. „Unser kompletter Küchenbereich besteht aus Edelstahl. Bei jedem Abbau wird alles bis in die letzte Ecke gereinigt“, erklärt er. In der Tat: Die Küche erscheint blitzeblank, die Arbeitsflächen werden stets gewischt, kein Fleischabfall ist zu sehen. Wie sieht es bei ihm mit der Lagerung und Kühlung der Ware aus? „Wir bekommen die Lebensmittel just in time. Da kann nichts verderben“, erklärt der Gastronom. Und tatsächlich: Während des Testes überbringt ein Lieferant gerade frische Speisen.

 Am Poffertjes-Stand will das Testteam die Salmonellengefahr überprüfen, die von Teigwaren ausgeht. Werden rohe Eier verarbeitet? „Wir verwenden in unserem Teig mit Absicht kein Ei“, versichert Silke Schulz. „So gehen wir gar nicht erst die Gefahr ein, dass es Probleme mit Salmonellen geben könnte.“ Zusammen mit Petra Kohn verkaufte die 52-Jährige Poffertjes. Sie weiß genau, worauf es bei der Hygiene ankommt und zeigt das Desinfektionsmittel, das die Verkäuferinnen immer parat haben: „Ich hoffe, dass das die Verkäufer der anderen Stände auch haben.“ Besuchern rät sie, auf das Erscheinungsbild des Personals zu gucken. „Gummi-Handschuhe sind dabei noch lange kein Zeichen für Sauberkeit – im Gegenteil“, sagt sie. Wer keine Handschuhe trage, habe eher ein Gefühl dafür, wann es Zeit sei, sich die Hände zu waschen.

 Acht Lebensmittelkontrolleure der Stadt Kiel hatten bis spätestens Sonnabendabend alle Stände mindestens einmal begutachtet. „Und hätten welche die Anforderungen nicht erfüllt, hätten sie natürlich gar nicht erst öffnen dürfen“, erklärt Thomas Rutkowski vom Ordnungsamt. Er sagt, dass das in der Vergangenheit schon vorgekommen sei. In den zehn Tagen der Kieler Woche hat jeder der Sachverständigen ein bestimmtes Gebiet, in dem er Kontrollen macht. Rutkowski selber schaut seit gestern auf dem Internationalen Markt ganz genau hin. Gibt es ein Waschbecken? Ist der Boden sicher befestigt? Drohen Lebensmittel zu verderben? „Es gibt eine ganze Reihe von Mindestanforderungen“, erklärt er. „An das Personal, an den baulichen Zustand – und natürlich an die Lebensmittel.“ Kleinere Versäumnisse, nicht vorhandene Einmal-Handtücher oder fehlende Angaben bei den Zusatzstoffen, werden sofort behoben.

 Von Seiten der Stadt Kiel ist man in diesem Jahr zufrieden mit der Sauberkeit auf dem Volksfest. Und auch das Testteam konnte keine Verstöße feststellen. Trotzdem rät Rutkowski: „Wir appellieren an den mündigen Verbraucher, genau hinzuschauen, bevor er sein Bier kauft.“

Birte Schmidt und Birthe Herbst-Gehrking