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Kiel Der nächste Schilder-Streich
Kiel Der nächste Schilder-Streich
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07:07 30.05.2014
Von Günter Schellhase
Neuer Name, neues Schild: Doch die Kiellinie einfach nur Kiellinie zu nennen, entspricht nicht dem Ratsbeschluss. Es fehlt der Hinweis aufs Hindenburgufer. Quelle: fpr: Frank Peter
Kiel

Zur Kieler Woche wird das nichts mehr. So viel ist jetzt schon klar. Aber die Liberalen sind trotzdem zufrieden, dass sie sich mit ihrem Antrag durchgesetzt haben. Sie hatten angeregt, ein „körperlich einheitliches Schild“ zu schaffen. Darauf sollen sowohl der neue Straßenname „Kiellinie“ stehen als auch – mit einem Strich getrennt – der alte Straßenname „Hindenburgufer“, der aber durchgestrichen werden soll. Hintergrund ist, dass der ursprüngliche Plan nicht umgesetzt werden kann. Er sah vor, neue „Kiellinien“-Schilder aufzuhängen und die alten Straßenschilder darunter symbolkräftig durchzustreifen. Bevor es soweit kam, hatten Unbekannte die Schilder mit dem Namenszug „Hindenburgufer“ aber bereits abmontiert und entwendet. Ob es Souvenirjäger waren, konnte bislang nicht geklärt werden. Die Polizei ermittelt zwar wegen Diebstahls, fand aber noch keine Spur. Die Stadt wiederum lehnte einen Ersatz der gestohlenen Schilder ab.

 Das rief schließlich die FDP auf den Plan, die offenbar befürchtete, dass sich die Verwaltung mangels der alten Schilder stillschweigend über den Ratsbeschluss hinwegsetzen könnte. „Der Schilderklau darf nicht dazu führen, dass der Ratsbeschluss aus dem Januar nicht umgesetzt wird“, erklärte Fraktionsvize Christina Musculus-Stahnke, die deshalb eine ganz neue Form von Schildern forderte und dafür auch eine Mehrheit fand. „Es ist erfreulich, dass die Ratsversammlung unserer Idee gefolgt ist“, kommentierte die FDP-Frau. Die Gefahr eines Diebstahls des Schildes „Hindenburgufer“ werde damit verringert.

 Bisher existieren die neuen Schilder allerdings nur auf dem Papier. „Noch ist uns ein rechtmäßiger Beschluss nicht zugestellt worden“, sagte Wolfgang Rosendahl vom Bauordnungsamt, das für die Straßenbenennung zuständig ist. Da die Namen aber bereits feststehen, wird die Akte nicht lange auf seinem Schreibtisch liegen bleiben. Als Straßenverkehrsbehörde hat auch das Ordnungsamt noch ein Wörtchen mitzureden. „Wir sind zuständig für die Verkehrszeichen nach der Straßenverkehrsordnung. Was die Ratsversammlung beschlossen hat, ist irgend etwas dazwischen“, sagte Abteilungsleiter Thomas Hackmann. Er will jetzt mit dem Tiefbauamt reden: „Wir werden schon gemeinsam eine pragmatische Lösung finden.“

 Ist alles geklärt, geht eine verkehrsrechtliche Anordnung an Jens Kruschwitz, Abteilungsleiter Straßenbau im Tiefbauamt. Er ist für die Montage zuständig. „Sobald ich das Papier habe, werden wir die Schilder bestellen. Dann hängen sie in spätestens acht Wochen“, versprach Kruschwitz. Etwa 100 Euro müsse man pro Schild rechnen. Wie sie am Ende ganz genau aussehen werden, ist aber noch offen. Weil gleich zwei Straßennamen Platz finden müssen, werden sie wohl größer als üblich sein. Die Schrift dürfte dagegen wie immer weiß sein, der Untergrund blau. Die Farbe des Strichs durch das Wort „Hindenburgufer“ wird aber noch diskutiert.

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