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Kiel Sozialpolitik ist keine Frage des Geldes
Kiel Sozialpolitik ist keine Frage des Geldes
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06:42 05.05.2014
Von Jürgen Küppers
Sein neuer Arbeitsplatz: Gerwin Stöcken hat sich bei der Möblierung seines Büros zurückgehalten. Er weiß, dass er als Dezernent für Soziales, Gesundheit, Wohnen und Sport nicht alle Wünsche erfüllen kann. Quelle: Janssen
Kiel

Erwartungen wie Begehrlichkeiten an einen Sozialdezernenten sind groß. Arme, Kranke, Menschen mit Behinderungen, Migranten, Senioren, Arbeitslose, Wohnungssuchende: Alle erwarten Hilfestellungen – und das möglichst schnell. Dass dies mitunter sogar funktioniert, oft aber auch nicht, weiß der studierte Sozialpädagoge aufgrund seiner Erfahrungen in diversen Positionen der Kieler Sozialverwaltung, als ehmaliger Geschäftsführer des Jobcenters oder zuletzt als Referatsleiter Sozialpolitik im Oberbürgermeister-Büro.

 Seit Anfang Mai ist der 51-Jährige nun einer von zwei neuen Dezernenten, die für den in Ruhestand gegangenen Stadtrat Adolf-Martin Möller folgten. Wie berichtet war dessen Mammut-Referat geteilt worden. Die 51-jährige Renate Treutel ist als neue Dezernentin für die Bereiche Bildung, Jugend und Kreative Stadt zuständig. Stöcken für Soziales, Gesundheit, Wohnen und Sport.

 Um Grenzen – auch finanzieller Art – zu überwinden, strebt der Sozialpolitiker verstärkt Kooperationen an. Zum Beispiel mit anderen Kommunen, Investoren oder Unternehmen, wenn es um das Thema Wohnraum geht. „Wir müssen das Rad ja nicht ständig neu erfinden, wenn andere auch schon gute Ideen hatten.“

 Das gelte für die Schaffung bezahlbarer Wohnungen für Studenten ebenso wie für ältere Menschen. Dies sei eben nicht nur ein Frage des Geldes. „Wir brauchen vor allem neue Konzepte, wie in einer immer älter werdenden Gesellschaft barrierearme Quartiere mit Nachbarschaftshilfen entstehen können.“ Welche unterschiedlichen Bedarfe und Erwartungen dazu in den Stadtteilen existieren, will Stöcken unter anderem durch Besuche in den Ortsbeiräten in Erfahrung bringen.

 Begehrlichkeiten kommen auch aus dem Sportbereich. Marode Hallen mit zu wenig Trainingskapazitäten oder Schlaglöcher auf Plätzen – der Sanierungsstau ist groß, die Wunschliste von Schulen und Vereinen entsprechend lang. Doch Stöcken will hier Prioritäten setzen. Erst müssten die größten Löcher gestopft werden – zum Beispiel, was die Sanierung besonders maroder Plätze und Hallen angehe oder die Unterstützung von Vereinen in besonders stark wachsenden Stadtteilen wie Meimerdsorf oder Wellsee. „Aber man muss aus Kostengründen auch sagen: Nicht alle Vereine werden so stark wachsen können, wie sie sich das vielleicht wünschen“, stellt der neue Dezernent klar.

 Für wünschenswert, ja sogar für dringend nötig hält Stöcken hingegen die Schaffung „sinnstiftender Arbeit“ für Menschen, die keinen regulären Job haben und wahrscheinlich so schnell auch keinen finden werden. Bürgerarbeit sei eine „gute Idee“ für solche sinnstiftenden Beschäftigungen gewesen. „Wir dürfen Menschen nicht aus dem Blick verlieren, die an Bildung gescheitert sind.“

 Zu der Teilung des Sozialdezernates und den sich daraus eventuell ergebenden Zuständigkeitsproblemen will sich Stöcken nicht konkret äußern („Sie werden mich nicht dazu bewegen, dass ich das doof finde.“) Nur so viel: Er kenne und schätze seine Kollegin Renate Treutel seit mehr als 20 Jahren. Gute Voraussetzungen also, „dass Sollbruchstellen schnell wieder zu verleimen sind“.

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