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Kiel Schwebebahn und Chinatown
Kiel Schwebebahn und Chinatown
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06:00 01.07.2014
Von Christian Hiersemenzel
Sie machten sich Gedanken über die Kieler Woche der Zukunft (von links): Prof. Wolfgang Sasse, Janike Beste, Malissa Madeleine Kinkele, Ronja Tolksdorf, Christoph Hommel, Leonore Niebuhr und Elena Schwarzloh. Quelle: fpr
Kiel

War ja klar: Kaum bereitet sich die Stadt auf ihre schönsten zehn Tage vor, beginnt es draußen zu schmuddeln. Kieler Woche und Regen scheinen auf ewig Partner zu sein. „Wir müssen uns dringend Maßnahmen gegen schlechtes Wetter überlegen“, stellt Elena Schwarzloh fest und hat gleich einen futuristischen Vorschlag: Magnetische Dächer sollen über den Besuchern schweben und ihnen Schutz vor Regen und Sturm bieten. Ganz einfach – nur sollte der Magnetismus bitte nicht ausfallen.

 Früher war es vollkommen normal, dass sich Muthesius-Schüler in die Planung der Kieler Woche einmischen. „In den 1960er-Jahren entstand bei uns das Konzept der Spiellinie“, erinnert Pressesprecherin Ursula Schmitz-Bünder. „Die ist heute eine Institution.“ Kieler-Woche-Büroleiter Christian Riediger nickt. In der Tat sei die Großveranstaltung mit ihrer weltweiten Ausstrahlung ein Gesamtkunstwerk, an dem ganz viele Menschen und Einrichtungen mitwirken.

 Soviel steht fest: Neben dem 130 Jahre alten Segelwettbewerb ziehen vor allem die hochklassigen Konzerte Gäste aus dem gesamten nordeuropäischen Raum an. Für Muthesius-Professor Wolfgang Sasse steht außer Frage, dass das auch in 30 Jahren noch so sein wird. Für Kulturpessimismus bestehe kein Anlass. Es komme aber darauf an, die kulturellen Angebote anders als bisher zu bündeln – was Student Christoph Hommel aufgreift und eine „Kunstlinie“ vorschlägt: Auf dieser Meile wären Bildende Kunst, Musik, Tanz und Schauspielerei hautnah erlebbar. Ort Nummer 1: eine Strecke von der Kunsthalle durch den Prinzengarten am Kleinen Kiel entlang zur Muthesius-Kunsthochschule. Ort Nummer 2: eine Meile vom Hauptbahnhof über die Fußgängerbrücke zum Vinetaplatz.

 Nun gibt es auf dem Rathausplatz bereits den Internationalen Markt. Dessen Konzept ist allerdings nach der Ansicht der Workshop-Teilnehmer von gestern. Der Internationale Markt in seiner bestehenden Form sei langweilig geworden. Wie wäre es, wenn der Besucher stattdessen durch ein kleines portugiesisches Viertel bummelt, einen orientalischen Basar besucht, durch Chinatown schlendert und jeweils vollkommen unterschiedliche Atmosphären erlebt? In den kleinen Vierteln könnten nach Vorstellung von Malissa Madeleine Kinkele verschiedene Anbieter einer Nation oder eines Kulturkreises Speisen und Getränke verkaufen, Musikveranstaltungen organisieren und ortstypische Waren anbieten. All das hätte seinen eigenen Zauber.

 Und auf dem Rathausplatz? „Dort könnte man die Essenz aus den jeweiligen Vierteln ansiedeln“, schlägt Wolfgang Sasse vor, stößt damit aber auf Skepsis. Lieber in jedem Jahr etwas anderes, erwidern die Studenten. Ein riesiges Amphitheater schwebt Janike Beste vor, „wo jeder Besucher etwas zu essen mitbringt“ und viel improvisiert wird. In 30 Jahren dürfte es neben Facebook noch ganz andere digitale Kommunikationsplattformen geben – „vielleicht haben wir dann ein Kielbook, in dem die Kieler jedes Jahr aufs Neue abstimmen, was vor ihrem Rathaus passiert“, sagt Malissa Madeleine Kinkele. Lockerer als heute soll es nach Wunsch der Studenten vor dem Rathaus zugehen, mehr Sitzmöglichkeiten müsste es geben, mehr Raum für Kommunikation – aber bitte als smartphonefreie Zone. Wobei: „Ob wir in 30 Jahren noch Handys haben?“, zweifelt Leonore Niebuhr.

 Bleibt die Frage der langen Wege. Das bereits bestehende Wassertaxi namens „Fördeblitz“ stößt auf Zustimmung. Und dass es in 30 Jahren ökologische Busse ohne Fahrer gibt, steht für alle auch außer Frage. Leonore Niebuhr geht noch weiter und skizziert schon mal eine Schwebebahn – vom Stadtzentrum bis raus nach Falckenstein.