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Kiel Die jungen Vögel werden flügge
Kiel Die jungen Vögel werden flügge
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19:00 11.06.2019
Von Thomas Eisenkrätzer
Ausgeflogen: Der letzte von wahrscheinlich drei jungen Wanderfalken hat am Sonntagnachmittag das Nest im Kieler Rathausturm verlassen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Holger Weidmann ist viel unterwegs dieser Tage. Mit seinem Spektiv steht der 75-Jährige entweder an der Uferstraße in der Wik oder auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus, manchmal mehrere Stunden lang. Er beobachtet junge Wanderfalken bei ihren ersten Flugübungen und ist zur Stelle, falls sie abstürzen. Weidmann ist seit 2006 ehrenamtlicher Wanderfalkenschützer, als nach Jahrzehnten der Abwesenheit das erste Mal ein Wanderfalkenpaar wieder in Kiel brütete. Das war auf dem Fernmeldeturm – dank eines von der AG Wanderfalkenschutz aufgestellten Nistkastens.

Insektizide und Jagd setzten den Wanderfalken zu

Das erste Kieler Brutpaar kam für die Falkenschützer damals einer Sensation gleich. Denn der in 17 Rassen fast auf der ganzen Welt verbreitete Wanderfalke war in ganz Deutschland so gut wie ausgestorben: Das großflächig eingesetzte Insektizid DDT und starke Bejagung haben die Populationen in den 1950er- und 1960er-Jahren in weiten Teilen Europas zusammenbrechen lassen. In Schleswig-Holstein wurde 1968 der letzte Wanderfalke registriert, in Baden-Württemberg überlebten einige dank intensiver Schutzmaßnahmen und konnten sich allmählich wieder in Richtung Norden ausbreiten. Doch erst 1995 ließ sich ein erstes Paar wieder in Schleswig-Holstein blicken, seit etwa 15 Jahren kommen die Wanderfalken auch wieder in die großen Städte. Und eine der ersten war eben Kiel. „Inzwischen“, sagt Weidmann, „haben wir hier die Situation, dass wir mehr Falken haben als Brutplätze.“

Denn so einfach ist das nicht mit den Brutplätzen. Störungen während der Brutzeit können Wanderfalken nicht vertragen, nur wenige Orte sind geeignet. Einer davon ist der Rathausturm. Auch hier bauten die Falkenschützer einen Nistkasten – mit Erfolg: 2016 schlüpften drei Junge. Und dieses Jahr, nach abgeschlossener Sanierung des Turms, sind es erneut drei junge Falken, die gerade ihre ersten Ausflüge unternehmen. Im Rathaus ist die Begeisterung groß. Und die Krähenkolonie in den Parkplatz-Bäumen ist verschwunden.

In der Wik legten zwei Weibchen Eier in ein Nest

Kritischer ist die Situation auf einem Schornstein in der Wik. Hier legten offenbar zwei Weibchen drei Eier in ein verlassenes Krähennest. Ein älteres Junges überlebte und fliegt bereits, von den beiden jüngeren ist eines offenbar vom konkurrierenden Weibchen getötet worden, ein zweites trägt noch Flaum, sein Überleben ist nicht gesichert. Weidmann ist bereits mit den Stadtwerken im Gespräch, ob für das kommende Jahr ein Nistkasten am Schornstein angebracht werden könnte. Und auch für zwei weitere gesichtete Paare besteht im kommenden Jahr Hoffnung: ein neuer Nistkasten auf dem Fernmeldeturm und ein zweiter am Kraftwerk Ost – denn auch dort hat Weidmann ein Paar gesichtet. Die Eigentümer der Bauten, die Deutsche Funkturm GmbH und die Kieler Stadtwerke, haben bereits ihre Zustimmung signalisiert.

Der Wanderfalke ist mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h der schnellste Vogel der Welt. Die Geschwindigkeit erreicht er im Sturzflug beim Ergreifen seiner Beute: fliegende Vögel, besonders gern Tauben.Verlässliche Bestandszahlen für Schleswig-Holstein gibt es derzeit zwar nicht, doch in Deutschland wird die Zahl der Brutpaare auf inzwischen wieder 900 geschätzt. So hat nach dem Seeadler ein zweiter einst bedrohter Greifvogel wieder Fuß fassen können. Entwarnung können die Falkenschützer dennoch nicht geben: „Es kommt immer wieder vor, dass Wanderfalken vergiftet oder auch gestohlen werden“, sagt Weidmann.

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