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Kiel Kielerin ist meisterlich im Facepainting
Kiel Kielerin ist meisterlich im Facepainting
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11:42 08.08.2019
Von Steffen Müller
Auf das Gesicht und den Oberkörper ihres Models Vanessa malte Grischa Stuer eine weinende Schildkröte, die sich im Meer aufgrund des vielen Plastikmülls nicht mehr wohlfühlt. Quelle: Iwo Winterhak
Kiel

„Chancen hatte ich mir kaum ausgerechnet“, erzählt die 48-Jährige. Schließlich trat die Kielerin als Amateurin gegen Profis an, die mit Facepainting, also dem kunstvollen Bemalen von Gesichtern, Geld verdienen. Für Grischa Stuer hingegen ist das alles ein Hobby. Die Account-Managerin einer IT-Firma ist nebenberuflich als Kinderschminkerin unterwegs, kann für Geburtstage, Firmenfeiern oder Volksfeste gebucht werden.

Teilnahme war ein Zufall

Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Klagenfurt kam eher durch Zufall zustande. Die ursprüngliche Idee war es, zum parallel stattfindenden „World Bodypainting Festival“ zu fahren, um sich bei Workshops inspirieren zu lassen. Da sich Stuer ohnehin auf den Weg nach Österreich machen wollte, fasste sie den Entschluss, sich für den Facepainting-Wettkampf zu bewerben. Dass sie angenommen wurde, war die erste Überraschung, die zweite folgte mit dem Ergebnis bei der WM.

Das Thema lautete "Galactic Zoo"

Während des Wettbewerbs hatten die Künstler zwei Stunden Zeit, um Gesicht, Hals und Dekolleté eines Models in ein Kunstwerk zu verwandeln. Das Thema lautete „Galactic Zoo“, bei der Umsetzung wurde den Teilnehmern freie Hand gelassen. Während sich viele ihrer Mitstreiter dafür entschieden, galaktisch anmutende Tiere zu kreieren, wählte Grischa Stuer einen anderen Ansatz. „Mein Blick richtet sich vom Weltraum herab auf uns zur Erde“, erklärt Stuer. Die studierte Chemikerin entschied sich für eine Wissenschaftstheorie, die „galaktische Zootheorie“. Hierbei wird angenommen, dass die Menschen in einer unzivilisierten Gesellschaft leben und von Aliens wie Zootiere beobachtet werden, bis die Menschheit mental reift.

Plastikabfall war Thema

Für ihr Kunstwerk hat sich Grischa Stuer überlegt, wie sich der Mensch unzivilisiert verhält und entschied sich, die Umweltverschmutzung durch Plastikabfall zum Thema zu machen. Damit das Kostüm authentisch ist, hat die zweifache Mutter mit ihren Kindern Tomma und Joon am Falckensteiner Strand Müll gesammelt und daraus die Accessoires für ihr Werk hergestellt. Auf das Gesicht und den Oberkörper ihres Models Vanessa malte Stuer eine weinende Schildkröte, die von all dem Plastikmüll im Meer umgeben ist. Als Maul der Schildkröte nutzte sie den Mund ihres Models, das sie vorher nicht kannte und über das Internet ausfindig machte.

Blutige Träne symbolisiert das Leid

Schildkröten sind Opfer unseres rücksichtslosen Verhaltens“, erläuterte Stuer der Jury. „Ich habe dieses Tier als ein Beispiel für unsere Ungerechtigkeit gewählt.“ Die blutige Träne, die die Schildkröte weint, symbolisiere das Leid, das durch die Verbrechen der Menschen gegen unschuldige Meereslebewesen entstünden. Während der Rede interpretierte Model Vanessa dieses Leiden der Schildkröte eindrucksvoll. „Das hat sie klasse gemacht“, so Stuer.

Die Jury beurteilte gleichwertig nach den Kriterien „Technik“, „Idee“ sowie „Gesamteindruck“. Vor allem die Idee kam bei den Bewertern gut an, hier erhielt die Kielerin 22 von 30 Punkte. Bei der Technik waren es 19 und beim Gesamteindruck 21. Mit 62 Punkten belegte Stuer den neunten Rang und wurde beste Deutsche. Zur drittplatzierten Lisette Lawrie aus Großbritannien fehlten nur sechs Zähler. Sieger wurde die Ukrainerin Tatiana Vasilenko mit 76 Punkten.

Keine weitere WM Bewerbung

Trotz des Erfolgs wird sich Grischa Stuer für die nächste WM eher nicht bewerben. „Die Teilnahme hat viel Zeit gekostet.“ Schließlich musste die 48-Jährige eine Idee entwickeln und ihre Technik verfeinern. „Das Schminken soll bleiben, was es ist“, sagt sie. Ein schönes Hobby.

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