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Kiel Experten fordern Hardware-Nachrüstung
Kiel Experten fordern Hardware-Nachrüstung
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07:02 25.05.2018
Nur durch eine Umrüstung der Fahrzeuge kann der Schadstoffausstoß reduziert werden, sind Hans W. Hansen (li.) und Jan-Nikolas Sontag überzeugt. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Schon vor der Veranstaltung stellen die Verantwortlichen der Kfz-Branche klar, welches aus ihrer Sicht der beste Weg ist, Fahrverbote zu vermeiden und die Stickoxid-Werte tatsächlich zu senken: die Hardware-Nachrüstung.

"Es müssen wirksame Konzepte gegen die Umweltbelastung entwickelt werden", sagt Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Verbandes des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein. "Aus unserer Sicht wäre die Hardware-Nachrüstung ein solches Konzept und der einzige ökologisch-nachhaltige Weg." Den Einsatz einer blauen Plakette lehnt der Verband dagegen ab. Sie bilde nicht den tatsächlichen Ausstoß der Dieselfahrzeuge ab.

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Schadstoffschutzwand ein "abenteuerlicher Vorschlag"

Auch den Vorschlag, am Theodor-Heuss-Ring eine Schutzwand gegen den Schadstoffausstoß zu bauen, halten die Verantwortlichen des Kfz-Gewerbes für "abenteuerlich". "Es ist zwar erfreulich, dass bei vielen Beteiligten der gute Wille erkennbar ist. Leider packt aber niemand das Übel an der Wurzel", sagt Hans W. Hansen, Obermeister bei der Kfz-Innung Kiel-Neumünster. Es werde nur an den Symptomen des Desasters herumgewerkelt, aber nicht an der Ursache. "Wir wollen doch Stickoxide nicht irgendwo anders hinschaufeln, sondern beseitigen, so gut es geht."

Software-Nachrüstung nicht wirksam genug

Mit seiner Forderung nach Hardware-Nachrüstungen stellt sich das Kfz-Gewerbe klar gegen den VDA (Verband der Automobilindustrie). Die Vertreter der Autohersteller hatten bisher lediglich Software-Updates für die von den Manipulationen betroffenen Fahrzeuge angeboten. "Die Software-Umrüstungen versprechen Verbesserungen von bis zu 30 Prozent. Aber was sind 30 Prozent, wenn das Auto schon das Zehnfache der erlaubten Stickoxide ausstößt?", sagt Hansen.

Er betont, dass außerdem das Verursacher-Prinzip gelten müsse. Das heißt, die Nachrüstung müsse auf Kosten der Hersteller gehen, die ihre Kunden mit falschen Angaben zum Schadstoffausstoß betrogen hätten.

Diesel-Skandal hat existenzielle Folgen für Betriebe

Dadurch könnte auch vielen Autohäusern und Servicebetrieben der Druck genommen werden, sagen beide. Durch den Abgasskandal und drohende Fahrverbote verlieren die Diesel-Fahrzeuge nämlich deutlich an Wert. "Das hat für viele Betriebe erhebliche Folgen – zum Teil sind das existenziell bedrohliche Situationen", sagt Sontag. Viele Leasing-Fahrzeuge werden zurückgegeben und könnten dann nicht weiterverkauft werden. Auch neue Diesel-Autos werden kaum noch gekauft.

"Es geht dabei ja auch ganz konkret um Arbeitsplätze", betont Sontag. Deswegen verstehe er nicht, warum die Bundesregierung nicht endlich eine Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Hersteller durchsetzt.

Durch Hardware-Nachrüstung reduziert sich der Stickoxid-Ausstoß deutlich

Bisher gebe es aber gar keine Möglichkeiten, eine solche Umrüstung durchzuführen, sagt Hansen. Selbst dann nicht, wenn Autobesitzer bereit wären, die Maßnahme aus eigener Tasche zu bezahlen. Denn nachgerüstete Fahrzeuge seien vom Kraftfahrtbundesamt nicht zugelassen.

Forderung nach einer Umrüstverordnung

"Es muss dringend eine Rechtsgrundlage geschaffen werden", sagt Sontag. Die Bundesregierung müsse eine Umrüstverordnung erlassen. Es könne nicht sein, sagt Hansen, dass Kunden, Autohäuser und Servicebetriebe die Folgen der Abgasmanipulationen zu spüren bekämen, obwohl sie an der Misere nicht Schuld seien – während die Autohersteller weiter Milliardengewinne machten.

 Am Montag, 4. Juni, lädt die Kfz-Innung Kiel-Neumünster unter dem Motto "Aber immer mit der Ruhe" zur Diesel-Infoveranstaltung an die CAU, Gebäude CAP 3, Hörsaal 2. Sie beginnt um 19 Uhr.

Von Anne-Kathrin Steinmetz

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