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Kiel Heiße Ware in der Gefriertüte
Kiel Heiße Ware in der Gefriertüte
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10:24 21.08.2019
Von Thomas Geyer
Der mutmaßliche Bandenchef zwischen seinem Dolmetscher (links) und seinen Verteidigern Astrid Denecke und Attila Aykac (v.r.) beim Prozessauftakt im Kieler Landgericht.
Der mutmaßliche Bandenchef zwischen seinem Dolmetscher (links) und seinen Verteidigern Astrid Denecke und Attila Aykac (v.r.) beim Prozessauftakt im Kieler Landgericht. Quelle: Thomas Geyer
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Nach den Worten von Staatsanwalt Marius Heller agierte der älteste Angeklagte (36) als Kopf der Gruppe. Unter seiner Leitung soll die Bande zusammen mit weiteren Komplizen zwischen November 2018 und dem 17. Januar 2019 Drogen im zweistelligen Kilobereich eingekauft und weiterverkauft haben. Der Stoff wurde demnach auf dem Gelände eines Gebrauchtwagenhandels auf dem Kieler Westufer gebunkert.

Drogenkurier geriet in Polizeikontrolle

Laut Vorwurf schickte der türkische Hauptangeklagte zunächst einen deutschen Komplizen ohne Migrationshintergrund als Drogenkurier nach Hamburg-Wilhelmsburg. Am 6. November soll sich der Bote um 18 Uhr mit dem Lieferanten in einem McDonalds-Schnellrestaurant zur Abholung getroffen haben. Anderthalb Stunden später geriet der Fahrer in eine Polizeikontrolle. Die Beamten stellten in seinem Pkw rund 3,2 Kilo Cannabis sicher. Der Stoff soll zum Kilopreis von 6600 Euro eingekauft worden sein.

Auch nach dieser Festnahme soll die Bande weitere Geschäfts eingefädelt haben. Am 1. Dezember war es demnach wieder ein gesondert verfolgter Kurier, der die nächste Bestellung über vier Kilo Haschisch abholte. Auch dieser Stoff soll auf dem Gelände des Autohauses zwischengelagert worden sein.

Zwei "Verkaufswohnungen" in Gaarden

Zwei Wochen später wurden weitere sieben Kilo Marihuana und fünf Kilo Haschisch in zwei großen Sporttaschen auf das Gelände gebracht und in einem Geräteschuppen versteckt, so der Vorwurf. In den folgenden Wochen entnahm die Bande dort immer wieder kleinere Mengen. Portionsweise wurde der Stoff in einer großen Aldi-Gefriertüte für den Weiterverkauf nach Kiel-Gaarden gebracht.

Für die Weitergabe des Stoffes an die Konsumenten betrieben die Angeklagten zwei „Verkaufswohnungen“. In der Kaiserstraße und der Helmholtzstraße sollen die Dealer in der Vorweihnachtszeit ihre Kunden im Schichtdienst versorgt haben. Allein die letzte Lieferung soll ihnen 100 000 Euro eingebracht haben.

Nach dem letzten Drogengeschäft Mitte Januar mit rund 25 Kilo Cannabis wurden die offenbar polizeilich observierten Männer festgenommen. Sie sitzen seitdem in unterschiedlichen Justizvollzugsanstalten getrennt in U-Haft. In der Wohnung der Freundin des Hauptangeklagten stellte die Polizei drei hochwertige Uhren sicher, die mit Drogengeldern finanziert worden sein sollen.

Beraten die Juristen über einen "Deal"?

In der Wohnung der Mutter eines 29-jährigen Türken, der „die rechte Hand“ des Chefs gewesen sein soll, fand die Polizei 300 Gramm Marihuana. Knapp 200 weitere Gramm lagerten in der Wohnung seiner Freundin. Bei ihm wurden zudem „730 Euro aus vorangegangenen BTM-Geschäften“ beschlagnahmt. Der dritte Angeklagte (30), ein Schwarzafrikaner aus Nigeria, soll als Kurier und Verkäufer eingesetzt worden sein. 

Nach Verlesung der Anklage zogen sich die am Prozess beteiligten Juristen auf Anregung der Strafkammer zu internen Verständigungsgesprächen zurück. Denkbar wäre die Zusicherung von Strafobergrenzen für den Fall umfassender Geständnisse. Das Ergebnis der Gespräche will der Vorsitzende am nächsten Sitzungstag Ende des Monats bekannt geben. Dann könnte der zunächst auf sieben Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzte Prozess deutlich schneller zu Ende gehen.

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