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Kiel „Spionage“ hart am Wind
Kiel „Spionage“ hart am Wind
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22:00 25.06.2014
Von Jana Ohlhoff
Praktikant Zion Dere (v.li.), Michael Mann und Bastan Grosskopf sorgen auch in diesem Jahr wieder für atemberaubende Live-Videos von den Segelregatten auf der Kieler Förde. Quelle: pae
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Kiel

Bereits vor Beginn der Regatta herrscht reges Treiben auf der Kieler Förde. Zwischen Sicherungsbooten und den Wettkampfteilnehmern sind an diesem regnerischen und windigen Morgen auch zahlreiche Live-Übertragungsboote unterwegs. In einem davon sitzen Bastian Grosskopf und Michael Mann von der Frankfurter Firma Wingthing mit ihrem Oktocopter – einem Miniaturhubschrauber mit acht Holzrotoren und einer unten angebrachten Videokamera.

 Die beiden Segler sind bereits zum zweiten Mal mit ihrer Drohne bei der Kieler Woche dabei: „Wir sind jeden Tag rund vier Stunden auf der TV-Bahn unterwegs und filmen die Segler bei ihren Regatten“, erklärt Grosskopf. „So bekommen wir besonders interessante Perspektiven“. Das Gute: Im Gegensatz zu einem großen Hubschrauber, mit denen man Veranstaltungen wie die Kieler Woche früher überwiegend gefilmt hat, verursachst der Oktocopter keinen Wind, der die Regatta-Teilnehmer stören könnte. „Außerdem kann man mit der kleinen fliegenden Kamera viel dichter an das sportliche Geschehen herankommen“, so der 32-Jährige.

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 Bevor es allerdings losgehen kann, prüft Michael Mann noch einmal den Sitz und die Einstellungen der Kamera, die unter dem Oktocopter installiert ist. Dann ist es endlich soweit: Kameramann Grosskopf hebt den kleinen Hubschrauber hoch über seinen Kopf, während Drohnenpilot Mann die Rotoren startet. Ein leises Surren, ähnlich wie von einem Bienenschwarm, ertönt in der Luft. Dann hebt das kleine Flugobjekt ab und schwebt über dem Boot. Unterdessen ist die Regatta bereits gestartet. Mann, der schon seit 15 Jahren im Filmgeschäft tätig ist und als Stuntkoordinator arbeitet, steuert die Drohne mithilfe einer Fernbedienung im Zickzack-Kurs zwischen den Masten der Segelboote hindurch. Keine leichte Aufgabe bei starkem Wind: „Wenn ich an einem Segel hängenbleibe, könnte der Oktocopter abstürzen. Dann wären rund 40000 Euro – so viel kostet der Selbstbau ungefähr – im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen“, berichtet der 35-Jährige. „Deshalb fliegen wir immer auf Sichtkontakt und maximal bei bis zu 30 Knoten Wind.“ Das ist übrigens auch die Grenze, bis zu der die Segelregatten überhaupt noch stattfinden.

 Doch Mann manövriert das Flugobjekt gekonnt an den Booten vorbei, während Grosskopf mithilfe einer Videobrille die richtige Kameraeinstellung wählt. „Wir bekommen das Live-Bild der Kamera auf einen Monitor übertragen“, erläutert Grosskopf. „Hierüber kontrolliere ich die Perspektive und kann die Kamera unabhängig vom Kopter mit einer extra Fernbedienung steuern. Micha kann sich so voll und ganz auf das Fliegen konzentrieren“, so der gebürtige Lübecker. Nach 15 Minuten landet die Drohne dann wieder auf dem Übertragungsboot – der Akku ist leer. „Wir haben extra einen Stromgenerator mit an Bord, um die Akkus kontinuierlich aufzuladen“, so Grosskopf.

 Während des Fluges schickt die Drohne über einen Sender die Aufnahmen per Funk direkt an einen Server im Olympiahafen Schilksee. In der Regie vom Kieler Woche TV werden die Bilder dann im Akkord geschnitten und direkt auf die LED-Leinwand zum Public Viewing und im Internet übertragen.

 Die Idee, eine fliegende Luftkamera zu entwickeln, kam den beiden übrigens auf dem Wasser: „Da wir selber Segler sind und echte Technik-Nerds, haben wir uns überlegt, wie man noch bessere Einblicke in die Sportart bekommen kann, ohne die Sportler dabei zu gefährden oder zu stören“, sagt Mann. „Vor drei Jahren haben wir dann angefangen, die erste Kameradrohne zu bauen.“ Letztes Jahr kam diese zum ersten Mal auf der Kieler Woche zum Einsatz: „Wir sind bislang deutschlandweit die einzigen, die offiziell mit einer Kamera-Drohne Sportveranstaltungen begleiten“, so Mann.

 Auch in den nächsten Tagen werden Grosskopf und Mann wieder mit ihrer Wingthing 2 auf der TV Bahn unterwegs sein: „Wir hoffen nur, dass es nicht allzu viel Regen gibt. Unsere Drohne ist nämlich etwas wasserscheu“, so Grosskopf.