Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Dunkle Angsträume in der Stadt
Kiel Dunkle Angsträume in der Stadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 29.10.2016
Von Karen Schwenke
Angsträume? Angst im Dunkeln? Dunkel Ecken? Gasse zum Kleinen Kuhberg Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Kiels dunkle Ecken seien den knappen Haushaltsmitteln geschuldet und sind Teil des allgemeinen Sanierungsstaus der Kommune, erklärt Schwind. „Wir haben eben nur ein begrenztes Budget.“ Allein der Strom für die Beleuchtung von Straßen, Wegen und Plätzen kostet die Stadt jährlich 1,5 Millionen Euro. Für die Verbesserung der Infrastruktur stehen dem Tiefbauamt (neben der laufenden Umstellung von Freileitungsanlagen auf erdverkabelte Netze und LED-Lampen) gerade mal 100000 Euro im Jahr zur Verfügung. Die dunklen Ecken der Stadt habe das Tiefbauamt nicht katalogisiert. Hinweise der Kieler würden aber geprüft und eventuell in eine Prioritätenliste aufgenommen. Nach dieser Liste entscheide das Amt, wo neue Straßenlaternen errichtet werden. „Das Budget reicht aber gerade mal aus, um die ersten drei Maßnahmen von insgesamt 19 auf unserer Liste zu erfüllen“, bedauert der Abteilungsleiter. Die meisten finsteren Wege wird also auch in den nächsten Jahren kein Laternenschein erhellen. „Allerdings schreiben wir die Liste von Jahr zu Jahr fort.“ Jeder Einzelfall müsste erneut abgewogen werden. „Dabei stehen auf der einen Seite Kosten, Umweltbelastungen und Lichtsmog, auf der anderen der Wunsch nach einer gut ausgeleuchteten Umgebung.“

Hier fehlt die Beleuchtung

Beispiele für unbeleuchtete Wege und Straßen finden sich auf einer Maßnahmenliste, die das Tiefbauamt aufgrund des begrenzten Budgets nur langsam abarbeitet: Demnach liegen Fußwege in Hasseldieksdamm (zwischen Am Wohld und der Meldsdorfer Straße) und Elmschenhagen (zwischen Rönner Weg und Innweg) im Dunkeln. Ebenso der Weg durch den Schrevenpark und ein Geh- und Radweg entlang der Fördestraße in Schilksee. Außerdem gibt es in Schilksee einen unbeleuchteten Sackgassenbereich (Am Kurpark) und eine unbeleuchtete Kreuzung in Suchsdorf (Ebereschenweg/Weißdornweg). Beleuchtungslücken finden sich in Friedrichsort (Grüffkamp und Buschblick), in Hammer (Damaschkeweg) und in Mettenhof (zwischen Stockholmstraße und Claus-Sinjen-Straße). Insgesamt sind 19 Maßnahmen aufgelistet, nur wenige konnten erfüllt werden.

Das größte Vorhaben ist auf Anregung von Anwohnern realisiert worden: In der bisher gänzlich unbeleuchteten Straße in Ellerbek (Marienstraße und unterer Klausdorfer Weg) wurden moderne LED-Laternen aufgestellt. Kosten: 64000 Euro.

Die Diskussion hatte sich in Kiel Anfang des Jahres durch mehrere Überfälle auf Frauen in der Wik verschärft. Kielerinnen klagten über Angsträume und forderten eine bessere Beleuchtung. Man sei dem Problem nachgegangen, das Tiefbauamt stehe auch im Austausch mit der Polizei. Man sehe aber „keinen Zusammenhang zwischen den Straftaten und der Beleuchtungssituation“, teilte ein Sprecher der Stadt mit.

Bei einer kleinen Umfrage im abendlichen Kiel ist das Meinungsbild zum Thema Dunkelheit gespalten: „Ob wir Angst haben, hängt nicht mit der Helligkeit zusammen, sondern eher damit, ob wir allein unterwegs sind oder mindestens zu zweit“, waren sich die Kielerinnen Jale Lenz (22) und Melanie Ulbricht (23) einig. „Im Zweifel sind schlecht ausgeleuchtete Straßen weniger schlimm als so seltsame Leute, wie sie zum Beispiel am Bahnhof rumhängen.“ Die Studentin Kathrin K. (22) findet es in Kiel nicht zu dunkel: „Ich bin zwar ein ängstlicher Typ“, gibt sie zu, „aber ich fühle mich in Kiel nicht unsicherer als in anderen Städten.“ Klaus Lichner aus Westerrönfeld dagegen, der in der Kieler Innenstadt arbeitet und oft die Treppen von der Fleethörn hoch zum Rathausparkplatz in der Waisenhofstraße nimmt, sieht gerade dort eine schlecht ausgeleuchtete Ecke: „Das ist so dunkel, dass man im Winter nicht erkennen kann, ob das Pflaster vereist ist. Das ist gefährlich.“

 Auch Nina Meins (22) ist unzufrieden. Sie wohnt in der Projensdorfer Straße und muss von der Bushaltestelle eine Strecke zu Fuß gehen: „Dort gibt es auf 200, 300 Metern überhaupt keine Beleuchtung, das ist schon ziemlich gruselig.“ Ihr Kollege, der nicht namentlich genannt werden will, beschwert sich über den unbeleuchteten Schrevenpark: „Der Weg durch den Park ist zu dunkel. Ich will nicht sagen, dass ich Angst habe, aber Gedanken mache ich mir schon. Hier sollten Laternen aufgestellt werden.“

 Genau diese Forderung hatte auch der Ortsbeirat Schreventeich/Hasseldieksdamm an das Tiefbauamt herangetragen. Nun steht der Punkt in der Prioritätenliste auf Platz elf von 19. Doch Abteilungsleiter Schwind winkt ab: „Es gibt ausgeleuchtete Wege rund um den Park, jeder kann sein Ziel erreichen, auch ohne den Park zu durchqueren. Daher würden wir dieses Anliegen zurückstellen.“ Der Ortsbeiratsvorsitzende Timo Dittrich zeigte sich auf Nachfrage irritiert: „Ich dachte, wir hätten die Forderung längst zurückgenommen. Die Ortsbeiratsmitglieder halten die Beleuchtung auch nicht mehr für nötig“, sagte er. „Wir werden das nochmal besprechen, aber eigentlich waren die Argumente genannt: Erstens kann man außen herum gehen, und zweitens brauchen die Fledermäuse die Dunkelheit, um nachts zu jagen.“

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Agentur für Arbeit Kiel wird erstmals von einer Frau geleitet: Petra Eylander (57) steht seit dem 1. Oktober an der Spitze der Behörde mit etwa 1000 Mitarbeitern. 

Jan von Schmidt-Phiseldeck 29.10.2016

Haben Sie schon immer mal davon geträumt, dass Ihnen Comedian Gayle Tufts ganz exklusiv die Mailbox bespricht? Sind Sie Fußballfan und freuen sich über ein Einwegfeuerzeug von Borussia Dortmund, das Piet Klocke spendet?

Susanne Färber 29.10.2016

Im Boden klaffen noch Löcher, beim Gehen muss man auf jeden Schritt achten, denn immer wieder liegen Metallstangen oder Drahtreste auf dem Boden. Auch Pfützen haben sich gebildet, über die die Besucher hinübersteigen. Es riecht nach frisch gegossenem Beton.

29.10.2016