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Kiel Der OB spielt mit dem Feuer
Kiel Der OB spielt mit dem Feuer
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00:43 29.06.2014
Von Martina Drexler
Ulf Kämpfer, der Häuptling aus dem Rathaus, zog als Feuerschlucker und -speier kleine wie große Indianer im Manitu-Land der Spiellinie in seinen Bann. Quelle: Frank Peter
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Kiel

8.30 Uhr: Zum Mitarbeiter-Frühstück im Max-Planck-Zimmer des Rathauses erscheint der Verwaltungschef in Jeans und blauem Hemd. Wie fast immer ist er zuvor zum Rathaus geradelt, nachdem er Sohnemann Johann (8) zur Schule in Hammer gebracht hat. Kurz berichtet er, was er am Kieler-Woche-Tag zuvor an Anregungen, aber auch Kritik aufgeschnappt hat. So gab es bei der Siegerehrung in Schilksee Klagen der Segler über allzu schnelles Abschleppen. Doch bis auf Kleinigkeiten sind alle Mitarbeiter und der OB mehr als nur zufrieden. Ob Spiellinien-Leiterin Rotraud Apetz, Christian „Mister Kieler WocheRiediger, Harald Reichbott (Abfallwirtschaftsbetrieb) oder Bürgermeister Peter Todeskino: Die Kieler Woche läuft dieses Jahr richtig rund. Sprecherin Annette Wiese-Krukowska erwartet, dass die Drei-Millionen-Besucher-Marke bis Sonntag „deutlich geknackt“ wird.

9.00 Uhr: Zurück in seinem Büro wartet die normale Verwaltungsarbeit mit einem großen Streitthema auf Kämpfer. Hinter verschlossenen Türen berät der Jurist unter anderem mit Sabine Schirdewahn, Werkleiterin des städtischen Eigenbetriebs, den aktuellen Verhandlungsstand mit Mehrheitseigner MVV über den Verkauf von Stadtwerke-Anteilen. Stadt und Konzern wollen demnächst wieder Gespräche aufnehmen, sagt er hinterher, während er zum Parkplatz Waisenhofstraße eilt. Dort wartet Fahrer Sven Gidde bereits mit Blick auf die Uhr und wirkt ein wenig nervös.

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9.45 Uhr: Im mit Deutschland- und Stadt-Fähnchen geschmückten Audi geht es schnell zum Ostseekai, wo Kämpfer an der Regattabegleitfahrt der Sparkasse von 10 bis 14 Uhr auf der „Stettin“ teilnimmt. Auf der Rückbank zückt er die von Christian Riediger für den Kieler-Woche-Neuling angefertigte Bekleidungsliste: Smart Casual an Bord, also alles in Ordnung. Im Büro hat er sich noch schnell eine sportliche Weste übergezogen. Und: „Ich habe mir extra noch vorher eine Jacke gekauft.“ So ist er auch für kühlere Winde auf dem Dampfeisbrecher gut gerüstet.

14.15 Uhr: Es ist ein großes Hallo auf der Spiellinie, als Indianer „Starke Stimme“ Ulf Kämpfer und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar den kleinen wie großen Besuchern als die „Häuptlinge des Rathauses“ vorstellt. Kämpfer hat eine Riesen-Überraschung für sie parat. Der frühere Staatssekretär lässt nicht nur die Keulen tanzen, sondern jongliert auch mit brennenden Fackeln. Doch den meisten Applaus bekommt er, als er Feuer speit. Er wolle so zeigen, dass er Feuer und Flamme für die Krusenkoppel als einen der Höhepunkte der Kieler Woche sei, sagt der 42-Jährige fröhlich und lässt sich nach dem Gang durch den „Pfad der Träume“ für etliche Spiele einspannen: Papierschöpfen, Hämmern, Farbe anrühren.

15 Uhr: Kämpfer besucht die NDR-Bühne und tauscht sich bei Kaffee und Erdbeerkuchen mit Funkhaus-Direktor Volker Thormählen unter anderem über das Schlossquartier aus.

16 Uhr: Bei der RSH-Bühne lässt er sich vor Ort das Sicherheitskonzept erklären, bevor er sich bereits eine halbe Stunde später mit Hafenchef Dirk Claus zum Austausch im Hafenhaus am Bollhörnkai trifft.

17 Uhr: Die Fahrt der Seehafen GmbH an Bord der „Sprott“ beginnt. Ob das Schiff einen Fernseher hat? Schließlich startet um 18 Uhr das WM-Spiel Deutschland gegen USA, was alle Begleiter des OB doch zu gern sehen würden.

19.30 Uhr: Nach dem Anlegen fährt Chauffeur Gidde den Oberbürgermeister zum Kieler Yachtclub, wo er ein Grußwort halten wird – im Anzug und mit Krawatte. Voraussichtliches Ende, vermutet er, wie in den vergangenen Kieler-Woche-Tagen auch gegen 23 Uhr. Anstrengend, aber schön. Die Flitterwochen, so scheint es, dauern noch an.