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Kiel Geheimnisvoller Medizinbeutel
Kiel Geheimnisvoller Medizinbeutel
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07:00 17.12.2014
Von Thomas Lange
Ein Medizinmann der Navajo-Indianer zeigt seine Masken-Sammlung. Die Lübecker Ausstellung zeigt dieses seltene Foto aus dem Wilden Westen. Quelle: St.-Annen-Museum
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Lübeck

Über 200 Teile umfasst die Ausrüstung des Medizinmannes Benet Toehe – darunter Masken (Foto), Ritualobjekte, Rohstoffe für therapeutische Gegenstände und Stoffe für Medikationen. Sie haben den Weg aus dem Wilden Westen in die Lübecker Völkerkundesammlung des St.-Annen-Museums gefunden. Es zeigt eine außergewöhnliche Schau unter dem Titel „Auf der Suche nach Harmonie – Die Navajo“.

Die Sonderausstellung ist den Navajo-Indianern gewidmet, die ihre Heimat im Südwesten der Vereinigten Staaten haben. Sie sind die mit Abstand größte auf einer Reservation lebende indianische Gruppe Nordamerikas. Die Ausstellung zeigt neben kunsthandwerklichen Objekten der Navajo – vor allem Silberschmuck und Webteppiche – auch dieses Medizinbündel. Es ist eine absolute Rarität, denn nur noch sehr wenige Exemplare sind in Museumssammlungen der Welt zu finden. Das Medizinbündel wurde 1974 vom Künstler Horst Antes erworben und der Lübecker Völkerkundesammlung im Jahr 2000 geschenkt.

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Antes wurde das Bündel angeboten, als im Wilden Westen die christliche Missionarisierung durch fundamentalistische Sekten in den 1960er- und 1970er-Jahren erfolgte. Viele Navajo brachen mit ihren Traditionen, sie verbrannten oder verkauften ihre Medizinbeutel. Ein Neffe des damals bereits verstorbenen Benet Toehe verkaufte dessen Medizinbeutel an den deutschen Künstler.

Die Ausstellung ist der Versuch einer Annäherung an eine fremde Kultur aus Sicht der ethnographischen Sammlung der Stadt Lübeck. „Die Ausstellung soll sowohl einen Eindruck von der Schönheit und Vielfalt der religiösen Vorstellungskonzepte der Navajo vermitteln, als auch von der komplexen Wechselgeschichte dieser Gruppe mit der nicht-indianischen Welt“, meint Brigitte Templin, Leiterin der Völkerkundesammlung und Kuratorin der Ausstellung.

Die Navajo erlebten eine wechselvolle Geschicht, seit 1968 bezeichnen sie sich offiziell als „Navajo Nation“. Die rund 250.000 registrierten Mitglieder leben im Südwesten der USA, wo die Bundesstaaten New Mexico, Arizona, Utah und Colorado zusammentreffen.

Schon wegen ihrer Bevölkerungsgröße wurden die Navajo auf manchen Gebieten zum Vorreiter im indianischen Nordamerika, allen voran im Schulsektor. So eröffneten sie ihre erste bilinguale Schule bereits 1964. Sie waren auch die erste indigene Gruppe Nordamerikas, die 1968 ein eigenes College gründete. Da die Navajo ein touristisch stark erschlossenes Gebiet bewohnen, hat sich früh ein kunsthandwerklicher Markt entwickelt, der ein erfolgreiches Geschäft mit Souvenirs ist.

Völkerkundesammlung im St.-Annen-Museum; St.-Annen-Str. 15, Lübeck. Bis 1. März. Geöffnet Di-So 11-17 Uhr. Eintritt 6 Euro/erm. 3 Euro/Kinder 2 Euro. Infos Tel. 0451/1224137 und www.st-annen-museum.de