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Kiel Eine Stadt packt zusammen
Kiel Eine Stadt packt zusammen
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00:17 04.07.2013
Von Paul Wagner
Elke Schmidtpeter saß am Montag noch mitten im Schlaraffenland. Quelle: fpr
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Kiel

Auf dem Rathausplatz schieben kräftige Männer schwere schwarze Kisten in einen Lkw. Das Kommando über die Truppe hat eine Frau. Sabine Reitz ist Technische Leiterin und zuständig für den Abbau mehrerer Bühnen in der Kieler Innenstadt. Boxen, Mischpulte, Scheinwerfer, Kabel – alles muss innerhalb weniger Stunden verstaut sein. „Das kommt jetzt nach Koblenz ins Lager, wird sortiert und geht gleich weiter zu den nächsten Veranstaltungen“, sagt Reitz. Mit der Technik soll schon in wenigen Tagen ein klassisches Konzert in Süddeutschland beschallt werden. Seit 7.30 Uhr schuften die Arbeiter auf dem Rathausplatz. Am Vortag ging es bis 3 Uhr morgens. „War ’ne kurze Nacht“, sagt Reitz und deutet auf die fleißigen Männer. „Zum Glück haben die mir in diesem Jahr eine gute Truppe geschickt.“

 Wenige Meter weiter schiebt Helferin Laura einen breiten Besen über den Asmus-Bremer-Platz. In dem Moment huscht ein Flaschensammler an ihr vorbei, greift sich eine leere Plastikflasche aus dem Müllberg, packt diese in einen Stoffbeutel und verschwindet schnell wieder. „Das geht schon den ganzen Morgen so“, sagt Laura. Für den Kehraus in Kiel haben Laura und ihr Team nur wenige Stunden Zeit. „Wir fahren gleich weiter nach Hamburg“, sagt sie. „Dort tobt das Duckstein-Festival.“

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 Doch nicht alle räumen am Tag nach der Kieler Woche ab. Ein Team des städtischen Grünflächenamtes macht im Schloßgarten Platz für neues Leben. Zehntausende Kinderfüße und kräftiger Dauerregen haben dem Park zehn Tage lang zugesetzt. Jetzt müssen die Blumenbeete wieder aufgepäppelt werden. Chrysanthemen und Kalanchoen setzen die jungen Gärtner in den Boden, dazu einige Palmen. „Das wird hier alles komplett neu bepflanzt“, erklärt Mitarbeiter Marcus Henke.

 Auch auf der Krusenkoppel „ist der Flurschaden nicht ausgeblieben“, sagt Andreas Weber, Technischer Leiter der Spiellinie. Jetzt bekommen Wiese und Büsche wieder Zeit, sich zu erholen. Doch noch liegen auf dem Gelände unzählige kleine und große Kunstwerke. Die Dekoration des Schlaraffenlandes – Tiere, Zuckerstangen, Bonbons und Lakritze aus Holz und Pappmaschee – wartet auf neue Besitzer. Noch bis Ende dieser Woche können die Überbleibsel des bunten Kinderspektakels auf der Krusenkoppel täglich bis 16 Uhr abgeholt werden.

 Als hätte es in den vergangenen Tagen nicht genug geregnet, ist Joachim Eisenhardt vom Team der jungen Bühne am Rand des Ratsdienergartens weiter in seinem Element. „Ich darf jetzt mit dem Wasser spielen.“ Mit einem Kärcher reinigt er verdreckte Bühnenteile. Die Stimmung unter den etwa 20 Helfern ist gut, obwohl die ersten nach einer kurzen Nacht schon um 8 Uhr auf der Matte standen. Eisenhardt albert mit dem Hochdruckreiniger herum, zielt auf eine befreundete Helferin. „Na warte, wir sehen uns nächstes Jahr wieder“, bekommt er zur Antwort.