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Kiel Mehr Schüler setzen Stadt unter Druck
Kiel Mehr Schüler setzen Stadt unter Druck
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06:12 14.08.2019
Von Jürgen Küppers
Für Deutsch eine rote Mappe, für Englisch eine grüne: Die Einkaufsliste der Zwillinge Maleen und Mogens Wilken (10), die sich mit jeder Menge Unterrichtsmaterialien für ihre weiterführende Schule versorgten, war lang. In Kiel starten am Mittwoch 2058 Erstklässler ihre Schullaufbahn.  Quelle: Frank Peter
Kiel

Auch wenn in diesem Schuljahr die Gesamtzahl aller Grundschüler in Kiel mit 7749 im Vergleich zum Vorjahr (7808) leicht zurückging, sagen die Prognosen für die kommenden Jahre wieder deutliche Steigerungen auf bis zu 8100 Grundschüler im Schuljahr 2021/2022 voraus. Das wiederum bedeutet für die Stadt verstärkte Anstrengungen, um marode Schulen zu sanieren oder sogar neu zu errichten.

Denn allein bei den Grundschülern steigt deren Zahl in der Landeshauptstadt – wenn die Prognosen zutreffen – um rund 1000 innerhalb von nur fünf Jahren. Als Hauptgrund für den Anstieg führt Schulrätin Astrid Fock den anhaltenden Zuzug junger Familien mit schulpflichtigen Kindern in die Neubaugebiete an.

Nach wie vor fehlen Männer in Grundschul-Kollegien

Nahezu stabil bleibt hingegen das krasse Geschlechter-Missverhältnis bei den derzeit 530 Grundschullehrern in der Landeshauptstadt. Nur 72 von ihnen an den öffentlichen Grundschulen sind männlich. In den vergangenen Jahren seien zwar vereinzelt Männer in Kollegien hinzugekommen. „Aber im Prinzip hat sich leider nichts daran geändert, dass die pädagogische Arbeit in Grundschulen eher ein typischer Frauenberuf ist“, bedauert die Schulrätin.

Denn Studien zu dem Thema hätten klar ergeben: Vor allem Jungs benötigten in Grundschulen mehr männliche Vorbilder. Aus Sicht von Astrid Fock könnte sich die Situation zumindest mittelfristig ändern, wenn die von der Landesregierung angekündigte Anhebung der Besoldungsstufe für Grundschullehrer in den kommenden Jahren greift: „Dann würde zumindest das finanzielle Argument wegfallen, dass Männer eher nicht an einer Grundschule unterrichten wollen.“

Sanierungs-Altlasten bereiten der Stadt Sorgen

Die Stadt beschäftigen als Schulträger andere Sorgen: Mehr Schüler bedeuten nicht nur zusätzlich zu schaffende Raumkapazitäten. Hinzu kommen noch Altlasten stark sanierungsbedürftiger Schulgebäude. Besonders im Fokus stehen dabei die nach dem Krieg in den 1950er-Jahren in Kiel entstandenen 22 Schroeder-Schulen – benannt nach dem ehemaligen Kieler Baudirektor und Architekt Rudolf Schroeder.

Seine damals hochmodernen Pavillon-Schulen, die mehr als ein Drittel aller Schulbauten in Kiel (insgesamt 64) ausmachen, bereiten dem Baudezernat zunehmend Sorgen. Nicht nur, weil ihre Dämmung, Barrierefreiheit oder Bausubstanz längst nicht mehr heutigen Standards entspricht. Die Gebäude erfüllen oftmals auch nicht mehr die pädagogischen Ansprüche, was Aufteilung oder multifunktionale Nutzung von Räumen angeht.

Konflikt zwischen Denkmalschutz und Pädagogik

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem: 13 der 22 Schroeder-Schulen stehen unter Denkmalschutz. Das bedeutet: Viele der von Schulen geforderten Veränderungen müssen mit den Denkmalschützern abgestimmt werden.

„Diesen Konflikt zwischen zeitgemäßen pädagogischen Konzepten und Bewahrung des bauhistorischen Erbes wollen und müssen wir auflösen“, erklärt Baudezernentin Doris Grondke. Gelingen soll dies durch eine Potenzialanalyse an drei Schroeder-Schulen: der Friedrich-Junge-, der Max-Planck- sowie der Theodor-Storm-Schule.

Sanierungskosten sind noch unklar

Sie sollen in Abstimmung mit den Denkmalschützern exemplarisch daraufhin untersucht werden, mit welchem Aufwand welche Veränderungen vorgenommen werden könnten. Ende des Jahres könnten die ersten Ergebnisse der Analyse vorliegen und in einer Lenkungsgruppe aus Mitgliedern der Ratsfraktionen beraten werden. Erst dann ließen sich auch seriöse Kostenschätzungen zu den Sanierungen vornehmen.

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