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Kiel Strafbefehl gegen Kieler Ex-Polizei-Vize
Kiel Strafbefehl gegen Kieler Ex-Polizei-Vize
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06:15 24.08.2019
Von Niklas Wieczorek
Vormals stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Kiel: Frank Matthiesen.
Vormals stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Kiel: Frank Matthiesen. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Es könnte also zu einer Hauptverhandlung kommen. Unterdessen wurden weitere Details des Falls bekannt: So wurden bei dem Beschuldigten 1,6 Promille festgestellt – und sein Pedelec entsprach nicht den Vorgaben.

Die Leitende Oberstaatsanwältin Birgit Heß bestätigte die abgeschlossenen Ermittlungen und den Vorgang gegenüber unserer Zeitung. Zum bereits bekannten Vorwurf der "fahrlässigen Trunkenheit im Verkehr" komme "in Tateinheit ein Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz". Den Strafbefehl hat ein Richter am Amtsgericht Kiel erlassen, so Sprecherin Myriam Wolf. Laut Staatsanwaltschaft hat Matthiesens Verteidiger fristgerecht unbeschränkten Einspruch eingelegt.

Matthiesens Anwalt verwies auf die Unschuldsvermutung

In der Folge könnte ein Termin für eine Hauptverhandlung anberaumt werden. Der Einspruch könne aber auch jederzeit zurückgezogen werden, sagte Oberstaatsanwalt Henning Hadeler. Zunächst erhalte der Verteidiger Akteneinsicht. Der Strafbefehl beinhaltete eine niedrige Geldstrafe unter Vorbehalt und die Auflage, eine dreistellige Summe an eine wohltätige Organisation zu zahlen, so Hadeler.

"Offensichtlich haben die Strafverfolgungsbehörden diesen Fall an der Grenze zur völligen Straflosigkeit angesiedelt", sagte Matthiesens Verteidiger Gerald Goecke. Ob die Grenze überschritten wurde, werde nach Akteneinsicht zu prüfen sein. "Vieles spricht schon jetzt dagegen: Eine Vorverurteilung verbietet sich in jedem Fall."

Vorwurf: Pedelec konnte mehr als 25 km/h fahren

Nach den Ermittlungen war Matthiesen in der Nacht zum 24. Juni 2018 alkoholisiert auf einem Pedelec unterwegs – als es zum Sturz kam. Der damalige Polizei-Vize verletzte sich schwer, ist inzwischen aber wieder im Dienst. Neben dem Unfall unter Alkohol – nach Informationen unserer Zeitung betrug der Promillewert der Blutprobe 1,6, am Folgetag lag der Atemalkohol bei 0,3 – wird Matthiesen auch ein Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz vorgeworfen: Demnach hatte das motorisierte Fahrrad keine 25km/h-Drosselung. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm aber nicht vor, das selbst bewerkstelligt zu haben. Auch auf die Unfallgeschwindigkeit erlaube der Vorwurf keinen Rückschluss.

Matthiesen, auch SPD-Ratsherr in Neumünster, wurde im August 2018 vorläufig ins Landespolizeiamt versetzt, wo er bis zur Klärung des Unfalls "besondere Themen" bearbeite, so Innenministeriumssprecher Dirk Hundertmark. Nach Informationen unserer Zeitung wurde gegen Matthiesen ein Disziplinarverfahren eröffnet.

Warum der Fall "Matthiesen" berichtenswert ist, kommentiert der Kieler Lokalchef, Kristian Blasel, hier.

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