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Kiel „Heizungs-Bingo“ im Rathaus Kiel
Kiel „Heizungs-Bingo“ im Rathaus Kiel
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20:40 01.12.2016
Von Jürgen Küppers
Das Einwohnermeldeamt im Rathaus Kiel bleibt am Donnerstag geschlossen. Quelle: hfr
Kiel

Am Montag soll der Schaden dann aber behoben sein und in den Amtsstuben wieder der normale Betrieb aufgenommen werden. Es ist ein Bild mit Seltenheitswert: Ausgerechnet an einem sonst so publikumsstarken Donnerstag mit extralanger Öffnungszeit des Einwohnermeldeamtes herrscht im Wartebereich davor gähnende Leere. Die sonst so begehrten Ledersitze sehen aus, als hätte man sie in einem Abstelllager vergessen. Kein Gong, keine Gespräche, kein Lachen. Stille auf dem Flur wie sonst nur an Sonntagnachmittagen.

Halina Rybak (22) und ihre Freundin Mavlina Chachua (23) rütteln kurz an der Amtstüre, stutzen kurz, bis sie durch das aufgeklebte Schild mit Infos zum Grund der Schließung die Vergeblichkeit ihres Kommens erkennen müssen. „Macht aber nichts“, sagt Halina gelassen, die sich mit neuem Wohnsitz in Kiel anmelden wollte. „Dann komme ich halt ein anderes Mal wieder.“

Arbeit freigestellt

Wie vielen Rathaus-Besuchern es seit dem Teil-Ausfall der Heizungsanlage am Mittwoch so ähnlich wie den beiden jungen Frauen gehen mag, konnte Stadt-Sprecherin Annette Wiese-Krukowska nicht sagen. Auch nicht, wie viele Büros kalt oder Mitarbeiter deswegen zu Hause blieben.

Fakt sei nur, dass Personaldezernent Wolfgang Röttgers es den Amtsleitern freigestellt habe, ihre Mitarbeiter aufgrund der Kälte in den Büros zu Hause zu lassen, damit sie nicht krank werden. „Das kann natürlich bedeuten, dass es mit der Erreichbarkeit von Mitarbeitern schwierig wird.“ So gut es eben ging, seien zumindest fest vereinbarte Termine verlegt worden.

Wie berichtet, beendeten bereits am Mittwochnachmittag viele der insgesamt 550 Mitarbeiter vorzeitig ihren Dienst, weil in manchen Räumen die Temperatur unter 18 Grad sank. Grund dafür war ein Leck im Leitungssystem, das die Installateure unterhalb des Ratskellers fanden. Die ursprüngliche Annahme, dass das Leck relativ einfach verschweißt werden und damit der Arbeitsbetrieb wieder starten kann, erwies sich dann aber als trügerisch.

Erste Hoffnungen vergebens

Noch am Mittwoch wurde die Anlage zwar wieder mit Wasser befüllt, erwärmte die Heizkörper aber nur kurz. Am Donnerstag ging die Eiszeit wieder von vorne los. Der Verdacht eines zweiten Lecks macht derzeit zwar im Rathaus die Runde, offiziell bestätigen ließ sich dies jedoch nicht.

Bestätigt ist zumindest der wahrscheinliche Grund der Leckbildung(en). „Die mehr als 100 Jahre alten Leitungen bestehen aus unbehandeltem Stahl und können damit natürlich auch durchrosten“, erklärt Baudezernent Peter Todeskino, der deshalb auch für die Zukunft mit ähnlichem Ungemach rechnet: Wir gehen davon aus, dass solche Schäden in den nächsten Jahren gehäuft auftreten werden und wir neben den Frischwasserleitungen auch das Heizungssystem erneuern müssen.“

So lange will und kann Annette Wiese-Krukowska aber nicht warten. Ein zuvor erstandener Heizlüfter (25 Euro) erwärmt ihr Büro zumindest einigermaßen. Einen zweiten Lüfter hat sie ihren Kollegen nebenan spendiert. „Schließlich brauche ich die ja noch.“ Und Büroleute bewegten sich ja in der Regel nicht so viel, um Eigenwärme zu erzeugen.

Ob das „Heizungs-Bingo“ am Montag endlich beendet ist, lasse sich zwar schwer vorhersagen. Ein Gutes habe es dann aber doch, wenn es in manchen Büros kalt, in anderen warm sei: „Man besucht sich dann öfter mal.“

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