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Kiel Kommt die „Gorch Fock“ jetzt nach Kiel?
Kiel Kommt die „Gorch Fock“ jetzt nach Kiel?
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09:33 21.02.2019
Von Frank Behling
Der Bugspriet des in Reparatur befindlichen Segelschulschiff der Deutschen Marine, der "Gorch Fock", schaut im Dock der Elsflether Werft unter den Planen hervor. Kommt die "Gorch Fock" nach der Pleite jetzt nach Kiel? Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
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Kiel/Elsfleth

Nach einer Betriebsversammlung stellte der neue Vorstand der Elsflether Werft am Mittwoch um 14 Uhr beim zuständigen Amtsgericht Nordenham den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Die Werft hat Schulden in Höhe von rund 22 Millionen Euro bei Zulieferbetrieben und Subunternehmern.

Zum vorläufigen Verwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Per Hendrik Heerma bestellt. Er soll die Aussichten für eine Sanierung prüfen und die Geschäftsführung überwachen. Unterstützt wird er von dem Restrukturierungsspezialisten Tobias Brinkmann.

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Elsflether Werft leitete Geld in Goldminen um

Fast zeitgleich war die „Gorch Fock“ am Mittwoch Thema in den Ausschüssen für Haushalt und Verteidigung des Bundestages. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erhob dabei schwere Vorwürfe gegen die vor drei Wochen abgelöste Führung der Werft.

„Die alte Geschäftsführung hat, soweit wir das bisher aufklären konnten, Summen in Millionenhöhe, die die Bundeswehr ihr bereits gezahlt hat für die „Gorch Fock“, nicht an die Unterauftragnehmer weitergeleitet.“ Sie habe ein Firmengeflecht aufgebaut und Millionenbeträge aus der Elsflether Werft dorthin umgeleitet. Dabei soll es sich unter anderem um eine Goldmine in der Mongolei handeln.

Hier sehen Sie, was alles an der "Gorch Fock" erneuert werden muss.

Die Bundeswehr hatte bis Weihnachten alle Abschläge an die Werft gezahlt. Die jetzt beantragte Insolvenz in Eigenverwaltung biete den Vorteil, dass Altschulden eingefroren werden und dass die Unterauftragnehmer alle mit der Werft an einem Strang ziehen müssten, so die Ministerin.

"Gorch Fock" soll schwimmfähig gemacht werden

„Nächstes Ziel ist es, den Rumpf des Schiffes schwimmfähig zu machen“, sagte der CDU-Verteidigungsexperte Ingo Gädechens. Bis Mai könnte der Rumpf abgedichtet sein. Dafür seien noch einmal zehn Millionen Euro nötig.

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Falls die Elsflether Werft es nicht schaffe, als Generalunternehmer ein schlüssiges Konzept für die Fertigstellung des Schiffes zu erstellen, soll der 89 Meter lange Rumpf abgeschleppt werden. Dann seien die Marinearsenale in Kiel oder Wilhelmshaven als Liegeplatz im Gespräch, wie aus der Bundeswehr zu hören ist.

Bund der Steuerzahler fordert Stopp der Arbeiten an der "Gorch Fock"

Der Bund der Steuerzahler sprach sich für einen Stopp der Arbeiten aus. Auch die Opposition im Bundestag aus FDP, Grünen und der Linken forderten, die Sanierung des Segelschulschiffs auf Eis zu legen. „Jetzt implodiert die Gorch-Fock-Sanierung“, sagte FDP-Haushaltsexperte Karsten Klein.

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