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Kiel Trend: Sanftes Modernisieren
Kiel Trend: Sanftes Modernisieren
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20:58 21.07.2016
Ein Workshop für Kinder bildete am 8. Juli den vorerst letzten Beitrag zum Beteiligungsverfahren zu Katzheide. Quelle: Martin Geist
Gaarden

Erwachsene, Kinder und Jugendliche wollen demnach so ziemlich dasselbe: Katzheide soll bleiben, wie es ist, aber besser werden. In der Ratsversammlung führte das Thema zu einem Eklat: SPD-Sportpolitiker Torsten Stagars warf dem linken Ratsherrn Stefan Rudau und Andreas Regner, Mitglied der Bürgerinitiative „Katzheide Ja“, undemokratisches Verhalten vor.

 Ein wesentlicher Baustein der Beteiligung war zunächst die Idee, das große Freibad-Gelände mit dem Sportpark zu verbinden. Gezündet hat die Idee nicht. Keine Altersgruppe mochte sich wirklich dafür erwärmen. Viel Sympathie gab es einzig dafür, den Kiosk zu verlegen, damit er sowohl vom Sportpark als auch vom Schwimmbad her zugänglich ist. „Nicht so gut an“ kam laut Fischer-Gäde auch das Szenario „gutes Mittelmaß“. Schwimm- und Grünflächen wären dabei kleiner geworden, das freiwerdende Gelände hätte dem Sportpark zugeschlagen werden sollen.

 Was wirklich gewünscht wird, darin unterscheiden sich die Altersgruppen nur in Details. Jugendliche würden sich über Musik, kostenloses WLAN und buntes Wasser freuen. Wichtig ist ihnen außerdem, dass das Planschbecken näher an den anderen Becken liegt, damit sie ihre kleinen Geschwister besser im Blick haben. Groß angesagt bei den Kindern ist eine Verleihstation für Wasserspielgeräte, und beide Gruppen plädieren für eine Rutsche, während die Jugend zusätzlich noch einen Sprungturm fordert.

 Von Alt bis Jung ist man sich derweil einig, dass Umkleide- und Sanitärbereich saniert werden müssen, bei den Becken ist entsprechender Handlungsbedarf sowieso unbestritten. Die vielleicht wichtigste Aussage des Beteiligungsverfahrens betrifft die 50-Meter-Bahn für Schwimmer: An ihr will offenbar wirklich niemand rütteln. Häufig geäußert wurde quer durch die Generationen auch der Wunsch nach längeren und verlässlichen Öffnungszeiten und wärmerem Wasser.

 Hartmut Jöhnk vom Verein „Katzheide: Ja!“ lobte die Zusammenfassung der Moderatorin als „sehr toll und sehr richtig dargestellt“. Angesichts der eindeutigen Tendenz regte er an, das weitere Verfahren abzukürzen. SPD-Ratsherr Michael Schmalz bezeichnete die Ergebnisse der Beteiligung als „wirklich interessant“. Gewünscht werde eindeutig eine „sanfte Modernisierung bei langfristigem Erhalt“, formulierte er sein Fazit. Ein Problem sieht Schmalz dennoch: Bislang ist noch kein einziger Aspekt des Beteiligungsverfahrens mit Kostenschätzungen hinterlegt. Ohne diese Angaben sehe er sich als Ratsmitglied aber nicht in der Lage, eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.

 Wie sanierungsbedürftig das Bad ist, darüber informierte Stadtrat Gerwin Stöcken (SPD) die Ratsversammlung: Zum einen beule sich wieder die Folie des großen Beckens, zum anderen gebe es Probleme mit einer Wassertemperatur, die nur zwischen 20 und 21 Grad liege statt 24 Grad. „Aber ich will dafür sorgen, dass Katzheide am Netz bleibt“, versprach er und bekam von allen Seiten Applaus.

 Dann war es mit der Harmonie vorbei. Ratsherr Stagars verurteilte das Verhalten von Rudau, der die Vorwürfe zurückwies, und Andreas Regner als „schockierend“. Sie hätten versucht, die Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung durch diverse Störfeuer zu kippen, sodass so mancher Bürger den Raum verlassen habe. Vor allem Regner kreidet er an, versucht zu haben, sogar Kindern und Jugendlichen bei dem speziell für sie ausgerichteten Workshop seine Sicht der Dinge aufzudrücken. Sie sollten nur fordern, dass das Bad eins zu eins so bleibe wie es sei. „Ich will aber den wahren Bürgerwillen erfahren und bei Entscheidungen berücksichtigen“, sagte er. Mit den anderen Mitgliedern des Vereins habe er dagegen diskutieren können.

 Nach aktuellem Zeitplan soll das Thema Katzheide im September den Beiräten der Senioren, Jugendlichen und Behinderten vorgestellt werden, im Oktober sollen die Ratsausschüsse an der Reihe sein und die Ratsversammlung selbst im November und dann abschließend frühestens im Frühjahr 2017.

Von Martin Geist und Martina Drexler

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