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Kiel Erstes Tageshospiz in Kiel geplant
Kiel Erstes Tageshospiz in Kiel geplant
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18:00 23.05.2019
Von Heike Stüben
Prof. Roland Repp (Vorsitzender Hospiz- und Pallitativverband Schleswig-Holstein), Gesa Langfeldt (Awo-Kreisvorsitzende), Norbert Schmelter (Projektleiter) und Michael Demandt (Geschäftsführer Hof Hammer GmbH, von links) wollen gemeinsam das erste Tageshospiz in Kiel realisieren. Quelle: Sven Janssen
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Prof. Repp kennt die Situation aus seinem Alltag als Palliativmediziner am Städtischen Krankenhaus Kiel. „Oft möchten die Patienten nach Hause, und wir könnten sie auch entlassen. Doch zu Hause ist die Versorgung nicht rund um die Uhr sichergestellt. Oft scheitert es schon daran, dass der Partner zur Arbeit muss. Und der ambulante Palliativdienst kann nur punktuell Abhilfe schaffen.“

Menschen wollen zu Hause sterben

Das ist auch die Erfahrung von Norbert Schmelter, gelernter Gemeindekrankenpfleger und lange Jahre bis zu seinem Ruhestand Geschäftsführer der Pflege lebensnah in Rendsburg. „Es fehlt in dem Netz aus stationären Hospizen, spezialisierten Ambulanten Palliativdiensten, Hospizinitiativen und ehrenamtlichen Begleitern ein wichtiger Knotenpunkt.“ Das hat Folgen: Noch immer verstirbt die Mehrheit der Menschen in einem Krankenhaus.

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Dabei wünscht sich Umfragen zufolge die übergroße Mehrheit der Bevölkerung, ihren letzten Atemzug zu Hause tun zu können. Tageshospize könnten diesen Wunsch deutlich mehr Menschen ermöglichen: Dort könnten Schwerstkranke tagsüber versorgt, beraten, medizinisch betreut werden und soziale Kontakte finden. Die Abende, nachts und die Wochenenden könnten sie weiter in ihrer Familie verbringen. „Es wäre ein weiterer Baustein, um Menschen in der letzten Phase ihres Lebens Würde und Autonomie zu geben“, sagt Norbert Schmelter.

Tageshospiz soll Lücke schließen

Tageshospize seien zudem eine Entlastung für Angehörige und verhinderten Vereinsamung. Wichtig sei auch, dass vieles, für das die Patienten heute regelmäßig wieder ins Krankenhaus kommen müssen, in einem Tageshospiz mit abgedeckt werden kann – Infusionen zum Beispiel, die Anpassung von Schmerzmitteln, Punktionen. „Ein Tageshospiz ist also eine Begegnungsstätte mit einer palliativ-medizinischen Betreuung und mit Ansprechpartnern, um Fragen und Sorgen zu besprechen“, erklärt Schmelter.

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Doch in Deutschland sei die Entwicklung sehr schleppend. Deshalb hat er nach Verbündeten gesucht – und sie in Prof. Repp, der Arbeiterwohlfahrt und Michael Demandt von der Hof Hammer GmbH & Co. KG gefunden. „Auch wir erleben in unserem ambulanten Pflegedienst immer wieder Menschen, die in der letzten Lebensphase ins Krankenhaus kommen, weil sie allein zu Hause nicht bleiben können oder weil sie dort vereinsamen. Deshalb wollen wir mit einem Tageshospiz diese Versorgungslücke in Kiel schließen“, sagt die Awo-Kreisvorsitzende Gesa Langfeldt.

Pläne für Hof Hammer stehen

Michael Demandt steht mit seinem Mitgesellschafter Hauke Drengenberg dafür bereit und hat bereits Pläne für den Umbau der Villa auf Hof Hammer vom Architekten ausarbeiten lassen. Die vordere Fassade würde dabei stehen bleiben, sonst würde sich allerdings fast alles verändern, um die verschiedenen Bereiche für 15 Tagesgäste zu schaffen.

„Sollte das Denkmalschutzamt den Umbau nicht genehmigen, stünden wir aber auch für ein Tageshospiz an anderer Stelle bereit“, versichert Demandt. Ohnehin könne der Umbau frühestens 2020 starten, weil zunächst die neuen Versorgungsleitungen und die Zuwegung auf Hof Hammer geschaffen werden müssen. 

Sozialminister sieht Tageshospize positiv

Möglicherweise kommen also die Lübecker den Kielern zuvor: Auch dort macht sich eine Initiative für ein Tageshospiz stark. Für Prof. Repp und Schmelter eine positive Entwicklung. Denn Ziel sei, dass irgendwann jeder Schleswig-Holsteiner ein Tageshospiz in erreichbarer Nähe findet.

Lob kommt dafür von Sozialminister Heiner Garg (FDP): „Die vom bürgerschaftlichen Engagement getragenen Hospizinitiativen ermöglichen mehr Menschen in ihrer letzten Lebensphase eine würdevolle und humane Begleitung – nicht abseits, sondern in der Mitte der Gesellschaft. Diese Arbeit wollen wir fördern und die Hospizarbeit im Land weiter stärken. Tageshospize sind ein wichtiger Baustein dafür.“

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