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Kiel Ein Himmelreich für ein Feldbett
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17:17 01.10.2019
Von Kristiane Backheuer
Erinnerungen an die Grenzöffnung und die ersten Besucher aus der damaligen DDR in der Luthergemeinde in Kiel: Hans Kuhn, damals einer der drei Pastoren, Herbert Jacobs und Gerda Jacobs (von links) lesen Postkarten, Briefe und Kalender von damals. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Die Besucher aus der damaligen DDR erhielten einen kostenlosen Schlafplatz, saßen mit den Gemeindemitgliedern bis tief in die Nacht bei angeregten Diskussionen zusammen und sangen gemeinsam Adventslieder. „Das war eine tolle Zeit“, sagt Herbert Jacobs (84), der damals die Idee zu dieser außergewöhnlichen Begegnung hatte. Der bevorstehende Tag der Deutschen Einheit ist seitdem für ihn und seine Frau Gerda (83) ein ganz besonderer Feiertag

Ungewöhnliche Ost-West-Begegnung in Kiel

Zum Treffen haben Herbert und Gerda Jacobs alte Dankesbriefe, Presseartikel und einen Kalender von 1989 mitgebracht. Auch der damalige Pastor, Hans Kuhn (82), ist gekommen. „Ich erinnere mich noch gut an diese ungewöhnliche Ost-West-Begegnung“, sagt er und lächelt verschmitzt. Mit dabei hat er einen alten Gemeindebrief von 1989, in dem sein Kollege Hans-Wilhelm Kirchhofer über die Treffen mit den ehemaligen DDR-Bürgern berichtet.

Staunende Blicke vor den Schaufenstern

Wie es überhaupt zu der Idee kam? „Nachdem die Mauer gefallen war, sah ich in der Kieler Innenstadt viele frierende Menschen“, erzählt Herbert Jacobs, der 38 Jahre lang hauptamtlicher Küster der Luthergemeinde war. „Ich hab’ sofort gesehen, dass es Bürger aus der DDR waren. Wir gehen in einen Laden rein, kaufen was und gehen wieder raus. Die aber schauten nur staunend in die Schaufenster.“ Spontan entschloss er sich, diese Menschen anzusprechen und ins Gemeindehaus am Schrevenpark einzuladen.

Feldbetten und Bananen im Gemeindesaal

 Schnell war der übrige Gemeindevorstand überzeugt. Es wurden Brötchen, Aufschnitt und Kaffee eingekauft. Wolldecken und Bettzeug wurden bereitgestellt. Viele Kieler Firmen unterstützten die spontane Aktion mit Lebensmittelspenden. Über die Bundeswehr konnten Feldbetten besorgt werden. „Unser Jugendraum im Keller wurde zum Schlafsaal, genauso wie die große Wittenberg-Halle unterm Dach“, erzählt Herbert Jacobs, und die Erinnerung bringt seine Augen zum Strahlen. Er erzählt von einem geparkten Trabbi in der Schillerstraße. „Auf den Scheiben war Raureif“, sagt er, „und da hatte jemand ein ,Herzlich willkommen’ raufgeschrieben. Die Gemeinschaft war so stark zu spüren.“ 

Die meisten Besucher waren spontan losgefahren

„Bisher war Kiel ja für die Menschen aus der DDR ein weißer Fleck auf der Landkarte“, sagt Herbert Jacobs. „Klar wollten sie sehen, wie es hier aussieht und sind meist spontan losgefahren.“ Über Übernachtungsmöglichkeiten oder das Geld hatten sich aber wohl die wenigsten Gedanken gemacht. So wurde das Angebot der Luthergemeinde mit großer Freude angenommen. Bei der zweiten Aktion am Wochenende darauf waren Herbert Jacobs und die vielen anderen Helfer dann noch besser vorbereitet. „Ich hatte bei der Stadt Bescheid gesagt“, erzählt der 84-Jährige. „Sobald sich die ehemaligen DDR-Bürger das Besuchsgeld im Rathaus abholten, bekamen sie den Hinweis, dass es am Schrevenpark in unserer Kirchengemeinde Unterkunft und Verpflegung gibt.“ So kamen immer wieder neue Besucher und lernten die norddeutsche Gastfreundschaft kennen. Hans Kuhn erinnert sich auch an 30 angehende Theologiestudenten, die aus Rostock anreisten, um sich im Lutherhaus mit ihren westlichen Studienkollegen auszutauschen.

Zu manchen besteht der Kontakt bis heute

Herbert und Gerda Jacobs blättern in den vielen, vielen Dankesbriefen von damals, die sie natürlich aufbewahrt haben. Auf einer Weihnachtspostkarte fragen Karl-Heinz und Elke aus Schwerin: „Können wir uns wiedersehen?“ Andrea und Olaf aus Wismar bedanken sich „für die freundliche und nette Bewirtung“. Ein anderes Ehepaar aus Stralsund verzierte den Umschlag mit den schönsten Marken der damaligen DDR. Einladungen zu Gegenbesuchen kamen zuhauf. „Wir hätten ein Jahr unterwegs sein können, wenn wir alle angenommen hätten“, sagt Gerda Jacobs lachend. Noch bestehe loser Kontakt zu einigen der damaligen Besucher. Gerade hat Herbert Jacobs mit Bianka Lindner aus Rostock telefoniert. „Leider darf sie nicht mehr Auto fahren“, erzählt er mit Bedauern. „Aber sie sagte, sie erinnere sich noch täglich an die tollen Begegnungen.“ 

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