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Kiel Ein Ja zu Olympia wäre nur der Anfang
Kiel Ein Ja zu Olympia wäre nur der Anfang
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01:00 20.11.2015
Von Kristian Blasel
Kiels Olympiahafen in Schilksee. Auch wenn der Bürgerentscheid aus Sicht der Befürworter positiv ausfällt, wäre der Weg zu erneuten Spielen in Deutschland noch weit. Quelle: Markus Scholz/dpa
Hamburg

Oder wie es Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, kürzlich in Kiel optimistisch formuliert hat: „Ab dem 30.11. geht es richtig los. Freuen Sie sich auf arbeitsreiche Jahre.“

 Von Februar 2016 bis Mai 2017 müssen die Kandidatenstädte zu drei Terminen Unterlagen einreichen. Dazu gehört auch ein sogenanntes Bid Book (Bieterbuch). Darin sollen die Bewerberstädte ihr Konzept mit finanziellen Garantieerklärungen der Stadt, des Landes und die Sportstättenpläne darstellen. Bis spätestens Ende Mai benennt das IOC auf Grundlage der Bid Books dann endgültig die fünf Kandidaten für 2024. Diese werden dann Anfang 2017 von einer Kommission umfassend evaluiert.

 Bis 2017 haben also – ein Ja aus Kiel und Hamburg vorausgesetzt – die fünf Bewerberstädte Zeit, die internationale Sportgemeinschaft von sich zu überzeugen. Paris, Los Angeles, Rom und Budapest sind neben der Hansestadt noch im Rennen. Die endgültige Entscheidung, fällt erst auf der 130. Session des Internationalen Olympisches Komitees in der peruanischen Hauptstadt Lima, die im September 2017 stattfinden soll. Bis dahin kann eine Kandidatur ohne Angaben von Gründen zurückgezogen werden. So haben Hamburger Senat und Kieler Ratsversammlung gleichermaßen auch nach dem Bürgerentscheid die Möglichkeit, im Falle einer Kostenexplosion einzugreifen.

 Es ist also noch ein weiter Weg, der vor den Kandidaten liegt. Und ein teurer. Auch in der Bewerbungsphase fallen nämlich erhebliche Kosten an. Auf jeden Fall werden 250000 Dollar Bearbeitungsgebühren fällig. Das sind derzeit umgerechnet etwa 220000 Euro. Geschätzt werden sämtliche Bewerbungskosten nach deutscher Kalkulation auf 50 Millionen Euro. Ein gewaltige Summe, die dennoch wie die berühmten „Peanuts“ erscheinen könnte. Dann nämlich, wenn man sie in Relation setzt zu den 11,2 Milliarden Euro, die Hamburg erwartet, falls die Hansestadt tatsächlich den Zuschlag für 2024 bekommen sollte.

Unternehmer sind meist Zahlenmenschen. Aber Zahlenspiele zur Kosten- und Nutzenanalyse Olympischer Spiele sucht man derzeit in Wirtschaftskreisen vergeblich. Trotzdem sind sich die meisten Unternehmer im Norden einig: Schon die Bewerbung allein hätte einen unbezahlbar wertvollen Effekt für die gesamte Region – vorausgesetzt die Bürgerentscheide in Hamburg und Kiel am 29. November laufen auf ein „Ja“ zu den Spielen hinaus.

Jürgen Küppers 20.11.2015

Die Geschichte deutscher Olympia-Bewerbungen, das ist auch eine Geschichte des Scheiterns. Anfang des vergangenen Jahrhunderts tat Berlin alles, um Austragungsort der begehrten Sportwettkämpfe zu werden – und hatte doch immer wieder das Nachsehen.

Kristian Blasel 20.11.2015

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Gerhard Müller 20.11.2015