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Kiel Fahrradmitnahme bald kostenlos?
Kiel Fahrradmitnahme bald kostenlos?
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14:29 17.11.2012
Von Günter Schellhase
Fähranleger an der Reventloubrücke. Quelle: pae
Kiel

„Radfahren macht in Kiel immer mehr Spaß und wird zudem immer sicherer“, sagte Todeskino. In diesem Jahr habe das städtische Tiefbauamt gleich fünf neue Fahrradstraßen eingerichtet. Zusätzlich seien zahlreiche Radwege verbessert und verbreitert worden. Mit den Broschüren „Radrallye Kieler Innenstadt“ und „Kieler Ostufer“ können alle Interessierten diese Bereiche entdecken. Doch wie kommen sie von einem Ufer auf das andere?

 „Die Fahrradmitnahme im Hamburger Hafenverkehr oder auf der Fähre Rostock/Warnemünde ist generell kostenlos. Die Selbstverwaltung kann beschließen, dass der Eigenbetrieb Beteiligungen als Gesellschafter die SFK anweist, eine Sonderregelung einzuführen“, sagte IAF-Sprecher Michael Henry. Das Angebot für Pendler sei ein erfolgversprechender Weg zu einer Erhöhung des Radverkehrs und hin zu deutlich höheren Einnahmen durch Zeitkartenverkauf an Pendler, die bisher nicht erreicht wurden, weil es diese Alternative nicht gab.

 „Und die finanziellen Verluste sind gering. Die SFK verkauft im Durchschnitt drei Fahrradmonatskarten pro Monat“, sagte Henry und stellt folgende Rechnung auf: Diese Radkarten bringen 108 Euro pro Monat , maximal 1296 Euro pro Jahr in die Kasse. Die SFK ist Mitglied im Verkehrsverbund Region Kiel (VRK). Zeitkarten für Räder gibt es im VRK ausschließlich für Fahrten mit der SFK auf den ÖPNV-Linien F1 und F2. „Aber wie hoch ist der Anteil aus diesen Einnahmen nach Verrechnung im S-H-Tarif und der VRK für die Stadt Kiel?“, wollte Henry von der SFK wissen.

 „Zu dem SFK-Anteil nach dem SH-Tarif können wir keine pauschale Antwort geben, da er ein relationsbezogener Tarif ist“, sagte SFK-Sprecherin Andrea Kobarg. Kiel erhalte direkt keine Einnahmen aus dem Verkauf von Fahrscheinen des SH-Tarifs bei der SFK. Henry hingegen will wissen, dass lediglich „Geld im Promillebereich“ an die SFK zurückfließe. „Im günstigsten Fall sind das 1,08 Euro pro Monat oder 12,96 Euro im Jahr“, sagte er.

 Henry kalkuliert weiter: Wenn es auch nur gelänge, 50 Autofahrer (Jahreskarte 542 Euro) vom Ostring auf den Fördedampfer und das Rad zu bekommen, dann hätte die SFK relationsbezogene Mehreinnahmen von 27100 Euro. Und 50 Autos täglich würden weniger um die Förde fahren. SFK-Sprecherin Kobarg räumte skeptisch ein, dass die Rechnung aufgehen könnte, wenn es tatsächlich gelänge, so viele Pendler zum Umsteigen zu begeistern.

 „Die kostenlose Mitnahme von Rädern muss die Politik entscheiden“, sagte sie. Diese Maßnahme wäre eine Sonderregelung im VRK, denn generell müsse in allen öffentlichen Verkehrsmitteln für den Radtransport gezahlt werden (z.B. KVG-Bus 2,40; maximal 3,70 Euro; Rollis und Kinderwagen und zusammengefaltete Klappräder sind frei). Wenn ein Defizit entstünde, müsse die Stadt diese Summe dem VRK erstatten. Kapazitäten für Räder seien auf den sieben Fördeschiffe während der ersten Fahrten am Morgen im Sommer und Winter vorhanden.

 Achim Heinrichs, verkehrspolitischer Sprecher der SPD, meint: „Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch finanzierbar. Für die Fahrrad-Mitnahme auf den Fördeschiffen stehen nur begrenzte Kapazitäten zur Verfügung, die dann auch bezahlt werden müssen. Trotz aller erfolgreichen Bemühungen der SFK ist der ÖPNV auf dem Wasser defizitär, daher kann auf zusätzliche Einnahmen nicht verzichtet werden.“

 CDU-Ratsherr Stefan Kruber könnte es sich gut vorstellen, dass die Inhaber von Zeitkarten außerhalb der Hauptsaison ihre Räder mit auf die Fördedampfer nehmen können. „Wenn es irgendwie möglich ist, sollte das doch gehen. Die SFK muss einmal prüfen, zu welchen Zeiten die Auslastung gering ist“, sagte Kruber. Die Mitnahme sei ökologisch, müsse allerdings kostenneutral sein.

 Für die Grünen ist die Diskussion ein Sturm im Wasserglas: „Die Radmitnahme im Rahmen des Semestertickets für Studierende ist umsonst. Und es wurden nur drei Monatskarten für Räder verkauft. Wir wollen uns deswegen nicht aus dem SH-Tarif verabschieden“, sagte Ratsherr Lutz Oschmann, der auch SFK-Aufsichtsratsvorsitzender ist.