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Kiel Stein-Sammler brauchen ein gutes Auge
Kiel Stein-Sammler brauchen ein gutes Auge
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17:00 15.07.2019
Von Karina Dreyer
Teilen die Leidenschaft für besondere Funde: Frank Rudolph und seine Lebensgefährtin Katrin Mohr. Quelle: Karina Dreyer
Kiel

Rudolph zeigte am Wochenende die steinige Vielfalt am Hundestrand in Falckenstein. Die Eiszeiten brachten Sand, Kies und Schotter aus dem balto-skandinavischen Raum nach Schleswig-Holstein und formten dadurch die Landschaft. „Überall, wo es hier Steine gibt, lässt sich also etwas Spannendes finden“, sagt Rudolph. Es sei eine Wanderung durch zwei Milliarden Jahre Erdgeschichte und alle Gegenden Skandinaviens möglich, ohne dorthin reisen zu müssen.

"Sammler erkennt man am braunen Nacken"

Besonders viel Spaß macht es ihm, am Strand nach Donnerkeilen, Hühnergöttern, Fossilien und sämtlichen anderen gepunkteten oder gestreiften Gesteinen zu suchen. Denn hier offenbaren sich die Schätze aus dem Wasser, besonders nach Stürmen. Im Sommer haben dagegen in der Regel Touristen die Strände schon regelrecht abgegrast.

„Sammler erkennt man am braunen Nacken und blassem Gesicht. Sie gehen demütig mit dem Kopf nach unten gebeugt“, sagt Rudolph. Und wie bei jeder Sucht fängt es harmlos an: „Den ersten versteinerten Seeigel findet man zufällig, dann wird der Blick gezielter, und beim dritten ist man süchtig.“ Anfangs landen Funde in der Vitrine, es entsteht der Hobbyraum rund um Gesteine, und „dann bucht man nur noch Urlaube mit steinreichen Stränden“. Rudolph weiß das, denn er kennt es von sich selbst. Und so versteht es sich irgendwie von selbst, dass er sich mit seiner Lebensgefährtin Katrin Mohr beim Ansehen seiner Steinesammlung näherkam.

Beim Steinesammeln kamen sie sich näher

Rudolph kennt viele Geschichten zu den Funden. Beispielsweise sind die sogenannten Donnerkeile, die zur Gruppe der Belemniten gehören, eigentlich die Spitzen des Gehäuses fossiler Tintenfische und rund 70 Millionen Jahre alt. Der Legende nach „hat der Donnergott Thor sie mit dem Hammer durch die Wolken geschlagen“. Sie sollen vor Blitzen, bösen Blicken und Alpträumen schützen, „im Mittelalter wurden sie auch in Apotheken als Schutz vor Gewehrkugeln verkauft“. Zu finden sind Donnerkeile im groben Sand an jeder Steinküste.

Die Hühnergötter aus Dänemark, 60 bis 70 Millionen Jahre alte, kleine Feuersteine, „haben eigentlich nur zufällig Löcher. Sie wurden früher als Schutz für die Hühner an einem Faden im Hühnerstall aufgehängt, denn das Geräusch der aneinander klackernden Steine vertrieb den Fuchs“, so Rudolph. Warum sie die Legetätigkeit verbessern sollten, „das kann ich mir nicht erklären“.

Manche Funde sind 50 Millionen Jahre alt

Zu finden sind auch längliche, bräunliche und 50 Millionen Jahre alte Hinterlassenschaften von Krebsen. „Sie haben beim Graben die Tunnel im Sand mit Kotpellets stabilisiert“, sagt Rudolph. Zu erkennen sind sie äußerlich an den kleinen, runden Dellen. Und dann gibt es die Hexenschüsseln aus eisenhaltigem Sandstein. „Der Sand wurde mit der Zeit ausgespült, geblieben ist die krumme Kruste aus Eisen“, sagt der Experte. Die Hexenschüsseln werden den sagenumwobenen Zwergen, den Unterirdischen, zugeschrieben. „Sie haben im Untergrund geschmiedet, und was nichts geworden ist, wurde nach oben gebracht.“

Wenn Frank Rudolph und Katrin Mohr zum Sammeln gehen, ist mindestens ein Hammer dabei, ein Rucksack für bis zu 50 Kilogramm Fundstücke und Zeitungspapier, um sie zu schützen. Mit dem Hammer brechen die beiden Steine, um nach Fossilien zu schauen. „Da kommt auf 100 Steine aber nur ein Treffer“, sagt er. Und die Technik dazu will erlernt sein. Für das Sammeln braucht es nur ein gutes Auge.

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