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Kiel Zuwanderer in Kiel abgezockt
Kiel Zuwanderer in Kiel abgezockt
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09:57 02.12.2016
Von Bastian Modrow
Die mutmaßlichen Betrüger sollen auch fingierte Mietverträge vorgelegt haben. Quelle: dpa
Kiel

Die Fahnder schlugen zeitgleich an vier Orten zu, neben den Wohnungen wurde nach KN-Informationen auch eine Gaststätte und ein Reisebüro durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Kiel wirft den 41 und 45 Jahre alten Beschuldigten vor, regelmäßig Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien bei Behördengängen als Dolmetscher begleitet zu haben, um ihnen dann Geld abzunehmen. „Die Männer gaben vor, dass sie ehrenamtlich beim Ausfüllen von Anträgen, beispielsweise auf die Grundsicherung für Erwerbssuchende, helfen würden“, bestätigt der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Tatsächlich haben die Ermittler allerdings Hinweise darauf, dass die Hilfesuchenden von den gebürtigen Kurden abkassiert wurden. Die Rede ist von Beträgen in Höhe von 1000 Euro und mehr. Überdies sollen die Beschuldigten auch fingierte Mietverträge für die Antragsteller beim Jobcenter in Kiel vorgelegt haben. „Überprüfungen in mehreren Fällen ergaben, dass es sich um gefälschte Urkunden gehandelt hat und die betreffenden Personen dort weder lebten, noch die Eigentümer etwas von den Mietverträgen wussten“, sagt Bieler.

 Nach KN-Informationen hatte die Stadt Kiel die Ermittler auf den möglichen gewerbsmäßigen Betrug aufmerksam gemacht. Offenkundig hatten sich Zuwanderer an Rathausmitarbeiter gewandt. Allein im Stadtteil Gaarden leben mehr als 900 aus Rumänien und Bulgarien stammende Menschen. „Immer wieder ist uns in den vergangenen Monaten aufgefallen, dass wir es mit Personen aus diesem Kulturkreis zu tun hatten, die unheimlich unter Druck standen und in eine Abhängigkeit gedrängt worden waren“, sagt Sozialdezernent Gerwin Stöcken. Viele würden unter skandalösen Bedingungen leben. „Wir wissen von Fällen, in denen sich sechs Personen ein Zimmer teilten, aber horrende Mieten für ihr Quartier zahlen mussten“, berichtet Stöcken und spricht von Lebensbedingungen, „die an moderne Sklaverei grenzen“. In den Wohnungen und Geschäftsräumen der Verdächtigen wurde am Donnerstag von zwei Dutzend Fahndern umfangreiches Beweismaterial gesichert. Dies müsse nun ausgewertet werden, so die Staatsanwaltschaft. Beide Männer wurden nach der Durchsuchungsaktion wieder auf freien Fuß gesetzt.

Es ist ein Erfolg für Zoll und Staatsanwaltschaft – und zugleich ein trauriger Hinweis darauf, wie ausgeprägt die kriminelle Struktur bereits ist, mit der zumindest ein Teil der Flüchtlinge und Einwanderer auch in Schleswig-Holstein systematisch ausgebeutet wird.

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