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Kiel Dieser Job erfordert Mut
Kiel Dieser Job erfordert Mut
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17:45 31.07.2019
Von Kristiane Backheuer
Arbeitsplatz in luftiger Höhe: Techniker Thomas Scheel musste etliche Antennen am Funkturm Kiel umbauen, damit die Sanierung reibungslos klappt. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Thomas Scheel ist derzeit mit der Teilsanierung des Fernsehturms Kiel beauftragt. Der Beton an der Betriebskanzel wird gerade neu beschichtet. Ausnahmsweise dürfen wir an diesem regnerischen Tag mit hinauf in luftige Höhe.

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Egal, wo man ist in der Stadt, das Wahrzeichen von Kiel ist eigentlich immer zu sehen. 226,9 Meter hoch ragt der Fernsehturm in den Himmel und ist damit nicht nur das höchste Bauwerk der Stadt, sondern auch der höchste Turm in Schleswig-Holstein.

Fernsehturm Kiel: 7000 Kubikmeter Beton und 1100 Tonnen Stahl wurden damals verbaut

Am Fuße mitten im Vieburger Gehölz ist der Eindruck dann noch gewaltiger. Mit Schutzhelm geht es über den eingezäunten Hofplatz, durch eine Eisentür hinein in das Innere des Bauwerks. Knapp 7000 Kubikmeter Beton und 1100 Tonnen Stahl wurden verbaut. Zwei Jahre und drei Monate mussten die Arbeiter ackern, bis das Mammutprojekt dann endlich im Oktober 1975 fertig war. 

Damals war Thomas Scheel noch ein kleiner Knirps. Inzwischen aber kennt er das Bauwerk und vor allem die Antennen aus dem Effeff. „Für die derzeitige Sanierung mussten wir einige Anlagen umsetzen“, erzählt er im Gehen.

Absolute Sicherheitsstufe für sensible Sendetechnik

An den grauen Betonwänden lagern Betonsäcke, Schubkarren und Werkzeuge. Der Fuß hat einen Durchmesser von 31 Metern. Mittendrin steht der Fahrstuhlschacht. In einem Schnellhefter wird notiert, wer im Innern rein- oder rausgeht. Im Fernsehturm herrscht höchste Sicherheitsstufe. „Zum Schutz der sensiblen Sendetechnik“, sagt Scheel. „Unsere Technik soll ja die Menschen, Unternehmen und Behörden in der Region mit absoluter Zuverlässigkeit mit verschiedenen Funkdiensten versorgen.“

Im Nu hat der Fahrstuhl 120 Meter Höhe überwunden. Ein kurzes Knacken in den Ohren, dann öffnet sich die Tür zur Plattform 2 über der Betriebskanzel. Die oberste Plattform ist noch einmal 15 Meter höher.

Ganz Kiel liegt dem Techniker zu Füßen

Thomas Scheel öffnet die Riegel einer schweren Sicherheitstür und betätigt mit einer Kurbel die Türöffnung. „Die Kurbel ist nötig, falls mal starker Wind auf die Tür drückt“, sagt er und tritt ins Freie. Ganz Kiel liegt ihm nun zu Füßen. „Es ist immer wieder beeindruckend“, sagt er. „Vor allem die Förde ist wunderschön.“ Gerade läuft die Color Line ein. Der Morgennebel lichtet sich. Wie grün alles von hier oben aussieht. Nur eine dicke Jacke wäre jetzt nicht schlecht. Der Wind pfeift ordentlich über den Dächern der Stadt.

Mit ein paar Schritten ist Thomas Scheel auf dem äußersten Rand der Plattform. Dort, wo die Antennen angebracht sind und kein Geländer mehr schützt. Zwei Schritte mehr und der Familienvater würde in den Abgrund stürzen.

„Schwindelfrei muss man für diesen Job schon sein“, sagt er und erzählt, dass er immer mit Gurt und Seilen bei seiner Arbeit gesichert ist. „Rechts ist eine Richtfunkantenne, die über die Erdkrümmung geht und 50, 60 Kilometer sendet. Daneben ist eine UKW-Antenne.“ Doch das digitale Radio sei stark im Kommen. Auch digitales Fernsehen (DVB-T) wird vom Fernsehturm Kiel gesendet.

Direkte Strahlung könnte durchaus Körpergewebe verbrennen

Mit dabei hat Thomas Scheel bei jedem Einsatz ein Hochfrequenz-Messgerät. „Bei hoher Sendeleistung könnte die direkte Strahlung durchaus Körpergewebe verbrennen“, sagt er. „Daher sind die Antennen so hoch angebracht, und nur geschultes Personal darf sich ihnen nähern.“

Alle zwei bis drei Jahre muss Thomas Scheel einen Belastungstest machen. EKG, Sichtfeld-Analyse, Bluttest. Für diesen Job muss man fit sein. Zum Glück ist Thomas Scheel ein drahtiger, sportlicher Mann, der in seiner Freizeit gerne Rad fährt und wandert. Sein Arbeitgeber ist die „Deutsche Funkturm“, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, der auch der Kieler Fernsehturm gehört. 

Ein paar Meter unter der Plattform 2 arbeiten derweil Arbeiter an der Neubeschichtung der Betriebskanzel. Ein aufwendiges Gerüst, das an der Unterseite befestigt ist, macht es möglich.

Die Sanierung wird noch bis Mitte nächsten Jahres andauern

„Das sind ganz normale Routinearbeiten“, sagt Thomas Scheel. „Beton ist eben nicht ewig haltbar. Schon gar nicht, wenn salzige Meeresluft ins Spiel kommt.“ Er rechnet damit, dass die Arbeiten noch bis Mitte nächsten Jahres andauern werden. „Eigentlich wollten wir in fünf Monaten fertig sein. Aber im Frühjahr hatten wir einige Stürme, und die letzten Tage war es einfach zu heiß für die neue Beschichtung.“

In den Jahren 2015 und 2017 wurde bereits der Schaft unterhalb der Kanzel saniert. „2021 ist dann vermutlich der Schaft bis zum Erdboden dran“, so Scheel. Den tollsten und vielleicht gefährlichsten Arbeitsplatz von ganz Kiel wird er also noch etwas länger haben. 

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