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Kiel Hohe Hürden für die Öffnung
Kiel Hohe Hürden für die Öffnung
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17:59 07.11.2019
Von Petra Krause
Bis die historische Seefestung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, wird es noch lange dauern. Auf dem Bild sind die Grenzen (Bildmitte) gut zu erkennen. Zwischen Wassergraben und dem roten Caterpillar-Gebäude liegen die Kasematten. Quelle: Sven Janssen
Kiel-Friedrichsort

Die gesamte Anlage der Seefestung ist im Besitz von vier verschiedenen Eigentümern. Die Entmagnetisierungsanlage im Süden gehört dem Bund. Das Land nutzt den östlichen Außenwall als Deich. Die Kasematte 1 rechts vom Haupteingang ist Eigentum der Firma Caterpillar. Der Rest mit der Kasematte 2 und dem zentralen Bereich wurde Anfang 2006 ebenso wie das Antennenfeld von der Bundeswehr an die Festung Friedrichsort GmbH & Co. KG verkauft. Gesellschafter sind die Erben des Anfang 2019 verstorbenen Axel Kettmann, Hinrich Krey und Peter Jöns, sowie die Kiwi, eine 100-prozentige Tochter der Stadt.

Öffnung setzt den Grunderwerb voraus

„Die Rekonstruktion und Öffnung der Seefestung setzt den Grunderwerb, insbesondere vor dem Hintergrund der Schaffung fördertechnischer Rahmenbedingungen, voraus“, heißt es in der vorliegenden Machbarkeitsstudie. Dabei ist der zentrale Bereich und die Kasematte 1 der Festung gemeint. Doch schon daran könnten alle Entwicklungsszenarien für das rund neun Hektar große Areal scheitern. 

Zwar teilte Bernward Völmicke vom Stadtplanungsamt Ende 2017 bezüglich der Verkaufsverhandlungen mit, dass „entsprechende Haushaltsmittel für 2019 angemeldet“ seien. Eine Größenordnung wollte er damals nicht nennen. Auf der Sitzung des Ortsbeirates meinte es aber: „Eigentlich wollen die nicht verkaufen: Wir stehen ganz am Anfang mit den Verhandlungen.“

Preisvorstellungen liegen offenbar weit auseinander

In der Studie heißt es dazu auch: Die Regularien der Stadt zur Kaufpreisfindung fanden keinen Zuspruch. Eine begründete Kaufpreisvorstellung von Seiten der Gesellschafter konnte bisher nicht vorgelegt werden. Die Sondierungen sind daher sehr stockend und es ist nicht absehbar, ob und wann es zu einer Einigung kommen kann.“ Offenbar liegen die Preisvorstellungen weit auseinander. 

Dennoch soll die Ratsversammlung am 21. November per Beschluss ihr Ziel bekräftigen, die Festung in städtisches Eigentum zu übernehmen, denkmalgerecht wiederherzustellen und der Öffentlichkeit zumindest in Teilen zugänglich zu machen. Langfristig soll der Ankauf weiterverfolgt werden. Der Ortsbeirat nahm die Beschlussvorlage bis auf eine Enthaltung zustimmend zur Kenntnis und betont das Interesse des Gremiums, dass insbesondere die Wiederherstellung der Festung und ihre öffentliche Nutzung zügig betrieben wird.

Altlasten kommen erschwerend hinzu

Aber zügig wird dort vermutlich nicht nur wegen der zähen Kaufverhandlungen nichts passieren. Denn hinzu kommt das Problem der Altlasten in den Festungsgräben und auf dem Gelände. „Ein großes Thema mit erheblichen Kosten und eines der großen Bretter, die gebohrt werden müssen“, so Heinz Lochner von zuständigen Berliner Planungsbüro. Hinzu kommen die Revitalisierungskosten des Geländes mit der Kasematte 1, die sich laut Bericht auf 25,8 Millionen Euro belaufen. 

Die Festung ist allerdings nur ein Teilbereich des 127 Hektar großen Gebietes, für das ein Struktur- und Nutzungskonzept erarbeitet wurde. Während ihre Zukunft noch mit vielen Fragezeichen versehen ist, gibt es im nördlich liegenden Gewerbe- und Industriegebiet konkretere Planungen. Nach einjährigen Kaufverhandlungen mit dem hessischen Immobilienunternehmer Jürgen B. Harder stehe die Stadt vor der Unterzeichnung des Vertrages, sagte Kiwi-Prokurist Einar Rubin. „Wir sind fast am Ziel.“

Neuordnung soll eigentlich bis 2024 abgeschlossen sein

Für die umfassende Revitalisierung des rund 34 Hektar großen Areals mit etwa elf Hektar Hallenflächen, einem Hektar Büro- und Sozialfläche und neun Hektar Grundstücksfläche wurden in der Machbarkeitsstudie 43 Millionen Euro veranschlagt – ausgenommen der Grunderwerb. Zum Kaufpreis machte Rubin keine Angabe. Allerdings wurden 2018 für den Erwerb des Gebietes 14 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt. Die Neuordnung des Geländes soll 2024 abgeschlossen sein.

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