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Kiel Feuchtigkeit wird in Kiel zum Problem
Kiel Feuchtigkeit wird in Kiel zum Problem
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09:53 10.01.2013
Von Martin Geist
Wo sie einst ins Wehr gezwängt wurde, darf sich die Eider heute frei austoben und an künstlichen Klippen mit Sauerstoff anreichern. Feucht wird es auf den Wiesen an ihren Ufern aber wohl immer bleiben. Quelle: Martin Geist
Kiel

Nur sehr bedingt, lässt sich die umfangreiche Antwort der Experten im Rathaus auf drei Worte reduzieren. Das hat schon damit zu tun, dass zuallererst natürliche Faktoren gesehen werden, die vom Menschen kaum zu beeinflussen sind. Die Eider, so heißt es, sei ein Tieflandfluss, der geologisch bedingt sehr wenig Gefälle mit einem sehr großen Einzugsgebiet verbindet. Kommt es also zu stärkerem Regen- oder Tauwetter, wird der natürliche Außenbereich überflutet. In Hammer seien diese Auwald- und Wiesenbereiche nicht bebaut, heißt es in dem Schreiben der Stadt. Betroffen seien lediglich „Wanderwege, die zeitweise nicht benutzt werden können“. Problematisch ist das aus Rathaus-Sicht meist nur im Winter; Überflutungen wie im sehr regenreichen Sommer 2011 seien die Ausnahme.

 Doch bleibt das Problem nicht auf die Eider begrenzt. Ist der Fluss voll, bilden sich entsprechende Rückstaus in der Kuhfurtsau und der Russeer Au. Auch dort stellen sich Folgeprobleme wie der oft überflutete Wanderweg am städtischen Kindergarten in Russee ein.

 Spürbar sind auch die Auswirkungen jahrzehntelanger Entwässerung der Niedermoorböden in den Auen. Zwischen Eiderbad und Steinfurter Mühle ist die Eider zuletzt in der 1960er Jahren durch Begradigung, Vertiefung und Verbreiterung ausgebaut worden. Seitdem trocknen die moorigen Böden der Eiderwiesen im Sommer stärker aus und bauen dabei Volumen ab. Faktisch ist demnach also der Wasserstand nicht unbedingt höher. Es stellt sich nur so dar, weil der Boden tiefer gesackt ist.

 Speziell am Tannenholz und anderen recht tief gelegenen sandigen Flächen in Hammer sammelt sich zudem nach starkem Regen auch das Wasser aus der Umgebung, so dass es dort zu den von Betroffenen immer wieder beklagten Vernässungen kommt.

 Auf Michael Wagners Frage, was die Stadt für eine Verbesserung der Zustände tun kann, fällt die Antwort reserviert aus. Man habe „nur sehr begrenzte technische und rechtliche Möglichkeiten, Einfluss auf den Eiderpegel zu nehmen“ und könne allenfalls anstreben, möglichst wenig Oberflächenwasser einzuleiten. Eine Möglichkeit dazu sei es, für künftige Neubaugebiete Regenrückhaltebecken oder dezentrale Versickerung vorzuschreiben. Dass das vor Jahren angelegte Feuchtbiotop zwischen Eider- und Wiepenkrog nasse Keller bewirkt, schließen die Umweltexperten dagegen schon deshalb aus, weil dieses Biotop deutlich höher liegt.

 Um die Feuchtigkeitsprobleme nicht noch zu verschärfen, spricht sich die Stadt gegen eine weitere Entwässerung der Niedermoorböden aus. Das soll weitere Bodensackungen verhindern, die nicht mehr rückgängig zu machen wären. Mit dem vom Bearbeitungsgebietsverband Obere Eider in Aussicht gestellten Handlungskonzept zur Verbesserung des Zustands der Eider hat die Stadt zuständigkeitshalber wenig zu tun. Das Ziel, die Eider durchgängiger und naturnäher zu gestalten, wird befürwortet, für den Weg dorthin ist aber der Verband zuständig.

 Ein Stück weit, so antwortet die Stadt auf eine weitere Frage des Ratsherrn, ließe sich das Problem durchaus mit dem Bau einer kompletten Ortswässerung für die Siedlung Hammer lösen. Der dazu nötige Bau von Kanälen und anderen Anlagen wurde schon 1990 auf 3,5 Millionen Euro veranschlagt und wäre heute entsprechend teurer. Zudem müsste das Projekt fast vollständig von den Hauseigentümern bezahlt werden und würde nur dann etwas bringen, wenn weitere Möglichkeiten einer dezentralen Versickerung oder zeitlich gestreckten Ableitung des Oberflächenwassers geschaffen würden.

 Den immer wieder zu hörenden Vorwurf, die Eiderwiesen seien zu feucht, weil die Gräben kaum gepflegt werden, weist die Stadt zurück. Eine intensive Pflege der Gräben sei nicht nötig und habe mit dem Wasserstand der Eider ohnehin nichts zu tun. Der Wanderweg an der Russeer Au soll auch weiterhin die meiste Zeit des Jahres zugänglich bleiben, indem er mit Schotter erhöht wird. Es solle „sichtbar bleiben, dass sich dieses Gebiet in einem Auwald befindet, der gelegentlich überschwemmt wird“, spricht sich die Stadt gegen aufwendigere Lösungen wie einen Steg aus.