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Kiel Rettung auf Sardinien begann in Kiel
Kiel Rettung auf Sardinien begann in Kiel
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22:30 29.05.2018
Ein 23 Jahre alter Kieler verlor beim Wandern an der Ostküste der italienischen Insel Sardinien die Orientierung und rief seine Mutter an, die die Kieler Feuerwehr alarmierte. Quelle: Grafik Lina Schlapkohl
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Kiel

 Über den Kurznachrichtendienst Whatsapp schickte er seiner Mutter in Kiel eine Nachricht und schilderte seine Lage. Es war kurz nach 21 Uhr, und in dem Naturschutzgebiet an der felsigen Ostküste Sardiniens wurde es dunkel. Die Mutter wählte in Kiel kurzentschlossen die Notrufnummer 112 und landete bei der Leitstelle der Kieler Feuerwehr am Westring.

Landespolizei bitte Bundeskriminalamt um Hilfe

Sie schilderte dort die Notlage ihres Sohnes. Da der Einsatzort in 1500 Kilometern Entfernung deutlich außerhalb der Möglichkeiten der Feuerwehr lag, wurde eine Rettungskette ausgelöst. „Von der Rettungsleitstelle kamen die Informationen zu uns ins Lagezentrum der Landespolizei. Von dort haben die Kollegen dann das Bundeskriminalamt um Hilfe gebeten und die Informationen übermittelt“, sagt Torge Stelck vom Landespolizeiamt in Kiel. Beim Lagezentrum des BKA wusste man über die Interpol-Kontakte sofort einen Ansprechpartner in Italien.

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Italienische Polizei schnell informiert

Und auch in Italien ging es zügig. Nur Minuten später wurde die Polizeizentrale in Nuoro auf Sardinien alarmiert. Dort startete umgehend die Rettungsaktion. Die Station der Küstenwache in Olbia sowie in dem kleinen Hafen Arbatax an der Halbinsel Capo di Monte Santu wurden alarmiert. Da die italienischen Retter keinen Kontakt zu dem Wanderer herstellen konnten, wurden auch ein Suchflugzeug, die Feuerwehr und die Bergretter in Marsch gesetzt.

Küstenwache läuft aus

Das Patrouillenboot „CP 824“ der italienischen Küstenwache lief aus. Das Küstengebiet ist bei Dunkelheit für Ortsunkundige mit vielen Risiken verbunden. Es wechseln sich enge Pfade, Steintreppen und Geröllfelder ab. Teilweise gibt es steile Hänge und Klippen direkt am Meer. Die Pfade sollten deshalb nur bei Tageslicht erkundet werden. Bei Dunkelheit besteht Lebensgefahr.

Retter entdeckten Mann auf Felsvorsprung

Da die letzten Daten vom Smartphone des jungen Mannes das Suchgebiet auf den Küstenstreifen eingrenzten, wurde Bucht für Bucht abgesucht. Um 1.42 Uhr entdeckte die Besatzung des Patrouillenbootes den Wanderer auf einem Felsvorsprung an einer Bucht nördlich von Arbatax. Mit einem gewagten Manöver holten die Italiener den 23-Jährigen vom Felsvorsprung an Bord und versorgten ihn sofort.

Das Patrouillenboot brachte den Kieler nach Arbatax, wo er von einem Arzt und Rettungssanitätern untersucht wurde. Da der Mann bei guter Gesundheit war, wurde er auf eigenen Wunsch entlassen, wie es aus Italien heißt. Gegen 2 Uhr meldeten die Italiener dann die erfolgreiche Rettung an die deutschen Kollegen.

Gute Zusammenarbeit im Notfall

„Dieser Fall ist ein gutes Beispiel dafür, wie gut die internationale Zusammenarbeit im Notfall funktioniert“, sagt Torge Stelck. Zuletzt hatten deutsche und italienische Behörden im September kooperiert. Damals war nahe der süditalienischen Hafenstadt Salerno die in Kiel beheimatete Segeljacht „Great Passion“ im Sturm gestrandet. Ein Besatzungsmitglied wurde damals gerettet, ein zweites gilt seitdem als vermisst. Bei der Suchaktion setzte die italienische Küstenwache damals auch Informationen aus Deutschland ein.

Von Behling Frank

Frank Behling 29.05.2018
29.05.2018
29.05.2018