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Kiel Als die Beatmusik noch Protest war
Kiel Als die Beatmusik noch Protest war
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07:00 29.01.2017
Von Alev Doğan
Produzent Gerald Grote (links) mit Jörn von Rekowski beim Digitalisieren von alten Filmen. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Angefangen hat es alles mit einem Theaterstück: „Schwarzer Schocker“ heißt es und feiert demnächst seine Premiere im Theater im Werftpark. Es geht um die 1960er- Jahre in Kiel, um Jimi Hendrix, um die erstaunliche Rock- und Popkultur, die zu der Zeit an der Förde entstand. Auch geht es um die NPD, denn die ist nach der Wahl 1967 mit vier Sitzen im schleswig-holsteinischen Landtag vertreten. Wie kann das sein, kein Vierteljahrhundert nach Ende des Dritten Reichs, fragt sich die Hauptperson Hauke in dem Stück von Jens Raschke. Und um das Publikum auf diese Zeit einzustimmen, wird ihm vorab ein dreiminütiger Kurzfilm gezeigt. Den macht Gerald Grote, Regisseur, Produzent und Gründer des Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen.

Kieler helfen Kielern

 „Und genau für diesen Film brauche ich die Hilfe aller Kieler“, sagt Grote aufgeregt, während er durch seine Produktionsfirma „Einfallsreich“ läuft. „Die Schubladen und Schränke der Kieler stecken voller Amateurfilme von damals.“ Seinerzeit für den Privatbedarf gedacht, kann jede auf Acht-Millimeter-Filmen aufgenommene Sekunde den Film um einen weiteren Schnipsel Kieler Historie ergänzen. Mit ihren Dokumentarfilm-Projekten „8mm Kieler Woche“, „Schnee von gestern“ und „Bis an die Grenze“ haben Claus Oppermann und Grote einen Fokus auf beinahe vergessene Archive lebendiger deutscher Geschichte gelegt. Nun also wieder Kiel. Diesmal die Beat-Zeit – Pop-Rock, inspiriert vom amerikanischen Rock’n’Roll und britischem Skiffle, mit ihren wohl bekanntesten Vertretern, die diesen Stil entwickelten und populär machten: die Beatles. Und auch, vielleicht sogar gerade im Norden wurden die Haare länger und die Röcke kürzer.

 „Meine Musikrichtung war das ja nicht – zu harmlos –, aber die Zeit an sich muss eine absolut spannende gewesen sein“, sagt Grote. Er selbst sei musikalisch durch Heavy Metal erwacht, durch Bands wie Black Sabbath und Deep Purple. Auch wenn es seine Musikrichtung nicht war, so hat es die Zeit ihm doch angetan. „Das war der Aufbruch einer Generation, die sich befreite, politisch dachte und Veränderungen herbeiführen wollte. Hier in Kiel gab es ja eine unglaubliche Menge von Demonstrationen und Sitzblockaden und und und.“

Der Beat in Kiel

 300 Beat-Bands habe es in dieser Zeit allein Kiel gegeben. Diesen Zeitgeist, den will er in seinen drei Minuten konservieren – nichts Nachgestelltes, nichts Konstruiertes. Echte Kieler, vor 50 Jahren. „Stimmungsvolle Eindrücke von Menschen und ihrem Lebensstil, vielleicht sogar von Beat-Bands – ihren Auftritten und ihrem Publikum – und natürlich: vom Star-Palast.“ Der Star-Palast, die Perle der Kieler Kneipenszene, war in Gaarden der Treffpunkt für alle, die in der Beat-Zeit Teil dieses Lebensgefühls sein wollten. „Ob Aufnahmen von innen oder außen“, Grote nimmt sie alle.

Filmaufnahmen gesucht

 Leser, die Videoaufnahmen aus der Zeit 1964 bis 1969 aus Kiel haben und sie mit Gerald Grote für sein Filmprojekt teilen möchten, erreichen ihn unter Tel. 0431/80095899 und per Mail an info@8mm-kino.de. Grote übernimmt die Abholung.

 Theaterpremiere „Schwarzer Schocker“: Donnerstag, 23. Februar, 20 Uhr, Theater im Werftpark, Ostring 187A.

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